Wärmepumpen sind im Kommen.

Wärmepumpen sind im Kommen.

Bild: © Adobe Stock/Hermann

In der fortschreitenden Elektrifizierung des Wärmesektors rücken Wärmepumpen auch als Instrument zur Stabilisierung der Stromnetze in den Fokus. Ein jetzt abgeschlossenes Pilotprojekt "ViFlex" zeigt, dass Wärmepumpen in privaten Haushalten in das Engpassmanagement der Übertragungsnetze eingebunden werden können. Beteiligt am Projekt waren der Wärmepumpenhersteller Viessmann sowie die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Transnet BW

In den vergangenen drei Jahren wurden mehr als 100 Wärmepumpen aus Haushalten in die Systeme der Netzbetreiber integriert. Ziel war es, zu prüfen, ob sich diese Anlagen als flexible Stromverbraucher im Redispatch einsetzen lassen.

Technisch angebunden wurden die Anlagen über die europäische Plattform "Equigy Crowd Balancing". Diese dient als Schnittstelle, um kleinteilige, dezentrale Flexibilitäten aggregiert für Systemdienstleistungen nutzbar zu machen. Viessmann übernahm dabei die Prognose der Lastverläufe, die Bündelung der Wärmepumpen zu virtuellen Pools sowie deren Steuerung über die unternehmenseigene Cloud. Die Übertragungsnetzbetreiber testeten parallel die Einbindung in ihre operativen Prozesse.

Redispatch für kleinteilige Verbraucher völlig ungeeignet

Nach Angaben der Projektpartner lassen sich Wärmepumpen zuverlässig zur zeitlichen Verschiebung des Stromverbrauchs einsetzen. Diese Verschiebung beeinträchtigt die Wärmeversorgung der Haushalte nicht. Aus Sicht der Netzbetreiber lassen sich dadurch Verbrauchsspitzen glätten und Überschüsse aus Wind- und Solarstrom besser nutzen.

In jedem Fall sehen die Projektpartner aber erheblichen regulatorischen Handlungsbedarf. Der derzeit geltende, kostenbasierte Redispatch‑2.0‑Rahmen sei für kleinteilige Verbraucher völlig ungeeignet.
Als nächster Schritt sei daher eine Weiterentwicklung hin zu einem hybriden, marktbasierten Redispatch 3.0 nötig. Dieser soll es Haushalten ermöglichen, mit Wärmepumpen, Batteriespeichern oder Elektrofahrzeugen freiwillig und diskriminierungsfrei zur Netzstabilität beizutragen.

Nachfolgeprojekt will Daten von Automobil- und Energiewirtschaft verknüpfen

Aufbauend auf ViFlex haben die Projektpartner bereits Folgevorhaben wie das Förderprojekt "DataFleX" initiiert. DataFleX verfolgt ebenfalls das Ziel, dezentrale und kleinteilige Flexibilitäten systematisch für das Energiesystem nutzbar zu machen. Das Projekt will dabei die bislang getrennten Datenökosysteme der Energie‑ und Automobilwirtschaft digital miteinander verknüpfen. In einer großskaligen Demonstration in den Regelzonen der Übertragungsnetzbetreiber Tennet Germany und Transnet BW soll die Flexibilität aus mehreren Tausend dezentraler Anlagen real abgerufen werden können.

Ergänzend entwickelt DataFleX ein marktbasiertes Anreizmodell, das Eigentümerinnen und Eigentümer von Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen oder Heimspeichern motivieren soll, ihre Flexibilität bereitzustellen.

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