Dmitri Medwedew, Russlands Ex-Präsident und aktuelles Mitglied im russischen Sicherheitsrat.

Dmitri Medwedew, Russlands Ex-Präsident und aktuelles Mitglied im russischen Sicherheitsrat.

Bild: © Yulia Zyryaniva/Pool Sputnik Government/dpa

Es ist gerade eine Woche her, da prophezeite Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew Europa Gaspreise von umgerechnet fast 200 Euro pro MWh. Am Mittwoch wurde daraus Realität.

Die Frontmonats-Preise am liquidesten europäischen Handelspunkt TTF erreichten am Vormittag zwischendurch schwindelerregende 194 Euro pro MWh – ein neuer Rekordwert. Am Vortag war der TTF-Frontmonat noch bei 122 Euro pro MWh gelegen.

Gasmarkt "hypernervös"

"Der Gasmarkt gerät aufgrund der zunehmenden Eskalation des Kriegs in der Ukraine immer stärker unter Druck", hieß es vom Handelsteam der Stadtwerke Heidenheim. "Sanktionen gegen Russland sowie die Ankündigung weiterer Sanktionen bei einer weiteren Verschärfung der Lage wirken sich preisstützend aus."

Fundamental wirke zudem ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Erfüllung bestimmter Mindestspeicherquoten preistreibend. (Die ZfK berichtete.) "Insgesamt reagiert der Markt aktuell hypernervös auf jede Entwicklung in der Russland-Ukraine-Krise."

Stabile russische Gasflüsse

Bemerkenswerterweise gingen derweil die russischen Gasflüsse über Polen und die Ukraine zuletzt sogar deutlich nach oben. Nach Daten des europäischen Fernleitungsnetzbetreiberverbands Entso-G wurde am brandenburgischen Punkt Mallnow zuletzt eine Gaszufuhr von 167 GWh pro Tag registriert. Am slowakisch-ukrainischen Punkt Velke Kapusany waren es zuletzt fast 900 GWh pro Tag.

Die Gaspreisrallye peitschte am Mittwoch auch die Strompreise nach oben. Am Nachmittag kostete der Day-Ahead an der Strombörse EEX 338 Euro pro MWh. Für das Frontjahr Base wurden 169 Euro pro MWh gehandelt. Selbst das Lieferjahr 2025 kostete noch 100 Euro pro MWh.

Russlands Anteil am Gasmix rückläufig

In die andere Richtung ging es bei den CO2-Preisen. Diese stürzten zwischendurch auf 56 Euro pro Tonne, um fünf Stunden später wieder auf knapp 70 Euro zu klettern. Noch vor wenigen Tagen hatten die CO2-Preise an der 100-Euro-Marke gekratzt.

Russland ist Deutschlands wichtigster Gaslieferant. Allerdings war der Anteil des Landes am deutschen Gasmix in den vergangenen Monaten rückläufig. Nach Daten der Unternehmensberatung Ganexo sank der russische Anteil am deutschen Gasmix in den ersten beiden Monaten auf weniger als 30 Prozent, während er im Gesamtjahr 2020 noch bei mehr als der Hälfte gelegen hatte. (aba)

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