Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Für die nächsten Tage bis Weihnachten werden in Deutschland Tagesmittel bis 7° C erwartet und damit etwa 4-5 Grad über der saisonalen Norm liegen. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat dementsprechend den Indikator Temperaturprognose auf „stabil“ zurückgestuft.

BNetzA mahnt höhere Einsparungen an

Der Indikator der BNetzA „Gasverbrauch temperaturbereinigt“ steht immer noch auf kritisch. Der Gasverbrauch in Deutschland ist zuletzt zwar wieder unter 4.000 GWh/Tag gefallen, dennoch fallen die Einsparungen im laufenden Monat in Höhe von 7 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel deutlich geringer aus, als noch zu Beginn der Wintersaison. Laut BNetzA bedarf es einer Einsparung von 20 Prozent um eine Gasmangellage zu verhindern.

Bearishes Bild an den Märkten

Da die Nachfrage während der Weihnachtszeit traditionell schwächer ist, erwarten wir auch für die nächste Woche ein eher bearishes Bild an den Märkten. Das könnte die Preise am Spot- und Terminmarkt weiter schwächen. Günstigere Gaspreise sorgen jedoch wieder für Nachfrageeffekte beim Einsatz als Kraftwerksgas zur Stromerzeugung. Sofern die Preise dann wieder unter den Fuel Switch für Öl und Kohle fallen, können die Gaspreise über die dann steigende Nachfrage wieder anziehen.

Rückläufiges LNG Angebot im Februar erwartet

Im Februar 2023 erwarten wir eine höhere LNG Nachfrage in Asien. Die Gaspreise am asiatischen JKM zogen zuletzt für Q1-23 deutlich an und der Kontrakt für Feb-23 notiert zuletzt sogar über seinem Pendant am niederländischen TTF.

Sofern es im Februar nochmals richtig kalt werden würde und die Gasspeicher sich bis dahin unter die Norm entleert haben sollten, müssten sich die europäischen Gaspreise deutlich verteuern, um kurzfristig mehr LNG anzuziehen.

Gaspreisobergrenze: wenig Wirkung und hohes Risiko

Zu Beginn der Woche haben sich die europäischen Energieminister nun auf eine Gaspreisobergrenze geeinigt. Die Obergrenze soll dann greifen, wenn am niederländischen TTF der Frontmonat drei Handelstage über 180 EUR/MWh liegt und gleichzeitig der Spread gegenüber dem globalen LNG-Preis größer als 35 EUR/MWh ist.

Damit wird die Preishöhe des ursprünglichen Kommissionsvorschlags in Höhe von 275 EUR/MWh richtigerweise nach unten korrigiert. Dadurch ist nun die Wahrscheinlichkeit deutlich größer, dass der Mechanismus aktiviert wird, als beim ursprünglichen Kommissionsvorschlag.

Der Gaspreisdeckel wird jedoch kontrovers diskutiert, da er (im Gegensatz zur Gaspreisbremse in Deutschland) einen direkten Eingriff in den Mechanismus der Großhandelsmärkte darstellt. Ein solches Instrument verhindert unter Umständen den wichtigen Anreiz, Erdgas einzusparen. Dazu könnte es den Anreiz vermindern, Erdgas nach Europa zu verschiffen.

Risiken beim Eingriff in den Marktmechanismus

Einerseits verzeichneten wir bereits im vergangenen Sommer Spreads zwischen dem TTF und dem asiatischen JKM von mehr als 35 EUR/MWh. Dies half uns die Gasspeicher in Europa zu befüllen. Im nächsten Sommer stehen in Europa rund 28 Mrd. Kubikmeter mehr LNG-Importkapazität zur Verfügung. Eine Verknappung des LNG Angebots in der Einspeicherungssaison bringt die Speicherziele in Gefahr und erhöht das Risiko einer Gasmangellage im Folgewinter.

Der Gaspreisdeckel gilt nur für börsengehandelte Derivate. Im Falle der Verknappung würde sich der Handel auf die OTC-Märkte verlagern und dort wegen der schlechteren Liquidität das Risiko von Preisspitzen deutlich erhöhen – das wollte die Europäische Kommission eigentlich vermeiden.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne.

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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