Die Füllstände gehen nur noch langsam nach oben in Deutschlands Gasspeichern. So wurden die Anlagen an den letzten vier Junitagen im Schnitt nur noch um 0,19 Prozentpunkte täglich voller – ein Rückgang im Vergleich zum Monatsanfang, als Sprünge von 0,5 Prozentpunkten aufwärts pro Tag üblich waren.
Bei gleich bleibendem Tempo würde die 80-Prozentmarke bis zum 1. Oktober knapp verfehlt werden. Der aggregierte Füllstand betrug nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ Ende Juni rund 61 Prozent. Der historische Mittelwert liegt bei knapp weniger als 70 Prozent.
THE befüllt zwei Gasspeicher
Im Juni drosselte der russische Staatskonzern Gazprom seine Lieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 um 70 Prozent. Zudem tat sich auch bei den Gasspeichern selbst einiges.
Zwei Speicher werden inzwischen vom Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) befüllt. Beim ersten handelt es sich um die Anlage in Rehden (43,7 TWh), die allein knapp 20 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten umfasst.
Einspeicherung im Rekordtempo
Im Rekordtempo wird dort seit mehreren Tagen Gas eingelagert. Nach Angaben des Betreibers Astora konnten früher stündlich höchstens 14,4 Mio. kWh eingespeichert werden. In der Praxis waren es zuletzt 15,1 Mio. kWh. Wie das? "Die höheren Zahlen hängen von technischen und physikalienschen Variablen wie Brennwert, Außentemperatur oder auch Leitungs- und Lagerstättendruck ab", antwortete ein Astora-Sprecher auf ZfK-Anfrage allgemein.
Trotzdem ist der Weg noch weit, fehlen weiterhin fast 26 TWh zum Erreichen der 80-Prozent-Marke. Selbst bei maximalem Einspeichertempo benötigt THE nach ZfK-Berechnung mindestens 71 weitere Tage. Der Füllstand zuletzt: 21 Prozent.
Gasspeicher Wolfersberg
Seit 27. Juni lagert THE auch in den bayerischen Gasspeicher Wolfersberg (4,1 TWh) ein. Dort war zuvor im Oktober 2021 eingespeichert worden. Der Füllstand betrug dort zuletzt zwölf Prozent.
Seit Ende vergangenen Jahres wird nicht mehr in den Katharina-Speicher eingelagert, den Gashändler VNG und Gazprom Export gemeinsam betreiben. Anders als bei Rehden und Wolfersberg handelt es sich hierbei jedoch nicht um einen Poren-, sondern um einen Kavernenspeicher, der sich in kürzerer Zeit befüllen lässt. Der Füllstand zuletzt dort: 19 Prozent.
Druck auf Gazprom
Sorgen macht auch der österreichische Gasspeicher Haidach, der ins deutsche Netz einspeist. Zwei Drittel des Speichers werden von der Gazprom-Tochter GSA betrieben. Der Füllstand dort weiterhin: 0,0 Prozent.
Der österreichische Bundesrat stimmte am Donnerstag zu, ungenutzte Speicherkapazitäten behördlich zu entziehen. Damit könnte de Gazprom-Konzern schon bald seine Nutzungsrechte in Haidach verlieren.
59 Prozent der Speicher über 80-Prozent-Marke
Nach ZfK-Berechnungen haben 26 der bei AGSI+ gelisteten deutschen Speicher die 80-Prozent-Marke mittlerweile erreicht oder überschritten. 18 Speicher weisen noch einen Füllstand von weniger als 80 Prozent auf. (aba)
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Zahlen vom Sonntag aktualisiert. Alle Daten mit Ausnahme der Astora-Zahlen beziehen sich auf Werte, die am Sonntagvormittag auf der Website von AGSI+ abrufbar waren.
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



