Wer auf den europäischen Gaspreis-Leitindex TTF blickt, mag meinen, dass es eine Welt vor dem Frühjahr 2026 gibt und eine danach. Mindestens zehn Euro Unterschied betrug am Freitag das Preisniveau pro Megawattstunde (MWh).
Wer noch genauer hinblickt, mag selbst zwischen Sommer 2025 und Winter 2025/26 eine Lücke von drei Euro und mehr erkennen. Das bereitet der Speicherwirtschaft zunehmend Kopfzerbrechen.
Winter 2025/26: Speicherbetreiber haben Sorgen
Rückblick: Früher war Gas im Sommer, wenn Haushalte nicht heizen müssen, in der Regel etwas günstiger zu haben, als im Winter, wenn es kalt wird und die Wärmeverbräuche nach oben gehen. Für Nutzer von Gasspeichern entwickelte sich daraus ein gutes Geschäft. Sie speicherten im Sommer günstig ein und verkauften im Winter teuer.
Von diesem Rhythmus ist der euopäische Gasmarkt derzeit weit entfernt. Wie wild es bisweilen zugeht, zeigt allein die Gaspreiskurve für das diesjährige Dezemberprodukt. Da war innerhalb eines Jahres von 51 Euro pro MWh über 29 Euro bis hin zu zuletzt 46 Euro alles drin.
Wie von der Politik vorgeschrieben, sind die deutschen Gasspeicher in diesen Winter mit proppevollen Lagerstätten gestartet. Inzwischen machen sich die kalten Temperaturen sowie der verstärkte Gasbedaf auf dem Strommarkt bemerkbar. Seit 5. November wurde jeden Tag mehr ein- als ausgespeichert. Am Donnerstagmorgen waren die Speicher im Durchschnitt noch zu 96 Prozent voll.
Doch weniger dieser Winter macht der Speicherwirtschaft Sorge, als vielmehr die erneute Befüllung der Gasspeicher im kommenden Sommer, gab Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Speicherverbands Ines, per Presseaussendung bekannt. Die Befürchtung ist nämlich, dass die Preissignale auf den Märkten keine ausreichenden Anreize zur erneuten Befüllung im Frühjahr 2025 setzen.
Denn anders als in früheren Jahren ist es derzeit spürbar teurer, Gas im Sommer einzukaufen und einzuspeichern, als im Winter direkt Gas zu ordern. Das TTF-Gasprodukt für Sommer 2025 kostete am Freitag 43 Euro pro MWh, das vergleichbare Produkt für den darauffolgenden Winter dagegen nicht einmal 41 Euro. Gasmengen in noch ferner Zukunft waren noch günstiger zu haben. Die Preise sanken auf jeweils 33 Euro im Sommer und vierten Quartal des Jahres 2026. Der Abwärtstrends setzt sich danach fort. Für das Lieferjahr 2027 fiel der Preis auf weniger als 30 Euro pro MWh und für das Lieferjahr 2028 auf weniger als 26 Euro.
Kurzfristig andere Sorgen
Kurzfristig dürften Gashändler allerdings andere Sorgen haben. Zwar beruhigten sich die Preise für diesen Winter und pendelten sich am Freitagnachmittag zwischen 45 und 46 Euro pro MWh ein. Mehrere Unsicherheiten aber bleiben. Unter der Woche hatte der teilstaatliche österreichische Energiekonzern OMV von einem Schiedsgericht im Streit mit der russischen Gazprom 230 Millionen Euro zugesprochen bekommen.
Bis zum Erreichen dieses Betrags sieht die OMV daher das aus Russland gelieferte Gas als bezahlt an. Als Reaktion darauf sei ein völliger Stopp der Lieferungen seitens Moskau denkbar, räumte die OMV ein. Das Unternehmen sei aber für ein solches Szenario gut gerüstet.
Im September waren noch 86 Prozent der österreichischen Gasimporte aus Russland gekommen. Grundsätzlich ist die Alpenrepublik jedoch nach Ansicht der Regulierungsbehörrde E-Control nicht mehr von russischen Gaslieferungen abhängig, sondern hat potenziell andere Lieferwege. Trotzdem wirkte die OMV-Nachricht auf den Gasmärkten zunächst preistreibend.
Entlastung von Strommarkt
Etwas Entlastung könnte dagegen vom Strommarkt kommen. Eine ausgeprägte Dunkelflaute mit wenig Sonne und Wind hatte die dortige Gasnachfrage stark steigen lassen. Stand Freitagnachmittag lag der Gasanteil am deutschen Strommix bei ungewöhnlich hohen 22 Prozent. Auf das ganze bisherige Jahr verteilt waren es bislang elf Prozent.
Stand Freitag wurde für die kommenden Tage allerdings wieder mehr Wind vorhergesagt. Auch der durchschnittliche Tagespreis auf den Day-Ahead-Strommärkten sank wieder unter die 100-Euro-Marke. (aba)
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