Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Stromgeneration der Gaskraftwerke in Europa steigt in der ersten Oktoberhälfte um rund 40 Prozent über den Mittelwert des Vormonats September. Die Gründe waren eine stark rückläufige Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und der saisonale Anstieg der Stromnachfrage.

Erdgas macht ein Viertel der Stromproduktion aus

Die europäischen Gaskraftwerke produzierten zur Mitte des Monats bis zu 72 GW, der Durchschnittswert in der ersten Oktoberhälfte lag bei rund 49 GW. Im Vormonat September lagen durchschnittlich 35 GW am Stromnetz, die Spitzenlast lag bei 55 GW.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach dies ebenfalls einem Plus von über 40 Prozent. Das starke Wachstum erklärt sich im Wesentlichen durch die schwache Verfügbarkeit von Wasserkraft und sehr geringe Windgeschwindigkeiten.

Die Windstromgeneration fiel zur Mitte des laufenden Monats Oktober auf bis zu 20 GW, im Vormonat lagen noch durchschnittlich 50 GW am Netz. Erdgas als Brennstoff lag am 14. und 15. Oktober an der Spitze der Merit-Order und machte an diesen Tagen rund ein Viertel der gesamten europäischen Stromgeneration aus.

Wichtige Rolle flexibler Gaskraftwerke

Beeindruckend ist vor allem das Wachstum innerhalb weniger Tage. In der ersten Oktoberwoche fiel die Stromgeneration der Gaskraftwerke auf rund 20 GW und stieg innerhalb rund einer Woche dann auf bis zu 72 GW. Dies entspricht einer Steigerung von rund 350 Prozent.

Das Zusammenspiel aus schwacher Windstromerzeugung, geringer Wasserkraft, unterdurchschnittlicher Solarstromerzeugung und leicht tieferer Temperaturen als saisonal üblich führte zur ersten kleineren "Dunkelflaute" in der noch jungen Wintersaison.

Die Erneuerbaren-Energieproduktion, insbesondere die Windstromerzeugung, wird damit zu einem immer wichtigeren Treiber der Gasnachfrage im Winter. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung flexibler Gaskraftwerke im europäischen Stromsystem als wichtige Reserveenergiequelle.

Gasspeicher als wichtigste Flexibilitätsquelle

Der Gasverbrauch stieg damit in der ersten Monatshälfte um über 30 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der zusätzliche Bedarf wurde durch leicht gestiegene LNG-Aussendungen, aber im Wesentlichen durch deutlich gestiegene Ausspeicherungen gedeckt.

Die Netto-Ausspeicherungen in Europa stiegen in der Spitze auf knapp 1,5 TWh pro Tag. In der ersten Hälfte des Oktobers wurden daher insgesamt nur netto 5 TWh eingespeichert, das Fünf-Jahres-Mittel liegt bei über 20 TWh in diesem Zeitraum, was einem Rückgang von rund 80 Prozent entspricht.

Niedrige Füllstände könnten zu Preisspitzen führen

Die Gasspeicher der EU-Länder sind zu 82 Prozent gefüllt, knapp 9 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

In Deutschland sind die Gasspeicher nur zu 75 Prozent gefüllt, 16 Prozentpunkte weniger als der Benchmark. Deutschlands größter Gasspeicher Rehden ist nur zu 28 Prozent gefüllt; seit Anfang Oktober gab es dort keine wesentlichen Speicherbewegungen mehr.

Wenn es richtig kalt wird, sollte aufgrund der neuen LNG-Kapazitäten die Versorgung in den EU-Ländern weitgehend gesichert sein. Dennoch könnte ein Stressszenario mit sehr niedrigen Temperaturen zu deutlichen Preisbewegungen führen. Einige Analysten gehen im Worst-Case-Szenario von Preisspitzen von bis zu 150 Euro/MWh aus.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

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