Hohe Gaspreise im Großhandel zwingen immer mehr Gasversorger zu starken Preiserhöhungen.

Hohe Gaspreise im Großhandel zwingen immer mehr Gasversorger zu starken Preiserhöhungen.

Bild: © Pruthvi Sagar A R/Unsplash

Der russische Energieriese Gazprom verringert die maximalen Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream nach Deutschland um 40 Prozent. Grund seien Verzögerungen bei Reparaturarbeiten durch die Firma Siemens, teilte der Staatskonzern am Dienstag mit.

Ein Gasverdichteraggregat sei nicht rechtzeitig aus der Reparatur zurückgekommen. Deshalb könnten täglich nur noch 60 Prozent des bislang geplanten Tagesvolumnes durch die Pipeline gepumpt werden.

Nord Stream 1 wichtigste Route

Nord Stream 1 gilt als wichtigste Route für russische Gaslieferungen nach Deutschland. Über die polnische Alternativpipeline fließt seit Wochen kein Gas mehr nach Deutschland. Die Liefermengen über die ukrainische Transitroute sind ebenfalls im Vergleich zu früher deutlich gedrosselt. Zuletzt wurden hier knapp 400 GWh pro Tag gemessen.

Zum Vergleich: Über Nord Stream 1 kamen am selben Tag 1200 GWh. Noch vor wenigen Tagen waren es fast 2000 GWh pro Tag.

"Prüfen den Sachverhalt"

Die Bundesregierung sieht die Versorgungssicherheit bei Gas nach eigenen Angaben dennoch als gewährleistet an. "Wir beobachten die Lage und prüfen den Sachverhalt", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Am Dienstagabend bestätige Siemens Energy, dass eine entsprechende Gasturbine der Ostseepipeline gerade in Kanada überholt werde. Aus technischen Gründen sei dies nur dort machen. Wegen der von Kanada verhängten Sanktionen könne sie derzeit jedoch nicht aus Montréal zurückgeliefert werden, teilte eine Konzernsprecherin mit. Es werde an einer tragfähigen Lösung gearbeitet.

Gaspreise klettern nach oben

Im Laufe des Dienstags stiegen die Gaspreise im Großhandel teils deutlich. Der Frontmonatskontrakt am Handelspunkt TTF sprang von 84 Euro pro MWh auf zwischendurch 101 Euro pro MWh, ehe er am Tagesende bei 97 Euro pro MWh notierte. Auch der Winterkontrakt überwand die 100-Euro-Marke und verharrte zu Handelsschluss bei 103 Euro pro MWh.

Die Bundesnetzagentur schrieb in einem Update am Dienstagabend, dass der vollständige Sachverhalt und mögliche Auswirkungen der rückläufigen Flüsse aus der Nord-Stream-1-Pipeline weiter geprüft würden. Die Gasversorgung aber sei stabil. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit gewährleistet."

Speicherfüllstand von 55 Prozent

Die russische Führung hat stets betont, ein verlässlicher Gaslieferant zu sein. Dennoch gibt es Befürchtungen im Westen, dass Gazprom zum Beispiel im Streit über Zahlungsmodalitäten den Hahn zudreht.

Eigentlich sollen die Gasspeicher in Deutschland schnell gefüllt werden, um im Winter bei einem Ausbleiben der Lieferungen genügend Gas zu haben. Zuletzt waren die Speicher nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ im Schnitt zu etwa 55 Prozent gefüllt.

Füllstand in Rehden bei 8 Prozent

Der größte Speicher im niedersächsischen Rehden war Dienstagmorgen zu 8,1 Prozent gefüllt, nachdem die Einspeichermengen zuletzt wieder rückläufig waren.

Die Bundesregierung hofft, schnell LNG-Terminals an der Nordsee in Betrieb nehmen zu können, damit Flüssigerdgas per Schiff auch an deutsche Häfen geliefert werden kann. (amo/aba/dpa)

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