Für Florian Feller steht fest: „Wenn wir die Transformation der Gasinfrastruktur schaffen, lösen wir einen relevanten Teil der Mammutaufgabe Klimaneutralität.“ Der Vorsitzende der Initiative H2vorOrt hat den neuen Gasnetzgebietstransformationsplan (GTP) vorgestellt. Die wesentlichen Erkenntnisse aus der Sicht von Feller: Die Bereitschaft der Branche, die Klimaneutralität engagiert anzugehen, sei riesig. Die Mehrheit der teilnehmenden Netzbetreiber plane, bereits bis 2030 mit der Wasserstoffeinspeisung in die Verteilnetze zu beginnen. Erste reine Wasserstoffnetze werde es in großen Teilen Deutschlands bis 2035 geben.
Insgesamt haben sich 241 Gasverteilnetzbetreiber an GTP 2023 beteiligt. Deutschlandweit decke man über 415.000 Kilometer Gasnetze ab. Die Analyse habe zudem ergeben, dass viele Netzbetreiber von einem gleichzeitigen Einsatz von Biomethan oder anderem klimaneutralem Methan ausgehen.
Kommunen setzen auf grüne Gase
Von zentraler Bedeutung für den GTP ist die Kundensicht. Wie Feller bei der Vorstellung des GTP referierte, seien nur fünf Prozent der für den GTP knapp 1000 befragten Kommunen der Ansicht, auf klimaneutrale Gase verzichten zu wollen. Die Mehrheit sieht diese klar als wichtigen Baustein der Energiewende.
Auch in der Industrie ist das Interesse offenbar groß: Von knapp 2000 befragten Großkunden setzen mehr als drei Viertel auf Wasserstoff. 29 Prozent der Kunden wollen den Wasserstoff hierbei bereits bis 2030, weitere 30 Prozent erwarten die Umstellung in den 2030er Jahren. Aber auch zum Thema Biomethan sprechen die Ergebnisse des GTP laut Feller eine klare Sprache – die Teilnehmer haben in 2022 gesammelt mehr Einspeisebegehren erhalten, als es Einspeiseanlagen im Bestand gibt.
Keine technischen Hürden
Aus technischer Sicht sieht Feller keine nennenswerten Hürden für die Umrüstung auf Wasserstoff.
Ziel des GTP sei es, eine investitionsfähige Planung zu ermöglichen. Nur die Verteilnetzbetreiber seien in der Position, den notwendigen Brückenschlag zwischen Wasserstoffbackbone und den Endverbrauchern vor Ort zu machen. Durch die Abstimmung der konkreten Bedarfe vor Ort mit der Belieferung durch die vorgelagerten Netzbetreiber würden sie zum Garanten für eine kohärente und zielkonforme Transformation unter Aufrechterhaltung der sicheren Versorgung.
Wasserstoff auch in der Wärme
DVGW-Chef Gerald Linke betont, dass Wasserstoff nicht nur für die Industrie, sondern auch für die kommunale Wärmeplanung entscheidende Bedeutung haben werde. Es sei nur folgerichtig und dringend geboten, dass der Bundestag den GTP nun den Transformationsplänen der Fernwärmeversorgung in zentralen Punkten gleichstelle.
Für den VKU äußerte sich Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing: „Dass nur 5 Prozent der befragten Kommunen keinen Einsatz von klimaneutralen Gasen sehen, zeigt deutlich, wie sich die Realität von isolierten Studien unterscheidet. Erneuerbare Gase werden oft für die Wärmewende und die Arbeitsplätze vor Ort eingeplant.“
Konzessionsrecht umgestalten
Das Gasnetz sei hierbei eine wichtige Säule der kommunalen Versorgung. Neben der Aufnahme des GTPs in das Wärmeplanungsgesetz sei es dringend notwendig, nun auch die begleitenden Themen anzugehen: Das Konzessionsrecht müsse transformationsgerecht umgestaltet werden, eine unternehmerische Trennung zwischen Gas- und Wasserstoffnetzen, wie sie auf europäischer Ebene bislang noch von der Kommission angedacht ist, dürfe nicht kommen und die Anbindung der Verteilnetze an das H2-Kernnetz müsse zeitnah und zielorientiert sichergestellt werden.
Feller: Industrie als Zugpferd
Zum Einsatz von Wasserstoff im Wärmemarkt hat auch Florian Feller eine klare Position. „Die Industrie ist das Zugpferd, die Wärme sitzt gewissermaßen in der Kutsche dahinter“, sagte er. Wichtig sei, einen Bottom-up-Prozess zu gestalten. Es brauche sinnvolle Lösungen, die zur konkreten Situation vor Ort passen. Die vielen Studien, die den Einsatz von Wasserstoff im Wärmebereich allenfalls in der Nische sehen, sieht Feller kritisch. Er sei generell kein Freund von Studien, die Pauschalurteile abgeben. In den nächsten Jahren werde sich herauskristallisieren, was im Einzelnen vor Ort die beste Lösung sei. Der GTP werde dabei eine wichtige Inputgröße für die kommunale Wärmeplanung sein, an dessen Ergebnissen er sich zugleich zu orientieren habe.
Bereits im Juli haben die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) ihren Planungsstand für das Wasserstoff-Kernnetz vorgestellt. Barbara Fischer, Geschäftsführerin des FNB Gas, betonte, dass FNB und VNB bei der Planung des Wasserstoffnetzes an einem Strang ziehen. Es sei wichtig, dass die Planung der Wasserstoffinfrastruktur auf allen Ebenen Hand in Hand gehe. „Das überregionale Wasserstoff-Kernnetz der FNB verbindet Erzeugungsregionen und Importpunkte mit den Verbrauchsregionen. Die nachgelagerten Verteilernetze übernehmen die Flächenversorgung.“
FNB und VNB mit einem gemeinsamen Ziel
Bereits im September vor einem Jahr hatten FNB und VNB im Rahmen des Wasserstoffberichts gemäß §28q EnWG ein gemeinsames Konzept für das Zusammenspiel zwischen dem Bottom-up basierten GTP-Konzept und dem top-down Konzept des Netzentwicklungsplans Gas vorgelegt. (amo)


