Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2. Nach Plänen der Betreiber sollte die Pipeline Ende 2019 in Betrieb gehen.

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2. Nach Plänen der Betreiber sollte die Pipeline Ende 2019 in Betrieb gehen.

Bild: © Stefan Sauer

Von Artjom Maksimenko

Einem Bericht von "Financial Times" ("FT") zufolge arbeitet der ehemalige Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG Matthias Warnig an einem Neustart des umstrittenen Pipelineprojekts Nord Stream 2. Der Plan beinhaltet unter anderem die Kontaktaufnahme zum Trump-Team durch US-Geschäftsleute. Mehreren prominenten Vertretern der Trump-Administration sei seine Initiative bekannt.

Laut "FT" gibt es bereits mehrere Interessensbekundungen von US-Investoren an dem Geschäft. Ein US-geführtes Konsortium soll bereits grobe Linien für einen Deal mit dem russischen Staatskonzern Gazprom ausgearbeitet haben. Sowohl Warnig als auch der Kreml weisen die Existenz solcher Pläne öffentlich zurück.

Pipeline für Neuausrichtung der Beziehungen

Laut "FT" sieht das die Trump-Administration als Teil einer Neuausrichtung der Beziehungen zu Moskau und hofft dabei auf einen "strategischen Vorteil bei den Friedensgesprächen" über die Ukraine. Eine der beiden Pipelines von Nord Stream 2 wurde bei einem Anschlag im September 2022 gesprengt, ebenso beide Leitungen von Nord Stream 1. Eine Pipeline von Nord Stream 2 blieb unbeschädigt, kam aber beim Gastransport nie zum Einsatz. "Dass die Wiederaufnahme von Gaslieferungen und die Lockerung von Sanktionen gegenüber Russland Teil der Friedensverhandlungen sein könnten, halten wir für realistisch", ordneten die Analysten des Beratungshauses Enerchase den Sachverhalt ein. Aus ihrer Sicht seien die Pipelines "wirksame Hebel, um Russland gegebenenfalls zu Zugeständnissen zu bewegen".

Nach den Ereignissen vom vergangenen Freitag mit dem Eklat zwischen US-Präsident Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj sei eine Friedenslösung zwar offenkundig in weite Ferne gerückt. Allerdings haben über das Wochenende führende europäische Politiker in London daran gearbeitet, eine Lösung für die festgefahrene Situation zu erarbeiten, hieß es von Enerchase auf ZfK-Anfrage weiter.

Sollte es trotz aller politischen Hindernisse zu einer Inbetriebnahme des Pipeline-Strangs kommen, hätte dies "einen signifikanten senkenden Einfluss auf die europäischen Gaspreise". Die jährliche Kapazität des Nord-Stream-2-Strangs beträgt 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Zum Vergleich: Die zum Jahreswechsel eingestellten russischen Gasflüsse durch die Ukraine haben sich im Jahr 2024 auf circa 15 Milliarden Kubikmeter aufsummiert. Auch diese könnten im Zuge erfolgreicher Verhandlungen wieder aufgenommen werden, rechnet Enerchase.

BMWK: Keine leitungsgebundenen Lieferungen aus Russland

Eine Wiederinbetriebnahme der Pipeline wäre allerdings an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Die Reparatur der Nord-Stream-Pipeline halte er unter den jetzigen Bedingungen für ausgeschlossen, sagte der außenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), auf Anfrage der "Berliner Morgenpost". "Das würde nur Putins Kriegskasse füllen." Das Einverständnis Deutschlands, wo das Gas aus der Nord Stream 2 anlanden sollte, ist allerdings von zentraler Bedeutung für das Projekt.

Das Bundeswirtschaftsministerium betonte auf ZfK-Anfrage, weder am Konkursverfahren noch an etwaigen Verkaufsgesprächen beteiligt zu sein. Die Nord Stream 2 AG befinde sich zu 100 Prozent im Eigentum von Gazprom. Sie stehe unter der Aufsicht eines sogenannten Sachwalters, "da ein Konkursverfahren anhängig ist". Alle Fragen zum Verfahren, aber auch zum eventuellen Verkauf seien an das Insolvenzgericht zu richten. Das Ministerium führe zudem in diesem Zusammenhang keine Gespräche mit Russland über eine etwaige leitungsgebundene Lieferung von russischem Gas. Dies steht nicht zur Debatte.

Polen fordert "Demontage"

Eine klare Position bezüglich der vermeintlichen Pläne rund um die Pipeline hat auch Polens Präsident Andrzej Duda bezogen. Er forderte eine endgültige "Demontage" der Pipeline und bezeichnete das Projekt als große Bedrohung für die Ukraine, Polen und zentraleuropäische Länder.

Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet Donald Trump während seiner ersten Amtszeit die Pipeline Nord Stream 2 und den Chef der Betreibergesellschaft Matthias Warnig persönlich sanktioniert hatte. Damit wollten die USA die Gaspipeline kurz vor der Fertigstellung stoppen und erließen Sanktionen gegen beteiligte Firmen. Das kritisierte Deutschland damals und betrachtete dies als eine "Einmischung in die inneren Angelegenheiten". Seitdem haben sich die politischen Vorzeichen offenbar stark verändert.

Eine der beiden Pipelines von Nord Stream 2 wurde bei einem Anschlag im September 2022 gesprengt, ebenso beide Röhren des Schwesternprojekts Nord Stream 1. Zudem hatte Nord Steam 2 nie eine Betriebserlaubnis erhalten.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper