Die LNG-Importe waren im September nicht ausreichend, um die wartungsbedingten Ausfälle in Norwegen zu kompensieren. In den Gasspeichern der EU-Länder wurden in der Sommersaison 556 Terawattstunden (TWh) Erdgas eingespeichert. Dies waren zwar zehn Prozent mehr als im Vergleich der letzten fünf Jahre, aber aufgrund des niedrigen Füllstands zu Beginn der Saison konnten die EU-Gasspeicher damit bis Anfang Oktober nur einen Füllstand von 83 Prozent erreichen (Fünfjahres-Mittel: 91 Prozent).
Im September gingen die Einspeicherungen in den meisten EU-Ländern deutlich zurück. Insgesamt wurden nur 58 TWh netto eingespeichert, im Vormonat August lag der Wert noch bei 105 TWh.
Rehden und süddeutsche Porenspeicher werden Ziele verfehlen
Die Gasspeicher sind unter anderem in Italien (93 Prozent), Frankreich (92 Prozent) und Österreich (85 Prozent) gut gefüllt, Polens Gasspeicher sind bereits vollständig gefüllt. Sorgen bereiten die niedrigen Füllstände in Deutschland (76 Prozent), den Niederlanden (71 Prozent), Ungarn (73 Prozent) und der Slowakei (75 Prozent). In Deutschland wurden in der Sommersaison rund 120 TWh Erdgas eingespeichert. Das sind einerseits 26 Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Mit einem Füllstand von nur 76 Prozent liegt Deutschland jedoch 14 Prozentpunkte hinter der 5-Jahres-Norm zurück und drückt damit natürlich die EU-Statistik nach unten.
Laut der im April dieses Jahres durch das Bundeskabinett geänderten Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen Kavernenspeicher und vier große Porenspeicher in Süddeutschland zum 1. November 2025 einen Zielwert von 80 Prozent erreichen, für allen anderen Porenspeicher gilt ein verbindlicher Zielwert von 45 Prozent.
Von den vier süddeutschen Porenspeichern wird voraussichtlich nur der Speicher Bierwang (aktuell 85 Prozent) das Füllstandsziel erreichen. Die anderen Speicher Breitbrunn (57 Prozent), Inzenham-West (25 Prozent) und Wolfersberg (6 Prozent) können den Zielwert rein rechnerisch nicht mehr erreichen.
Rehden nur zu 28 Prozent gefüllt
Der größte deutsche Gasspeicher Rehden ist ein Porenspeicher und aktuell nur zu 28 Prozent gefüllt. Rein rechnerisch kann der Zielwert zum 1. November nur schwerlich erreicht werden. Schaut man die Einspeicherungen der letzten Wochen an, wäre das zumal unrealistisch.
Fraglich ist, ob in Rehden überhaupt noch in den nächsten Wochen merklich eingespeichert wird. Derzeit sind 12,8 TWh eingespeichert, insgesamt nur 14 TWh gebucht und damit über 30 TWh an Arbeitsgaskapazität ohne Buchung frei verfügbar.
Risiko Verknappung in Deutschland und Südosteuropa
Aktuell sind in den Gasspeichern der EU-Länder 935 TWh Arbeitsgas eingespeichert. Im letzten Winter wurden rund 555 TWh ausgespeichert. Bei gleicher Vorgabe würden die Gasspeicher der EU-Länder damit auf einen Füllstand von rund 30 Prozent zum Ende der Saison absinken, im Falle eines Kaltwinters vielleicht auch 20 Prozent. Wegen der unterschiedlichen Füllstände in einigen Ländern könnte dies jedoch vereinzelt zu einem Absinken deutlich unter die 20-Prozent-Marke zum Ende des Winters führen.
In den südosteuropäischen Ländern Slowakei und Ungarn ist wegen des weggefallenen Ukraine-Transits mit höheren Ausspeicherungen als im letzten Winter zu rechnen, die Gasspeicher könnten sich im Falle einer Kältewelle vollständig entleeren. Auch für Rumänien, trotz Füllstands von 93 Prozent, könnte ein höherer Importbedarf der Ukraine die Versorgung verknappen.
In Deutschland sind aktuell 192 TWh Erdgas eingespeichert. Im letzten Winter wurden insgesamt 170 TWh ausgespeichert. Wenn es dazu kälter werden sollte als im letzten Winter, könnte der Füllstand in Deutschland zum Ende der Saison auf einen Stand von deutlich unter 10 Prozent abrutschen.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Russland lenkt seine Gasexporte um



