In der EU wächst der Druck auf die Politik, Erdgasimporte aus Russland zu stoppen. Seit Beginn des Krieges hat die EU Russland mehr als 40 Milliarden Euro für Energielieferungen gezahlt.
Dem stehen EU-Militärhilfen an die Ukraine in Höhe von bislang 1,5 Milliarden Euro gegenüber.
Bisherige Sanktionen stoppen Krieg nicht
Die bisherigen Sanktionen konnten den Krieg nicht beenden. Europa kann einen dreimonatigen Ausfall der russischen Gaslieferungen, was ungefähr 230 TWh entspricht, in den Sommermonaten verkraften.
175 TWh Erdgas können während des Sommers durch eine konsequentere Nutzung der vorhandenen LNG-Kapazitäten, der angekündigten Produktionssteigerung Norwegens und konstant hoher niederländischer Gaslieferungen kompensiert werden. Die Restmenge fehlt zunächst nur in den Gasspeichern.
Ohne russisches Gas im nächsten Winter
Die EU könnte auch mittelfristig auf russisches Gas verzichten. Russland lieferte im Jahr 2019 rund 1900 TWh Erdgas (inklusive LNG) nach Europa, die im Falle eines Importstopps ersetzt werden müssten. Mögliche Kompensationsstrategien sind der Ausbau der LNG-Importe, höhere Auslastung der bestehenden Pipelinelieferungen und eine konsequente Nachfragereduktion.
Im Referenzjahr 2019 importierte die EU ebenfalls rund 1900 TWh Erdgas aus LNG-Lieferungen. Nutzt man die bestehen Kapazitäten voll aus, könnten die LNG-Ausspeicherungen auf 2.500 TWh erhöht werden. Das entspräche einem Ausbau von 600 TWh.
LNG-Ausbau und Pipelinelieferungen
Die Bundesregierung plant zum nächsten Winter in Wilhelmshaven mit einem schwimmenden LNG-Terminal (FSRU), was einer jährlichen Kapazität von 90 TWh entspricht. Zwei weitere FSRUs würden die Kapazität auf insgesamt 270 TWh erhöhen. Polen und Italien planen die Kapazität der bestehenden LNG Terminals um 35 TWh zu erhöhen.
Die niederländische Regierung könnte die Produktion in Groningen mit jährlich 76 TWh konstant halten. Zudem plant das Land, das LNG-Terminal in Rotterdam um 30 TWh auszubauen und ein zusätzliches FSRU mit 40 TWh in Betrieb zu nehmen.
120 TWh im Rahmen des Gas-Notfallplans
Italien erwägt zwei weitere FSRUs und verhandelt mit Pipelinelieferanten aus Algerien, Libyen und Aserbaidschan um eine Erhöhung der Gaslieferungen. Algerien hat bereits eine Steigerung der Produktion von zehn Prozent in Aussicht gestellt.
Im Rahmen des Gas-Notfallplanes würden etwa 120 TWh der industriellen Gasnachfrage abgeschaltet werden, da diese Unternehmen vertraglich eingeräumt haben, auf einen anderen Energieträger umschalten zu können.
Einsparungen beim Heizen
Gaskraftwerke, die nicht systemrelevant sind, könnten durch andere Kraftwerke ersetzt werden. Das Forschungszentrum Jülich geht davon aus, dass etwa 300 TWh Erdgas kurzfristig ersetzt werden könnten.
Im gewerblichen und im privaten Sektor könnten bis zu 200 TWh eingespart werden. In diesen Sektoren ist der Heizbedarf der größte Nachfragetreiber. Mit jedem Grad, um das die Raumtemperatur abgesenkt wird, reduziert sich der ursprüngliche Gasbedarf um jeweils sechs Prozent.
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



