Russlands Präsident Wladimir Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin

Bild: © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Kappt der russische Energieriese Gazprom nun auch seine Gaslieferungen über die Ukraine? Zumindest ist der Streit des Staatskonzerns mit dem ukrainischen Pendant Naftogaz in den vergangenen Stunden eskaliert.

Zum Hintergrund: Beginnend im Mai nahm Naftogaz keine Gaslieferaufträge mehr für die Station Sochraniwka auf, die damals wie heute im vom Russland besetzten ukrainischen Gebiet Luhansk liegt. Der Betrieb könne dort kriegsbedingt nicht mehr kontrolliert werden, argumentierte das Unternehmen und berief sich auf "höhere Gewalt".

Klage gegen Gazprom

Gazprom wies dies zurück und kürzte entsprechend seine Transitgebühren. Dies veranlasste Naftogaz, Anfang September Klage bei einem schweizerischen Schiedsgericht gegen Gazprom einzureichen. Die Ukrainer wollen trotz der geringeren Durchleitung Transitgebühren für die maximal vertraglich vereinbarte Liefermenge erhalten.

Nun keilte Gazprom zurück. "Dienstleistungen, die von der ukrainischen Seite nicht bereitgestellt wurden, sollen nicht bezahlt werden und werden auch nicht bezahlt", teilte der Konzern auf Twitter mit. Zudem drohte er Naftogaz mit Sanktionen und warnte indirekt, dass dann auch kein russisches Gas mehr über die Ukraine nach Zentraleuropa fließen könne.

Jamal und Nord Stream

Sollte es so weit kommen, würde damit innerhalb weniger Monate die dritte und letzte große Pipelineroute von Russland nach Zentraleuropa kein russisches Gas mehr transportieren. Zuvor hatte Gazprom bereits seine Lieferungen über die Jamal-Route eingestellt, die sich über Polen nach Deutschland zog.

Auch über die Ostseepipeline Nord Stream 1 fließt seit Ende August kein russisches Gas mehr. Die Schwesterroute Nord Stream 2 wurde nie in Betrieb genommen. Zum Wochenauftakt wurden in drei der insgesamt vier Leitungsstränge nach einem ersten Druckabfall Lecks entdeckt.

Kaum mehr Mengen über Waidhaus

Stand Dienstag kam noch russisches Gas über die Ukraine-Route nach Zentraleuropa. Am slowakischen Grenzpunkt Velke Kapusany wurden zuletzt knapp 400 GWh pro Tag gemessen – ein in den vergangenen Wochen üblicher, aber historisch niedriger Wert.

Am bayerischen Grenzpunkt Waidhaus wurden wiederum nur noch Bewegungen im niedrigen zweistelligen oder gar einstelligen GWh-Bereich pro Tag festgestellt.

Russisches Gas über Turkstream

Der Streit dürfte dazu beigetragen haben, dass die Gaspreise im Großhandel am Mittwoch teilweise wieder über die 200-Euro-Marke stiegen. Der Frontmonat TTF notierte am Nachmittag bei 198 Euro pro MWh. Das Dezemberprodukt kostete 218 Euro pro MWh.

Sollte die Ukraine-Route stillgelegt werden, gäbe es im Übrigen nur noch eine Pipeline nach Europa, die von Gazprom befüllt würde: Turkstream. Über diese erhalten neben der Türkei insbesondere auch südeuropäische Länder bis hin zu Ungarn russisches Gas. Zuletzt flossen über die bulgarische Grenze rund 360 GWh pro Tag. (aba/dpa)

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