Für längere Kälteperioden garantiere das jetzige Gasnetz keine Versorgungssicherheit, schreiben die Autoren.

Für längere Kälteperioden garantiere das jetzige Gasnetz keine Versorgungssicherheit, schreiben die Autoren.

Bild: © Fab Lentz/Unsplash

Die Stadtwerke Konstanz werden doch keine zusätzliche Gasanbindung bauen. Das habe der Aufsichtsrat auf Vorschlag der Geschäftsleitung beschlossen, teilte das baden-württembergische Kommunalunternehmen in einer Presseaussendung mit.

"Wir haben diese Entscheidung bewusst getroffen, um die hohen Konstanzer Klimaschutzziele einzuhalten", wird Geschäftsführer Norbert Reuter zitiert. Sein Unternehmen sehe Erdgas "nicht als Energieträger der Zukunft". Konstanz hatte 2019 den Klimanotstand ausgerufen. Die Stadt will spätestens 2035 weitgehend klimaneutral werden.

Zweite Gasanbindung früher "unabdingbar"

Noch im November schien der Bau einer zweiten Erdgasleitung von der Ostschweiz nach Konstanz aus Sicht der Stadtwerke als "unabdingbar" und favorisierte Lösung zu gelten. In einem externen Gutachten wurde diese Option als "technisch besonders verlässlich" bezeichnet. Gegen den Bau einer neuen Gasleitung hatten sich insbesondere die Klimaschutzbewegung Fridays for Future und das Bündnis "Konstanz Klimapositiv 2030" ausgesprochen.

Hintergrund der Debatte war die durch ein Gutachten bestätigte Einschätzung, wonach die Versorgungssicherheit mit Gas im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Konstanz derzeit über eine längere Kälteperiode nicht gewährleistet sei. Aktuell erhält der Kommunalversorger sein Gas vom baden-württembergischen Ferngasleitungsbetreiber Terranets BW.

Alternative Lösungen

Inzwischen hätten die Stadtwerke alternative Lösungen gefunden, um den Bau einer neuen Gasleitung zu vermeiden, heißt es nun. Nach der weiteren Prüfung des Netzentwicklungsplans Gas und nach einer neuen Prognose seitens des Unternehmens könne Terranets BW bis 2025 nun mehr Leistung bereitstellen als bislang angenommen, führt das Kommunalunternehmen aus.

Die dann noch bestehende Versorgungslücke würde im Ernstfall durch weitere Maßnahmen überbrückt. Durch weitere Verhandlungen hätten die Stadtwerke zudem erreicht, mit geeigneten Kunden abschaltbare Verträge abzuschließen. Heißt: Im Bedarfsfall könnten Großkunden vom Netz genommen werden und eigenständig auf bestehende, alternative Energiequellen umstellen.

Gasabsatz dürfte zurückgehen

Die Stadtwerke verweisen ferner auf die veränderte politische Situation. Kunden könnten nun dank finanzieller Anreize der Bundesregierung schneller als zunächst angenommen einen Wechsel der bislang fossilen Heizungsanlagen hin zu alternativen und erneuerbaren Energien umsetzen.

"Wir sehen gerade, dass Erdgas auch als Brücke in eine künftig weitgehend emissionsneutrale Energieversorgung massiv in Frage steht", wird Reuter zitiert. "Das spricht ebenfalls gegen eine zweite Erdgasanbindung, denn es ist zu erwarten, dass der Gasabsatz zurückgeht." (aba)

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