Der Bedarf an Wasserstoff in der Europäischen Union könnte deutlich stärker steigen als bislang erwartet. Das ist das Ergebnis der Studie "Hydrogen4EU". Die Studie modelliert den europäischen Energiesektor und betrachtet zwei Politikszenarien für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft: Einen Technologie-Diversifizierungspfad (TD) und einen Pfad mit einem Erneuerbaren-Schub (ES). In beiden Szenarien spielt klimaneutraler Wasserstoff hergestellt mit Erdgas eine wesentliche Rolle, um die Klimaziele zu erreichen, teilt Zukunft Gas mit. Die Erdgasnachfrage bleibt laut der Untersuchung in den kommenden drei Jahrzehnten konstant. Die Studie wurde von den Forschungspartnern IFP Énergies Nouvelles, SINTEF und Deloitte im Auftrag von Hydrogen4EU veröffentlicht.
Laut der Studie steigt der Wasserstoffbedarf bis 2050 in beiden Szenarien auf über 100 Mio. Tonnen und übertrifft damit deutlich die Prognosen der EU. Auch wenn der Mix der Wasserstoffproduktion in den beiden Szenarien variiert, wird klar: Klimaneutraler Wasserstoff ist für den Markhochlauf einer Wasserstoffwirtschaft unverzichtbar. So prognostiziert die Hydrogen4EU-Studie im Jahr 2030 einen großen Anteil der Erzeugung von Wasserstoff mit Erdgas – zu 94 Prozent im TD-Szenario und 68 Prozent im ES-Pfad. Auch im Jahr 2040 bleibt die Rolle von Erdgas weiterhin groß und schwankt zwischen 41 Prozent (ES) und 68 Prozent (TD). Auch nach dem Markthochlauf von Wasserstoff bleibt die Produktion mit Erdgas in den 2050er Jahren signifikant (44 Prozent in TD und 19 Prozent in ES).
Erdgas bleibt "essenziell"
Klimaneutraler Wasserstoff wird primär durch die Dampfreformierung von Erdgas mit der Speicherung des anfallenden CO2 (CCS) erzeugt oder mittels der Methanpyrolyse. Dabei wird Erdgas in Wasserstoff und Kohlenstoffruß gespalten. Essenziell laut Untersuchung für die Produktion von ausreichend klimaneutralem Wasserstoff sind weiterhin große Mengen Erdgas und CO2-Speicherungskapazitäten (CCS). So zeigen die Ergebnisse, dass der Erdgasverbrauch bis in das Jahr 2050 konstant bleibt.
"Die Nutzung von Erdgas wird sich in den kommenden Jahrzehnten weiterentwickeln. Während der Energieträger heute primär den Wärmemarkt und die Industrie bedient, wird er künftig zudem für die Wasserstoff- und Stromerzeugung verwendet", so Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Gas. "Auch Importe von Wasserstoff werden in den nächsten Jahrzehnten weiterhin eine wichtige Rolle spielen, um die europäische Wasserstoffversorgung zu ergänzen." Je nach Szenario werden Importe in Höhe von 10 bis zu 15 Mio. Tonnen Wasserstoff benötigt. (gun)



