Gazprom lässt den europäischen Energiemarkt weiterhin im Ungewissen, was die Zukunft von Nord Stream 1 angeht.

Gazprom lässt den europäischen Energiemarkt weiterhin im Ungewissen, was die Zukunft von Nord Stream 1 angeht.

Bild: © Igor Russak/dpa

Der russische Energiekonzern Gazprom lässt demonstrativ offen, ob und, wenn ja, wann die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach den derzeitigen Wartungsarbeiten wieder in Betrieb gehen wird. Am Mittwochabend teilte er mit, dass er keine Prognose dazu abgeben könne. Ursprünglich waren die Wartungsarbeiten für zehn Tage, sprich bis zum 21. Juli, geplant.

Gazprom verwies auf die weiterhin fehlende Gasturbine des Unternehmens Siemens Energy, die in Kanada repariert, aufgrund von westlichen Sanktionen aber zunächst nicht ausgeliefert wurde. Schon Mitte Juni hatte der Konzern seine Gaslieferungen deshalb durch Nord Stream 1 deutlich gedrosselt. Mittlerweile hat Kanada entschieden, die Turbine an Deutschland zu übergeben.

"Verantwortungsbereich des Westens"

Am Donnerstag legte Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, laut der Agentur Interfax nach. Die Wiederinbetriebnahme der Pipeline liege vor allem im Verantwortungsbereich des Westens, sagte sie demzufolge.

"Was den Betrieb der Gaspipeline in der Zukunft betrifft, so wird viel von unseren Partnern abhängen – sowohl in Bezug auf die Nachfrage nach Gas als auch in Bezug auf die Verhinderung negativer Auswirkungen unrechtmäßiger restriktiver Maßnahmen." Mit Letzterem dürften EU-Sanktionen gemeint sind, die die russische Wirtschaft stark belasten.

Kein Preissprung im Großhandel

Auffallend gelassen reagierten Marktteilnehmer auf die neuen Nachrichten aus Russland. Der Gaspreis für den Liefermonat August verharrte am Handelsplatz TTF in etwa auf dem Vortagesniveau, übersprang nur kurz die 180-Euro-Marke und fiel zum Ende gar auf unter 175 Euro pro MWh.

Auch die Bundesnetzagentur nahm keine grundlegende Änderung ihrer Einschätzung vor. "Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment [...] stabil", hieß es auf ihrer Website. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet."

Erst Ende August wieder Nord-Stream-1-Gas?

Spekulationen über das weitere Vorgehen Russlands gab es am Donnerstag viele. So sagte Lauren Broadfield, Analyst an der Denkfabrik Energy Aspects, dem Branchendienst Montel, dass die Wartungsarbeiten wahrscheinlich länger dauern würden und erst Ende August wieder Gas fließen könnte.

Andere Experten vermuteten, dass Gazprom in jedem Fall die Energiemärkte weiterhin in Atem halten und insbesondere Gasspeicherbefüllungspläne der EU-Länder untergraben wolle.

Speicherfüllstand sinkt leicht

Tatsächlich sank der aggregierte Füllstand aller deutschen Gasspeicher am Dienstag zum ersten Mal seit dem 21. März wieder – wenn auch nur leicht um 0,06 Prozentpunkte.

Vor allem den Speichern des größten deutschen Gasimporteurs Uniper wurden Mengen entnommen.

Ausspeicherung in Bierwang

Der Füllstand im bayerischen Bierwang sank beispielsweise um 2,9 Prozentpunkte. Zwei Drittel der Ausspeicherkapazität wurden zuletzt genutzt – ein ungewöhnlicher Vorgang mitten im Sommer.

Am vergangenen Freitag hatte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach angedeutet, Gas ausspeichern zu müssen, um Lieferverpflichtungen des Konzerns gegenüber Kunden einhalten zu können. Auf die ZfK-Frage, ob die Ausspeicherungen auf Uniper selbst zurückzuführen seien, antwortete das Unternehmen nicht.

Bekanntes Muster

Die Aussagen aus Russland folgen einem dem Markt seit Monaten bekannten Muster. Bereits im vergangenen Winter hatte das Land den Gasmarkt in Atem gehalten, als es mit Verweis auf die Befüllung der eigenen Gasspeicher kein zusätzliches Gas in Europa anbot, dann aber ein Befüllungsprogramm ankündigte, das so nie umgesetzt wurde.

Stattdessen liefen die von Gazprom bewirtschafteten Gasspeicher nach und nach leer und stiegen die Preise im Großhandel auf bis dahin ungeahnte Höhen. (aba/dpa)

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