Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Bild: © Peterschreiber.media/AdobeStock

OGE und RWE haben das nationale Infrastrukturkonzept „H2ercules“ entwickelt. Damit wollen die beiden Unternehmen den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur vorantreiben. Diese soll Elektrolyseure sowie Speicher- und Importmöglichkeiten für grünen Wasserstoff im Norden mit industriellen Endverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands verbinden. Weitere in Entwicklung befindliche Importrouten aus dem Süden und Osten sollen bis 2030 angeschlossen werden. So könne H2ercules das Rückgrat einer Wasserstoffinfrastruktur von der Nordseeküste bis nach Süddeutschland werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Erste Großunternehmen, wie zum Beispiel thyssenkrupp, haben demnach ihr Interesse signalisiert, an ein solches Netz angeschlossen zu werden.

Die Umsetzung des Vorhabens erfordert voraussichtlich Investitionen in einer Größenordnung von 3,5 Milliarden Euro. Da der größte Teil von H2ercules auf der Umstellung bereits bestehender Erdgasleitungen beruht, sei der Vorschlag in Summe kostengünstiger und deutlich schneller zu realisieren als ein kompletter Neubau.

Hoher Bedarf in der Industrie

RWE-Chef Markus Krebber betont, dass die Industrie große Mengen an grünem Wasserstoff benötige – und das so schnell wie möglich. RWE wolle deshalb bis 2030 an küstennahen Standorten im Nordwesten Deutschlands zusätzliche Elektrolysekapazitäten errichten und betreiben. Der erzeugte grüne Wasserstoff soll dann vom Norden dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird, etwa zu Stahlerzeugern, Chemieunternehmen und Raffinerien im Ruhrgebiet und in Süddeutschland. „Diese Herausforderung gehen wir mit OGE an. Gemeinsam wollen wir den ersten Wasserstoff-Schnellweg in Deutschland schaffen.“

Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung der OGE, ergänzt: „Das Konzept ist als umsetzbarer Vorschlag zu verstehen, um die Hercules-Aufgaben Dekarbonisierung und Diversifizierung der Energieversorgung zu lösen.“ Diese Aufgabe sei nur durch eine intensive wertschöpfungsstufenübergreifende Zusammenarbeit der Unternehmen mit Unterstützung der Politik durch kurzfristige Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zu meistern. Gemeinsam wolle man das Henne-Ei-Problem im XXL-Format überwinden und anderen Wasserstoff-Akteuren eine verlässliche Basis für ihre Projekte bieten.

Auch Importe geplant

Die Rollen bei H2ercules sind klar verteilt: RWE will bis zu 1 Gigawatt an neuen Elektrolyse-Anlagen bis 2030 realisieren und damit grünen Wasserstoff erzeugen. Zudem plant RWE, große Mengen Wasserstoff zu importieren. Auch beabsichtigt RWE wasserstofffähige Gaskraftwerke mit einer Leistung von mindestens 2 Gigawatt in Anschlussnähe zur geplanten H2ercules-Trasse zu errichten und ihre Gasspeicher nahe der niederländischen Grenze an die Wasserstoffleitung anbinden zu lassen. Beides sei wichtig, um grüne flexible Backup-Kapazitäten zu schaffen.

OGE will dafür sorgen, dass der grüne Wasserstoff zum Kunden kommt, indem bestehende Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport umgestellt und ergänzend neue Leitungen gebaut werden. So kann ein Leitungsnetz von circa  1.500 Kilometern entstehen, das sich in die deutschlandweite Wasserstoff-Netzplanung einfügt. Über den Abstimmungsprozess für den Netzentwicklungsplan Gas (NEP Gas) ist das Zusammenspiel mit den Wasserstoff-Aktivitäten der anderen Marktakteure sichergestellt.

Einen europäischen Wasserstoffmarkt aufbauen

H2ercules eröffnet nach Überzeugung der Projektpartner neue Möglichkeiten, um Deutschland an wesentliche Importrouten anzuschließen – zunächst über Pipelines aus Belgien und den Niederlanden, später über Norwegen sowie aus Süd- und Osteuropa; perspektivisch auch über Importterminals für grüne Moleküle im Norden Deutschlands. Damit trage das Projekt zum Entstehen eines europäischen Wasserstoffmarktes bei.

Das Projekt ist offen für weitere Partner entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Mit diesem integrierten Ansatz und einem auf Wachstum ausgelegten Umsetzungspfad wird H2ercules bis 2030 überregional zwei Drittel des für Deutschland bekannten Wasserstoffbedarfs in den Verbrauchszentren entlang des empfohlenen Korridors erreichen können, so die beiden Unternehmen. So könne zügig der Schritt in eine großskalige Wasserstoffwirtschaft gelingen. Neben großen industriellen Abnehmern könnten dabei auch kleinere Unternehmen profitieren. Die Umsetzung des Vorhabens brauche allerdings passender Rahmenbedingungen. Diese wollen RWE und OGE in Kürze mit der Politik erörtern, kündigen die Projektpartner an. (amo)

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