Inmitten winterlicher Temperaturen haben sich am Wochenende die deutschen Gasspeicher weiter geleert. Für Samstag meldete die Transparenzplattform AGSI eine Nettoausspeicherung von rund 1750 TWh. Der neue Füllstand lag demnach bei 80,4 Prozent.
Dabei fällt auf, dass vor allem aus jenen Gasspeichern kräftig ausgespeist wird, die nicht vom Marktgebietsverantwortlichen THE befüllt wurden. Die RWE-Speicher etwa wiesen einen Füllstand von 61 Prozent aus. Die Anlagen der Engie-Speichertochter Storengy waren zu 69 Prozent und die der EnBW-Tochter VNG zu 78 Prozent voll.
Nüttermoor H-3 zu 100 Prozent voll
Zum Vergleich: Der größte Gasspeicher Deutschlands im niedersächsischen Rehden war nach eigenen Angaben am Montagmorgen noch zu 90 Prozent gefüllt und der Schwesterspeicher in Jemgum zu 89 Prozent. In beide Anlagen wurde Montagfrüh sogar netto eingespeichert.
Der bayerische Speicher in Wolfersberg und der Katharina-Speicher in Sachsen-Anhalt meldeten einen Füllstand von jeweils 98 Prozent. Die Anlage Nüttermoor H-3 wiederum war Stand Samstag sogar zu 100 Prozent voll. Sowohl Rehden als auch Jemgum, Wolfersberg, Katharina und Nüttermoor H-3 wurden im vergangenen Sommer von THE befüllt.
Ines bewertet Gasspeichergesetz
Anders als üblich hatte THE im Sommer im Auftrag der Bundeswirtschaftsministerium zwar in großem Stil und zu Preisen von vermutlich weit über 100 Euro pro MWh Speichergas eingekauft, jedoch die Bezugsmenge nicht gleichzeitig über Termingeschäfte abgesichert.
Würde der Marktgebietsverantwortliche nun zu Preisen von 58 Euro pro MWh (THE Day-Ahead) am Spotmarkt Gas verkaufen, entstünde ein beträchtlicher Verlust.
Gasspeicherumlage könnte steigen
Wie teuer die THE-Geschäfte den Gasverbrauchern kommen könnten, auf die das Minus über eine gesonderte Gasspeicherumlage umgelegt wird, schätzt die Initiative Energie Speichern (Ines) in ihrer am Montag vorgelegten Evaluation. Demnach könnte dem Marktgebietsverantwortlichen Verluste auf Basis der Dezemberpreise Verluste von zwei Mrd. Euro entstehen. Bei aktuellen Marktpreisen läge der Verlust emnach sogar noch deutlich höher.
Aktuell beträgt die Gasspeicherumlage 0,59 Euro pro MWh oder 0,059 Cent pro kWh. Nach Berechnungen des Gasspeicherbetreiberverbandes könnten mindestens 0,73 Euro pro MWh oder 0,073 Cent pro kWh dazukommen.
Industriereserve und Auktionskalender
Der Speicherbetreiberverband empfiehlt in seiner Evaluation zudem, das existierende Verfahren zur Wiederbefüllung der Gasspeicher mit Blick auf den kommenden Winter weiterzuentwickeln. Die ersten Ausschreibungen staatlich geförderter Speicherprodukte, auch SSBOs genannt, sollen demnach schion zu Beginn des Speicherjahres, sprich von April an, erfolgen und auf die Schaffung einer Gasreserve für Industriekunden begrenzt werden.
In einer zweiten Stufe soll THE während des Speicherjahres regelmäßige Sonderausschreibungen im Rahmen eines Auktionskalenders vornehmen. Nach Ines-Vorstellung soll ein breiter Kreis an Ausschreibungsteilnehmern zugelassen und Anreize zur Speicherbefüllung in Abhängigkeit der tatsächlichen Marktsituation gesetzt werden. Speicherbefüllungen durch THE selbst soll nur als "Ultima Ratio" verbleiben. (aba)



