Die Füllstände der Gasspeicher liegen bereits seit einigen Wochen auf dem für die Jahreszeit niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnung der Speicherdaten durch die Gas Infrastructure Europe (GIE).
Im Verlauf des Januars lagen die Netto-Ausspeicherungen bei bisher rund 7600 Gigawattstunden pro Tag (GWh/Tag) und damit zehn Prozent höher als im Vorjahreszeitraum 2025. Der Füllstand fällt damit Ende Januar auf deutlich unter 43 Prozent.
Füllstände auf niedrigstem Stand seit mindestens 2011
Die derzeit verfügbaren Wetterprognosen sehen für Nordwesteuropa bis Mitte Februar anhaltend kalte Temperaturen mit Tagesmitteln bis zu zwei Grad unter der saisonalen Norm vor. Für die Windstromproduktion werden insbesondere für die zweite Februarwoche unter der Norm liegende Werte erwartet.
Füllstand könnte auf 20 Prozent fallen
Sollte es den ganzen Februar hindurch anhaltend kalt bleiben und die Ausspeicherungen würden sich wie zuletzt beobachtet weiterentwickeln (Mittelwert 7600 GWh/Tag), so könnte der Füllstand der Gasspeicher zu Ende Februar auf 20 Prozent fallen.
Dieses Szenario wäre mit der Entwicklung vom Februar 2018 vergleichbar, als gegen Ende des Monats das "Beast from the East" zu extrem hoher Gasnachfrage führte und die Ausspeicherungen auf über 11.000 GWh/Tag trieb. Im Mittel des Februars 2018 lag damals die Netto-Ausspeicherung bei 7700 GWh/Tag, der Füllstand am Ende des Monats lag jedoch damals trotz der Nachfragespitzen bei 29 Prozent.
Legt man die Nachfrageentwicklung aus dem letzten Jahr zugrunde, so könnte der Füllstand gegen Ende des Monats auf rund 26 Prozent fallen. Der Februar 2025 war durchschnittlich kalt, jedoch sorgten Nachfragespitzen aus dem Strombereich für eine robuste Gasnachfrage. Die Netto-Ausspeicherungen lagen damals im Mittel bei 6300 GWh/Tag und der Füllstand am Ende des Monats lag bei 38 Prozent.
Volatile Wetterprognosen – volatile Gaspreise
Die Wetterprognosen insbesondere Windstromprognosen sind typischerweise zu dieser Zeit im Jahr recht volatil. Prognosen über den Zeitraum von sieben Tagen sind oftmals schnell obsolet, dementsprechend schnell ändert sich auch das fundamentale Bild am Gashandel.
Diese Unsicherheit wirkt sich auf die Preisentwicklung aus. Der Korridor für mögliche Preisschwankungen in den nächsten zwei Wochen könnte damit bei bis zu +/- 20 Prozent um den aktuellen Spotpreis liegen.
Abhängigkeit von US-LNG
Bisher im laufenden Monat zeigt sich das LNG-Angebot in Europa sehr stark. Der Anteil von US-LNG auf dem europäischen Markt liegt bei ungefähr 57 Prozent. Europa ist damit einerseits politisch abhängig aber auch ökonomisch verwundbar. Zuletzt kam die wachsende Konkurrenz zum US-Binnenmarkt hinzu.
Mit den eisigen Temperaturen in einigen Regionen der USA stieg die Gasnachfrage dort deutlich an, das Extremwetter verursachte Schäden an den Produktionsanlagen (Schätzung: 15 Prozent der täglichen US-Produktion) und die Füllstände der Gasspeicher sanken unter das Fünf-Jahres-Mittel.
Europa gegenüber Asien im Geld
Wegen der auch in Europa stark gestiegenen Gaspreise blieben die US-LNG-Lieferungen nach Europa dennoch im Geld aber der sogenannte Netback sank deutlich und lag zuletzt bei Werten zwischen zwei und fünf Euro je Megawattstunde. Damit lag Europa gegenüber dem Konkurrenzmarkt Asien deutlich im Geld, denn dort konnten US-Exporteure mit Spotlieferungen zuletzt keine positiven Margen erwirtschaften.
Die Preisentwicklung im Februar an den Referenzmärkten Henry Hub, TTF und JKM wird jedoch dann darüber entscheiden, wie viel LNG im Februar in Europa ankommen wird.
Importstopp für russisches LNG
Am 26. Januar hat die EU das Importverbot für russisches Erdgas abschließend beschlossen. Damit dürfen ab dem 25. April 2026 keine Spotlieferungen von russischem LNG mehr in die EU importiert werden.
Fraglich ist, wie sich die LNG-Importmengen aus Russland bis dahin entwickeln werden. Der Anteil von russischem LNG lag in den letzten zwölf Monaten auf dem europäischen Markt bei 12 Prozent. Im Januar wurden circa 20 LNG-Lieferungen importiert − die höchste Anzahl von Schiffslieferungen seit Februar 2025. Fraglich mit Blick auf den Sommer ist dann auch, wer die wegfallenden russischen Lieferungen ersetzen wird. Kann Katar seine Position ausbauen?
Das arabische Land spielte in den letzten 12 Monaten nur eine untergeordnete Rolle auf dem europäischen LNG-Markt, dessen Marktanteil lag nur bei sieben Prozent. Andererseits könnten die USA die Lücke schließen und ihren Markanteil in Richtung der 70-Prozent-Marke ausbauen.

