Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Der norwegische Betreiber Equinor hat am Dienstag, 22. Oktober, nach einer Rauchentwicklung die Plattform Sleipner B stillgelegt. Damit gingen die norwegischen Gasflüsse im weiteren Verlauf von 335 auf 322 Mio. Kubikmeter pro Tag zurück. Der Ausfall kürzt die Exportkapazität um rund 23 Mio. Kubikmeter und soll bis Montag andauern.

Im Sleipner-Komplex wird Erdgas aus den Feldern Sleipner Øst, Gungne, Sleipner Vest, Sigyn, Gudrun, Utgard und Gina Krog gefördert und ist eine der wichtigsten Erdgasförderanlagen Norwegens. Er besteht aus vier Plattformen und ist per Pipeline mit der Onshore-Gasanlage Nyhamna in Norwegen und mit dem Gasimportterminal Easington in Großbritannien verbunden.

Geopolitische Krisen stützen Gaspreise

Der Konflikt im Nahen Osten weitet sich indes immer weiter aus. Was als lokaler Konflikt zwischen Israel und der Hamas begann, hat sich zwischenzeitlich auf den Jemen, Iran und Libanon ausgeweitet. Transport- und Angebotsrisiken stützen daher weiter die Gaspreise.

Das Analysehaus Bruegel betont in einer in der kürzlich veröffentlichten Analyse die Notwendigkeit eines gemeinsamen Standpunktes innerhalb der EU zum Ende des russischen Gastransits durch die Ukraine.

Die EU müsse sich demnach besser auf eine vollständige Versorgungsunterbrechung der russischen Gasimporte vorbereiten indem unter anderem die Gasspeicher der Ukraine - diese sind derzeit nur zu 25 Prozent gefüllt - besser genutzt werden. Damit muss dann den am meisten betroffenen Ländern zu fairen Bedingungen Zugang zu Pipelinekapazitäten gewährt werden.

Winterausblick von Entsog

Der Europäische Verband der Fernleitungsnetzbetreiber (Entsog) hat in der letzten Woche seinen Winter-Ausblick veröffentlicht. Im Referenzszenario (Ukraine Transit bis Ende 2024, durchschnittliche LNG-Versorgung und Temperaturen) kalkuliert Entsog einen Gasspeicher-Füllstand zum Ende des Winters von 32 Prozent.

Selbst für den Fall des vollständigen Ausfalls der russischen Gaslieferungen (Ukraine-Transit in Q4/24 und Turkstream) geht Entsog davon aus, dass die vorhandenen LNG-Importkapazitäten der EU-Länder ausreichend sind, um damit einen Füllstand der Speicher zum Ende des Winters nicht unter 32 Prozent zu realisieren.

Für den Fall eines kalten Winters kalkuliert ENTSOG einen Füllstand zum Saisonende von 18 Prozent. Fällt ein kalter Winter mit einem niedrigen LNG-Angebot zusammen, so rechnet der Verband mit EU-weiten Nachfragekürzungen von 3 Prozent und einem finalen Füllstand zum Saisonende von 11 Prozent.

Acer-Marktbericht

Die Agentur für die Zusammenarbeit der europäischen Energieregulierungsbehörden (Acer) hat am Dienstag seinen neuen Mark Monitoring Bericht für das zurückliegende Quartal Q3/24 veröffentlicht.

Darin stellt Acer fest, dass die Tarife für den Gastransport in einigen EU-Ländern gestiegen sind, wobei sich dies bisher nicht auf die Preisunterschiede zwischen den EU-Ländern am Großhandel ausgewirkt habe.

Eine Erhöhung der Tarife war notwendig, da die Gasnachfrage seit 2021 um eine Viertel gesunken ist. Damit sind die grenzüberschreitenden Gasflüsse gesunken und einige Kapazitätsverträge wurden nicht verlängert beziehungsweise sind weggefallen (russische Transitflüsse).

Acer warnt zudem, dass mit den gestiegenen Gastransporttarifen und steigenden Speicherentnahmen in diesem Winter sich der Wettbewerb um LNG verstärken könnte, was die Großhandelspreise in die Höhe treiben würde.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne.

Der Titel der letzten Kolumne lautete Steigende Gasnachfrage, schwache LNG-Importe, Russland baut LNG-Geschäft aus

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Datenspezialisten Montel Analyticsbefüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper