Deutschland ist das Land der vielen Kraftwerke. Mehr als 70.000 konventionelle Stromerzeugungsanlagen gibt es hierzulande, wie aus einer neuen Studie der DBI-Gruppe hervorgeht. Die DBI-Gruppe forscht als unabhängige Unternehmensgruppe des Verbands DGVW zu Gasthemen verschiedener Art. Die zentralen Befunde der Studie liegen der ZfK vorab vor.
Den Löwenanteil machen demnach Blockheizkraftwerke aus. Dazu gesellen sich 689 Gas- sowie 155 Kohlekraftwerke.
Kohle vor Erdgas
Nach Leistung und Energieträger sortiert hat die Kohle mit 54 Prozent die Nase vorn. Hauptverantwortlich dafür dürften bestehende Riesenmeiler etwa im Rheinischen Revier sowie in Brandenburg und Sachsen sein.
Dahinter reiht sich der Energieträger Erdgas mit 40 Prozent ein. Sechs Prozent entfallen auf Blockheizkraftwerke. Die dort verwendeten Brennstoffe werden nicht näher aufgeschlüsselt. Insgesamt halten die mehr als 70.000 konventionellen Kraftwerke übrigens eine Leistung von 82 Gigawatt (GW) vor.
Bedeutung gesicherter Leistung
Nach jetziger Gesetzeslage steigt Deutschland bis 2038 aus der Kohle aus. Bis spätestens 2045 muss auch mit der Erdgasverbrennung Schluss sein, sofern sie Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgibt. Windenergie- und Solaranlagen sollen dann den Großteil des benötigten Stroms erzeugen.
Um jedoch auch an sonnen- und windarmen Tagen die Stromversorgung zu garantieren, gelten auf Wasserstoff umrüstbare Kraftwerke als wesentlicher Bestandteil des künftigen Kraftwerksparks. Bestehende Standorte dürften sich dabei unter anderem aus technischen und umweltverträglichen Gründen besonders gut anbieten.
40 Prozent mindestens fünf Kilometer entfernt
Doch wie gut sind diese überhaupt ans Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen? Auch das untersuchte die DBI-Gruppe und fand heraus: 90 Prozent sind mehr als einen Kilometer von der bislang geplanten, knapp 10.000 Kilometer langen Wasserstoff-Autobahn entfernt.
Mit Blick auf die installierte Leistung sind es noch immer 80 Prozent. 40 Prozent liegen sogar mindestens fünf Kilometer vom Wasserstoff-Kernnetz entfernt.
"Gasverteilnetze müssen erhalten bleiben"
Der Verband DGVW sieht die Studie als weiteren Beleg dafür, dass das Wasserstoff-Kernnetz erst der Anfang sein kann. Denn Kraftwerke, die nicht direkt an die Haupttransportroute angeschlossen werden können, müssten über Gasverteilnetze versorgt werden.
"Für die Versorgungssicherheit in Deutschland müssen die Gasverteilnetze deshalb erhalten bleiben, wenn die Strom- und Teile der Wärmegewinnung über die aktuellen Kraftwerkstandorte weiter abgedeckt werden sollen", heißt es.
Umstrittenes Gas-Rückbaupapier
Die Studie kommt zu einer brisanten Zeit. Zum einen verhandelt die Ampel auf verschiedenen Ebenen derzeit nicht nur über die Kraftwerksstrategie, sondern auch über die Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes. Nach ZfK-Informationen war aus Kostengründen auch die Länge des Netzes zuletzt ein Thema.
Zum anderen veröffentlichte das Bundeswirtschaftsministerium jüngst ein Ideenpapier zum Rückbau der Gasnetze. Der Tenor hier: Am Ende der Transformation werden Gasnetze "aller Voraussicht nach in deutlich geringerem Umfang benötigt werden als derzeit". Die Länge der Gasverteilnetze von derzeit mehr als 500.000 Kilometern werde "stark zurückgehen". (Hier mehr dazu.) (aba)
