Von Artjom Maksimenko
Für das laufende Jahr erwartet die IEA einen Anstieg des Gasverbrauchs um etwa drei Prozent. Die Gründe dafür sehen die Experten in der kalten Witterung im Winter 2025 sowie in einem höheren Erdgasanteil bei der Stromerzeugung. Das geht aus dem Gas Market Report Q3/2025 hervor.
Für 2026 rechnen die Experten jedoch mit einer Trendwende – zumindest für den europäischen Markt. Als Hauptursache wird der fortschreitende Ausbau erneuerbarer Energien genannt. Weltweit gesehen dürfte die Gasnachfrage jedoch auch im Jahr 2026 weiter steigen.
Gaspreise im Schnitt über Vorjahresniveau
Nach ihren Höchstständen in den Jahren 2022 und 2023 haben sich die Spotpreise für Gas in Europa allmählich stabilisiert – dieser Prozess dauerte bis ins erste Quartal 2024 hinein, heißt es im Report. Seitdem haben sich die Preise sowohl in Europa als auch in Asien jedoch deutlich erholt. Im Februar 2025 erreichten die Spotpreise ein bisheriges saisonales Hoch von rund 18 US-Dollar je MMBtu (Million British Thermal Units), was einem Preis von 56,48 Euro je Megawattstunde entspricht, erklärte Gergely Molnar, Experte bei der IEA.
Im ersten Halbjahr 2025 lagen die europäischen Gaspreise im Durchschnitt rund 40 Prozent über dem Vorjahresniveau. Diese Preissteigerung wurde laut Molnar durch verschärfte Marktbedingungen und eine überraschend starke Nachfrage – insbesondere in Europa – begünstigt. Hinzu kommt, dass geopolitische Spannungen – wie beispielsweise der Konflikt zwischen Israel und Iran – für eine erhöhte Volatilität sorgen.
Der Asien-Spread löst sich auf
Bemerkenswert ist aus Sicht von Molnar der sogenannte "Price-Spread“ zwischen Europa (TTF) und Asien (JKM). Anfang 2020 lag die asiatische Benchmark rund einen US-Dollar über dem europäischen, was LNG-Flüsse nach Asien begünstigte. Im ersten Halbjahr 2025 ist diese Spanne jedoch nahezu verschwunden – Europa ist für LNG-Lieferanten derzeit attraktiver geworden.
Im ersten Halbjahr erreichten die LNG-Lieferungen nach Europa rund 90 Milliarden Kubikmeter – das bedeutet einen Anstieg um 25 Prozent und einen neuen Rekordwert. Die USA haben dabei ihre Position als Europas wichtigster LNG-Lieferant weiter gefestigt. Die Liefermengen aus Übersee legten um 45 Prozent zu und deckten nahezu 90 Prozent des zusätzlichen LNG-Bedarfs Europas.
Tiefstand bei Gasspeichern
Während der Gasverbrauch im Gebäudebereich witterungsbedingt um etwa fünf Prozent stieg und die Gasnachfrage im Stromsektor im Jahresvergleich um 20 Prozent zulegte, sank der industrielle Gasverbrauch in Europa um rund zwei Prozent – insbesondere in der Düngemittel- und Raffineriebranche.
Europa beendete die Heizsaison 2024/2025 mit einem um 25 Prozent niedrigeren Speicherstand im Vergleich zum Vorjahr. In der Folge stiegen die Speicherbefüllungen im zweiten Quartal 2025 um 36 Prozent – das entsprach rund sieben Milliarden Kubikmetern zusätzlicher Nachfrage.
Für den Sommer 2025 erwartet die IEA, dass Europas LNG-Importe um ein Drittel steigen werden – das wären 25 Milliarden Kubikmeter mehr als 2024 –, um die Speicherziele zu erreichen. Für das Gesamtjahr 2025 prognostiziert die IEA einen Nachfrageanstieg in Europa um etwa drei Prozent. Dieser werde durch kälteres Wetter, einen geringeren Anteil erneuerbarer Energien und einen erhöhten Speicherbedarf getragen.
Nachfragerückgang in Europa - Trendwende in Asien
Für 2026 hingegen rechnet Molnar mit einem Rückgang der Nachfrage um ein bis zwei Prozent. Treibende Faktoren sind der Ausbau erneuerbarer Energien und der damit sinkende Erdgasbedarf im Stromsektor. Ein Teil der Industrie werde sich zwar erholen, und auch im Gebäudebereich könnte der Verbrauch leicht steigen – diese Entwicklungen reichen jedoch nicht aus, um den Rückgang bei der Erdgasverstromung auszugleichen.
Auch die europäischen LNG-Importe dürften 2026 leicht unter dem Niveau von 2025 liegen, so die Erwartung der IEA. Für Asien hingegen wird mit einer Trendwende gerechnet: Getrieben durch die Rückkehr Chinas als wichtigstem LNG-Verbraucher erwarten die Experten einen Nachfrageanstieg um 4,4 Prozent. Dies würde die globale LNG-Nachfrage auf knapp zwei Prozent steigen lassen.
Für den LNG-Markt im kommenden Jahr erwartet die IEA eine deutlich entspanntere Marktsituation mit besseren Kaufbedingungen für preissensitive Abnehmer. Ein Grund dafür ist der Beginn der nächsten Angebotswelle neuer LNG-Kapazitäten. Diese läuft bereits an und soll 2025 rund 30 Milliarden Kubikmeter erreichen. Weitere 40 Milliarden Kubikmeter sollen im Jahr 2026 folgen.



