Blick auf den größten Gasspeicher bundesweit in Rehden (Niedersachsen).

Blick auf den größten Gasspeicher bundesweit in Rehden (Niedersachsen).

Bild: © Astora

Der deutsche Gasmarkt steht vor einem Rätsel. Obwohl die Wintersaison immer näher rückt, bleibt der größte Gasspeicher hierzulande im niedersächsischen Rehden praktisch leer.

Gerade einmal zu vier Prozent ist der Porenspeicher gefüllt, der eine Speicherkapazität von 43,7 TWh hat. Damit fällt auch der Füllstand aller deutschen Gasspeicher deutlich niedriger aus. Immerhin deckt Rehden nahezu ein Fünftel aller derzeit vorhandenen Gasspeicherkapazitäten in der Republik ab.

"Haben keinen Einfluss auf Portfolio"

Betreiber des Rehdeners Gasspeichers ist das Kasseler Unternehmen Astora, das zur Gruppe der Gazprom-Tochter Gazprom Germania gehört. Ein- und Ausspeicherungen nimmt faktisch auch nur der russische Staatskonzern Gazprom vor, wie Marktexperten bestätigen.

Auf die ZfK-Nachfrage, was die Gründe für den niedrigen Füllstand seien, gibt sich Gazprom Germania bedeckt. "Die Beauftragung von Ein- und Ausspeichermengen erfolgt durch unsere Kunden", teilt das Unternehmen mit. "Wir haben keinen Einfluss auf deren Portfolio."

Streit um Nord Stream 2

In der Branche werden mehrere mögliche Gründe debattiert. Da ist die politische Ebene, insbesondere die Debatte um die Ostseepipeline Nord Stream 2, die kurz vor der Fertigstellung steht.

Rehden könnte als Instrument dienen, um den Druck auf die deutsche Politik hochzuhalten. Gazprom will noch dieses Jahr Gas durch die Pipeline pumpen. Wann es tatsächlich losgeht, ist unklar. (Die ZfK berichtete.)

Angespannter Gasmarkt

Da ist zudem die wirtschaftliche Ebene. Insgesamt ist die anhaltende Gasrallye mit Preisen von teils mehr als 50 Euro pro MWh am Spotmarkt wenig attraktiv für Gaskäufer, weshalb auch insgesamt deutlich vorsichtiger eingespeichert wurde als in den Vorjahren.

Vielleicht könnte Gazprom zurzeit auch dabei sein, seine Lieferstrategie zu ändern. Oder aber der russische Konzern hat derzeit tatsächlich nur begrenzte Produktionsflexibilitäten.

Ausspeicherungen im August

Das sei natürlich alles Spekulation, sagt Gasmarktexperte Joachim Endress, der das Beratungsunternehmen Ganexo leitet. "Sicher ist, dass es die Märkte beunruhigt."

Zumal es nicht so aussieht, als würde der Füllstand rasch steigen. Im Gegenteil. Zwischen 5. und 23. August wurden sogar netto 2,2 TWh ausgespeist, wie Astora-Bewegungsdaten zeigen. Seitdem wurden weder Ein- noch Ausspeicherungen vorgenommen (letzter Stand: 7. September, 6 Uhr).

Vorjahresvergleich frappierend

Aktuell werden lediglich 1,9 TWh Gas in Rehden gespeichert. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es noch knapp 38 TWh gewesen (Stand: 7. September 2020).

Damit liegt Rehden auch weit unter dem bundesdeutschen Durschnitt. Der Füllstand in allen deutschen Gasspeichern zusammengenommen beträgt nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ derzeit 59,4 Prozent (Stand 4. September).

Jemgum zu 50 Prozent gefüllt

Auffällig ist auch, dass die anderen beiden Astora-Gasspeicher aktuell deutlich mehr Gas auf Vorrat haben. Die beiden kleineren Speicher Jemgum in Niedersachsen (50 Prozent gefüllt) und Haidach in Österreich (49 Prozent gefüllt) haben zudem in den vergangenen Tagen weiter eingespeichert.

Allerdings liegt auch Jemgum unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Warum? Auch dazu äußerte sich Gazprom Germania nicht. (aba)

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