Zum ersten Mal seit zehn Monaten ist der Gaspreis in dieser Woche auf 42 Euro je Megawattstunde gestiegen. Einerseits sorgt die zunehmende Entleerung der Gasspeicher für steigende Preise, andererseits sucht der Markt nach den erratischen Signalen von US-Präsident Trump nach einer Richtung.
Der europäische Gasverbrauch liegt bisher im Januar mit rund 394 Terawattstunden rund fünf Prozent über dem anteiligen Wert vom Vorjahr Januar 2025. Der Mehrverbrauch wurde bisher praktisch vollständig durch höhere LNG-Aussendungen kompensiert.
Gasnachfrage im Strombereich auf 12-Monats-Hoch
Im laufenden Monat wurden bisher rund 112 Terawattstunden Erdgas aus den europäischen LNG-Terminals regasifiziert. Das ist der höchste je gemessene Wert und rund 17 Prozent mehr als zu diesem Zeitpunkt im Januar 2025.
Bereits über 100 LNG-Lieferungen wurden im laufenden Monat an den europäischen LNG-Terminals importiert. Der Vorjahresmonatswert von 123 LNG-Lieferungen im Januar 2025 könnte übertroffen werden.
Mit den kalten Temperaturen und deutlich unterdurchschnittlicher Wind- und Solarstromproduktion stieg in Deutschland die Stromgeneration der Gaskraftwerke mit Tagesmitteln von bis zu 16 Gigawatt auf den höchsten Stand seit Januar 2024.
Erdgas als Brennstoff zur Stromerzeugung machte damit im Tagesmittel bis zu 24 Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung aus.
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den angrenzenden EU-Ländern zeigte sich die Gasnachfrage im Strombereich zuletzt sehr fest. So stieg die aggregierte Leistung der Gaskraftwerke an einigen Tagen auf knapp 85 Gigawatt und damit den höchsten Stand seit rund 10 Monaten.
Gasspeicher in Deutschland nur zu 40 Prozent gefüllt
Die hohen Ausspeicherungen seit Jahresbeginn haben die Gasspeicher der EU-Länder und insbesondere die Gasspeicher in Deutschland signifikant entleert. Die Gasspeicher der EU-Länder waren zuletzt aggregiert zu 48 Prozent gefüllt (Januar 2025: 59 Prozent) und in Deutschland zu 40 Prozent (Januar 2025: 61 Prozent).
Die Netto-Ausspeicherungen liegen im laufenden Monat bisher bei rund 156 TWh, zwar auf Höhe des Vorjahresmonats, aber 28 Prozent höher als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Auch wurden in die Ukraine im laufenden Monat bisher rund 4 TWh mehr Erdgas exportiert, was zusätzlich zu einer Verknappung des Gasangebots in den östlichen EU-Ländern beiträgt.
Geopolitisches Risiko Trump
Die erratische Außenpolitik von US-Präsident Trump könnte für Europa mittelfristig weitere geopolitische Risiken für die Gasversorgung bedeuten. Im Jahr 2025 importierte Europa aus den USA mit mehr als 65 Millionen Tonnen LNG so viel wie nie zuvor. Damit kamen rund 60 Prozent aller LNG-Importe aus den USA.
US-LNG-Lieferungen könnten nun zum Verhandlungsgegenstand in jedwedem Konflikt zwischen den USA und Europa werden. Trump könnte versuchen, damit zu drohen, die US-Lieferungen nach Europa einzuschränken, zu stoppen oder mit Aufschlägen zu belegen.
Solche Maßnahmen würden zwar auch der US-Gasindustrie schaden, doch würde allein die Drohung solcher Maßnahmen die Preise am niederländischen TTF steigen lassen. Ein "Verhandlungsspiel" mit solchen Drohungen könnte damit zu einer Aufwärtsspirale an den Gasmärkten führen und dazu, mehr spekulative Akteure am Markt anziehen.


