Vor wenigen Tagen hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Damit hat sie die bislang geltende zweite Stufe, die sogenannte Alarmstufe, herabgesetzt, die seit 23. Juni 2022 galt.
Damit ordnet die Bundesregierung die Lage am Gasmarkt neu ein und sendet ein Signal, dass sie nicht mit kurzfristigen Beeinträchtigungen der Gasversorgung rechnet.
Noch nicht wintertauglich
Inzwischen reagiert der Gasmarkt bearisch, die Gaspreise haben sich nach einer Hochphase Mitte Juni wieder stabilisiert. Auch die Speicherbefüllung läuft wieder auf Hochtouren. In Deutschland stiegen die Netto-Einspeicherungen mit rund 25,5 Terawattstunden (TWh) auf den höchsten Stand seit 34 Monaten, so eine Analyse von Ganexo. Im Vormonat lag der Wert bei 18 TWh, im Vorjahresmonat bei 21 TWh.
Jedoch sind die Gasspeicher Deutschlands nur zu 51 Prozent gefüllt und damit rund 30 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr (knapp 82 Prozent). Sollte sich der Gasspeicherfüllstand bis November nicht bei etwa 80 Prozent einfinden, könnten frühe Kältewellen die Sorgen auf dem Gasmarkt insgesamt schon vergrößern. Das würde wiederum zu einem erneuten Anstieg der Gaspreise führen.
Keine Ausreichenden Anreize für Einspeicherung
Trotz des hohen Einspeicherungstempos sieht der Oldenburger Energieversorger und Gasspeicherbetreiber EWE die Gefahr, dass der Markt aktuell keine ausreichenden Anreize zur Einspeicherung liefert. "Gleichzeitig ist eine staatliche Befüllung durch Trading Hub Europe bislang nicht vorgesehen", sagte CEO Stefan Dohler. Gebe es weiterhin keine wirtschaftlich tragfähigen Einspeicheranreize und ziehe sich der Staat dabei aus der Verantwortung zurück, "ist das Risiko real, dass Speicher vor dem kommenden Winter nicht hinreichend gefüllt sind. Das darf nicht passieren".
"Das eine tun, ohne das andere zu lassen"
Geschäftsführer von Eins Energie, Martin Ridder, teilt die Einschätzung von Dohler zu den fehlenden wirtschaftlichen Anreizen zur Befüllung und der zugleich anscheinend abwartenden staatlichen Haltung. "Resilienz und damit Versorgungssicherheit haben ihren Preis und zu lange warten kann auch noch teurer werden. Als Staat, Gesellschaft und Branche sollten wir nicht vergessen, wie sich eine drohende Gasmangellage anfühlt", sagte er auf Anfrage der ZfK. Seine Empfehlung: Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Also nicht permanent in der Alarmstufe bleiben, aber zugleich Gasspeicher rechtzeitig befüllen und grundsätzlich eine resiliente Versorgungslage für Deutschland und Europa herstellen.
Angesichts der voranschreitenden Diversifizierung der Bezugsquellen und einer raschen Schaffung von neuen Gasimport-Infrastrukturen kommt für den Energiekonzern Uniper die Herabsetzung der Gas-Krisenstufe nicht überraschend. "Nach der Versorgungskrise 2022 konnte die Gasversorgung und eine gezielte Befüllung der Speicher dadurch zügig sichergestellt werden", so eine Unternehmenssprecherin auf ZfK-Anfrage.
Die Situation habe sich inzwischen deutlich entspannt. Um die Versorgungssicherheit langfristig aufrechtzuerhalten, sei es jedoch notwendig, strukturelle Schwächen im bestehenden Rechts- und Regulierungsregime für Gasspeicher, die bei einem besonders kalten Winter oder geopolitischen Störungen schnell zu kritischen Versorgungssituationen führen könnten, zu beheben, hieß es aus Düsseldorf weiter.



