Die Anlage in Rehden (Bild) ist mit einer Kapazität von 43,7 TWh Deutschlands größter Gasspeicher.

Die Anlage in Rehden (Bild) ist mit einer Kapazität von 43,7 TWh Deutschlands größter Gasspeicher.

Bild: © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Die Serie hält. Und so zeigte die Transparenzplattform AGSI auch für den Sonntag steigende Füllstände in deutschen Gasspeichern – den 19. Tag hintereinander. Demnach sind die Anlagen hierzulande im Schnitt nun zu 91,2 Prozent voll – und das mitten im Januar.

Zuversichtlich zeigte sich am Dienstag auch Sebastian Bleschke, Geschäftsführer des Gasspeicherbetreiberverbands Ines. Deutschland habe eine "sehr komfortable Ausgangssituation" erreicht, um gut durch den Winter zu kommen, sagte er in einem Pressegespräch. "Es ist davon auszugehen, dass diesen Winter kein Gasmangel mehr auftreten wird."

LNG-Importe und Verbrauchseinsparungen

Also richtete der Verbandschef den Blick nach vorn, auf die Wiederbefüllung der Speicher, um für den Winter 2023/24 gerüstet zu sein. Dies dürfte aus Bleschkes Sicht gelingen, wenn das LNG-Importniveau moderat bis hoch bleibt und die bisherigen Verbrauchseinsparungen beibehalten werden.

Um die Speicher im Sommer marktorientierter und kostengünstiger als im vergangenen Jahr wiederzubefüllen, legte er ein Bündel an Empfehlungen vor.

SSBO als Industriereserve

Erstens: ein staatlich gefördertes Speicherprodukt, im Fachjargon SSBO genannt, als Industriereserve. Heißt: eine Ausschreibung zur Schaffung eines Sicherheitspuffers, um das geordnete Herunterfahren von Industriekunden im Rahmen eines Notfalls zu ermöglichen.

Zweitens: staatlich geförderte Speicherprodukte oder SSBOs zur Ergänzung der bestehenden marktwirtschaftlichen Speichernutzung – ein Instrument, das schon 2022 eingesetzt wurde. Allerdings soll es nach Vorstellung des Verbands dann deutlich mehr als jene zwei Ausschreibungen geben, die der Marktgebietsverantwortliche THE im vergangenen Jahr vornahm.

Regelmäßige und kurzfristige SSBO-Auktionen

Bleschke plädierte für regelmäßige und kurzfristigere Auktionen, beispielsweise auf monatlicher Basis. Ziel müsse es zudem sein, mehr Wettbewerb auf der Befüllerseite zu initiieren und einen breiteren Teilnehmerkreis zuzulassen, fand der Ines-Geschäftsführer.

Seien die Speicherkapazitäten dagegen bereits von bestehenden Nutzen vollständig ausgebucht, sollte man auf das Instrument der unterbrechbaren Speicherkapazitäten zurückgreifen, um weitere Marktakteure zu aktivieren.

Kopplung der Förderung an Marktspread

Ferner riet der Verbandschef dazu, die Förderung an einen Marktspread zu koppeln, sprich nur die Differenz zwischen Angebotspreis und einem im Nachhinein zu ermittelnden Preisspread als Förderbetrag auszuzahlen. "Das hätte den Vorteil, dass sich eine positive Marktentwicklung bei der Definition der Förderbeträge niederschlagen könnte."

Am kritischsten sieht Bleschke nach wie vor die dritte Stufe, die Befüllung der Speicher durch den Marktgebietsverantwortlichen THE selbst. Auf diese Weise wurden im vergangenen Jahr beispielsweise die zeitweise ungewöhnlich leeren Speicher Rehden (beide Niedersachsen), Katharina (Sachsen-Anhalt) und Wolfersberg (Bayern) befüllt.

THE-Befüllung als "ultima ratio"

Auch deswegen waren im Sommer vergangenen Jahres die Gaspreise nach oben geklettert, auf zeitweise mehr als 300 Euro pro MWh. Besonders heikel dabei: THE kaufte zu diesem Zeitpunkt zwar am Spotmarkt ein, sicherte die eingekauften Mengen aber nicht zugleich über Terminmarktverträge ab, weshalb nun angesichts deutlich gefallener Preise beim Ausspeichern hohe Verluste drohen.

Aus Bleschkes Sicht darf die dritte Stufe nur noch als "ultima ratio" verbleiben. Sollte sie doch gezogen werden, empfahl er, den Terminmarkt stärker zu nutzen. Dort ist THE  seit vergangenem Herbst tatsächlich tätig. (aba)

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