Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Russland hat ukrainische Truppen beschuldigt, über die Grenze in die Region Kursk vorgedrungen zu sein. Es gab bis Donnerstagvormittag unbestätigte Gerüchte, dass die ukrainische Armee die Messstation Sudzha übernommen habe.

Die Messstation in Sudzha ist der einzig verbliebene Übergangspunkt für den Transit russischen Erdgases durch die Ukraine. Die Station hat eine maximale Kapazität von 1800 GWh/Tag. Gemäß des Transitvertrags liegen die Gasflüsse seit Juni 2022 bei rund 420 GWh/Tag.

Daraufhin zeigten sich die Gasflüsse zeigten sich am Donnerstag leicht rückläufig, jedoch ohne Anzeichen für einen kompletten Ausfall. Dennoch ist der Markt nervös, falls es zu einer größeren Kürzung kommen würde.

Eingeschränktes Angebot

Das französische LNG Terminal Montoir ist seit 17. Juni in Wartung, seitdem wurden die ursprünglich für Anfang Juli endende Wartung immer wieder verschoben. Das Terminal hat eine maximale Aussendungskapazität von 337 GWh/Tag und soll in der nächsten Woche in den regulären Betrieb zurückkehren.

Seit 5. August ist der Interkonnektor Kipoi an der türkisch-griechischen Grenze in Jahreswartung. Die Verteilerstation verbindet die Gasflüsse auf der Tanap-Pipeline aus Aserbaidschan durch die Türkei nach Griechenland auf der TAP-Pipeline bis nach Italien (Meledugno). Die täglichen Importe Italiens liegen hier normalerweise bei rund 380 GWh/Tag und fallen im Wartungszeitraum bis einschließlich 11. August auf null.

Schwache LNG-Importe

Die Aussendungen der europäischen LNG-Terminals zeigen sich zuletzt im Wochenschnitt bei 2500 GWh/Tag auf Jahrestief. Auch die LNG Speicher sind mit rund 30000 GWh um rund 13 Prozent weniger gefüllt als noch vor vier Wochen. Die asiatische LNG-Nachfrage ist aufgrund der sehr warmen Temperaturen dort weiterhin sehr stark, die asiatischen LNG-Preise lagen zuletzt 5 EUR/MWh über dem europäischen Pendant TTF.

In den nächsten 14 Tagen werden in Europa nur 15 LNG-Schiffslieferungen erwartet. Die größten asiatischen LNG-Verbraucher - China, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien -  erwarten im gleichen Zeitraum 45 Lieferungen.

Wetterrisiken

Ab dem Wochenende werden in einigen Regionen Europas wieder deutlich steigende Temperaturen erwartet. In Deutschland sollen dann die Tagesmittel auf bis zu 26° C steigen, in Frankreich bis auf 29° C und in Italien bzw. Spanien auf bis zu 30° C.

Die Prognosen liegen damit 6-7 Grad über den saisonalen Normwerten. Von den Erneuerbaren Wind und Photovoltaik werden für die nächste Woche eher Werte entlang des saisonalen Durchschnitts erwartet. Demnach ist während der anstehenden Hitzewelle wieder mit einer deutlich steigenden Kraftwerksgasnachfrage zu rechnen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Spannungen im Mittleren Osten sorgen für steigende Gaspreise"

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper