Das Kraftwerk Irsching

Das Kraftwerk Irsching

Bild: © Rolf Sturm/Eon

Die Eigentümer der Gaskraftwerke Irsching 4 und 5 bei Ingolstadt, Uniper (alleinige Eigentümerin des Gaskraftwerks Irsching 4), N-Ergie, Mainova und Entega sind an diesem Mittwoch zusammengekommen, um die Rückkehr der beiden Anlagen in den Markt zu begehen. Als Ehrengäste drückten der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und der Bürgermeister von Vohburg, Martin Schmid, den symbolischen Knopf zum Marktstart. Das teilte Uniper mit. Die Anlagen kehren nach sieben Jahren in der Netzreserve in der Nacht zum 1. Oktober zurück in den Markt.

Hintergrund sind laut der Mitteilung die verbesserten Marktpreisentwicklungen – insbesondere die gesunkenen Gaspreise – die einen wirtschaftlicheren Betrieb der hoch effizienten Gaskraftwerke als in der Netzreserve möglich erscheinen lassen. Die Eigentümer hatten bereits angekündigt, die Situation von Jahr zu Jahr neu zu bewerten und die Entscheidung bei verschlechterten Marktkonditionen zu revidieren.

Aiwanger: Entlastungen für die Verbraucher

Minister Aiwanger begrüßt es sehr, dass die hoch effizienten und modernen Gaskraftwerksblöcke Irsching 4 und 5 zukünftig wieder mehr genutzt werden, insbesondere in Zeiten geringer Einspeisung aus regenerativen Erzeugungsanlagen. „Die Rückkehr auf den regulären Strommarkt entlastet auch die Verbraucher, die bisher die Kosten der sogenannten Netzreserve – in der sich die Kraftwerksblöcke seit Jahren befanden – über die Netzentgelte zu tragen haben“, wird er in der Mitteilung zitiert.

„Trotz Kernenergie- und Kohleausstieg muss auch zukünftig ausreichend gesicherte Erzeugungsleistung zur Verfügung stehen. Daher fordere ich vom Bund die Schaffung eines systematischen Investitionsrahmens für solche Kraftwerke", so der Minister weiter.

Bryson: Guter Tag für den Klimaschutz

David Bryson, Vorstandsmitglied und COO von Uniper, sprach von einem guten Tag für den Klimaschutz in Europa. „Wenn Deutschland und Europa den Klimaschutz vor Jahren bereits so ernst genommen hätten wie heute, wäre das Kraftwerk wahrscheinlich nicht abgeschaltet worden. Aber erst in den letzten ein bis zwei Jahren hat sich der CO2-Preis zu einem Faktor entwickelt, der den Wechsel von Kohle zu Gas bewirkt. Glücklicherweise deuten alle Signale aus der Politik darauf hin, dass diese Stärkung des Emissionshandels weiterhin gewollt und unterstützt wird. Das macht uns zuversichtlicher für die absehbare Zeit."

Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-Ergie, sprach davon, dass nun endlich eine jahrelange politische Fehlentwicklung korrigiert werde. „Schließlich benötigen wir als Übergangstechnologie auch weiterhin für wind- und sonnenarme Phasen hocheffiziente und flexibel einsetzbare Kraftwerke, wie Irsching 5. Gelingt es, Erdgas zum Beispiel über Power-to-Gas zunehmend zu vergrünen, wird das Kraftwerk auch in Zukunft Bestandteil einer erfolgreichen Energiewende bleiben. Derzeit ist es zwar leider immer noch nicht rentabel, das Kraftwerk zu betreiben, aber wir verringern unsere Verluste gegenüber dem Netzregime unter den Auflagen der Bundesnetzagentur."

Breidenbach: Gaskraftwerke wichtig für die Energiewende

Mainova-Vorstandsmitglied Norbert Breidenbach betonte, immer an die Marktchancen von Irsching 5 geglaubt zu haben. Klimafreundliche Gaskraftwerke mit hoher Primärenergieausnutzung seien für die Energiewende wichtig – auch mit Blick auf die Versorgungssicherheit.

Entega-Chefin Marie-Luise Wolff sprach von einemwichtigen Schritt, dass das hochmoderne Kraftwerk jetzt schon vor dem regulierten Kohleausstieg mit den wesentlich ineffizienteren und klimaschädlichen Kohlekraftwerken in Konkurrenz trete. „Vorrang für Klimaschutz muss Vorrang für Gaskraftwerke als Brückentechnologie bedeuten."

Einsatz nur bei Engpässen

Die beiden Kraftwerksblöcke Irsching 4 und 5 fielen bislang unter die so genannte Netzreserveverordnung. Das bedeutet, dass sie ausschließlich dann zum Einsatz kamen, wenn ihre Leistung zur Stabilisierung des Netzes gebraucht wurde. Das war dann der Fall, wenn das Netz in Süddeutschland wegen temporärer Engpässe gestützt werden musste.

Zuletzt hatten die Eigentümer von Irsching 4 und 5 nach eigenen Angaben im September 2019 die vorläufige Stilllegung der Blöcke von Oktober 2020 bis Ende September 2021 angezeigt – diese Anzeige haben die Eigentümer nun zurückgenommen.

Irsching 5 hat eine Leistung von 846 Megawatt und ging im Jahr 2010 in Betrieb. Mit einem Wirkungsgrad von 59,7 Prozent gehört es zu den modernsten Gaskraftwerken Europas. Es wird im Auftrag der Eigentümergesellschaften von der Uniper-Kraftwerke-GmbH betrieben. Uniper hält 50,2 Prozent der Anteile, N-ERGIE 25,2 Prozent, Mainova 15,6 Prozent und ENTEGA 9 Prozent. Irsching 4 mit 561 Megawatt Leistung ging 2011 in Betrieb und ist mit einem Wirkungsgrad von 60,4 Prozent ebenfalls eines der effizientesten Gaskraftwerke weltweit. (amo)

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