Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Auslastung der europäischen LNG-Terminals ist bisher in 2024 gegenüber dem Vorjahr gesunken. So liegt die Kapazitätsnutzung des belgischen LNG-Terminals Zeebrugge im laufenden Jahr bei bisher nur 41 Prozent, 2023 war das Terminal zu 66 Prozent ausgelastet.

Auslastung Rotterdam, Zeebrugge rückläufig

Das Rotterdam Gate Terminal in den Niederlanden ist bisher in 2024 zu 80 Prozent ausgelastet, im vergangenen Jahr lag die Auslastung bei knapp 90 Prozent. In Europas größtem LNG-Importterminal Barcelona ist die Auslastung von 20 Prozent in 2023 auf 11 Prozent bisher in 2024 gesunken.

Der Rückgang ist kein Argument für zu groß dimensionierte LNG-Importkapazitäten Europas, da das Vorhandensein von Überkapazitäten für den europäischen Gasmarkt notwendig und unerlässlich ist, um die Flexibilität im Falle von Angebotsausfällen beziehungsweise Nachfragespitzen vorhalten zu können. Im Zweifelsfall sind Überkapazitäten auch billiger als die Folgen einer möglichen Preisspirale, wie wir sie in der Energiekrise erlebt haben.

Ausbau der LNG-Importkapazitäten

Die Send-Out-Kapazität am Zeebrugge LNG-Terminal wurde 2024 gegenüber 2023 um 130 GWh proTag, also rund 23 Prozent erhöht. Die niedrigere Ausnutzung der großen Terminals in Belgien und den Niederlanden sowie in Großbritannien und Frankreich sind aber auch die Folge des Ausbaus der Importkapazitäten in den umliegenden europäischen Ländern.

Dementsprechend zeigen sich Steigerungen der Ausnutzung der LNG-Terminals zum Beispiel in Deutschland und Italien. Dazu kamen in diesem Jahr mit dem Mukran-LNG-Terminal in Deutschland, dem Hamina-LNG-Terminal in Finnland und dem Alexandroupolis-LNG-Terminal in Griechenland neue LNG-Importterminals.

TTF-Preisbindung begünstigt Spotlieferungen

Weiterhin auf dem europäischen Markt ist der LNG-Import auf Basis von Spotlieferungen, Importe auf Basis von Langfristverträgen machen weiter nur einen kleineren Anteil aus und verzeichnen auch bisher in 2024 ein geringeres Wachstum als der Spothandel.

Im globalen Handel werden LNG-Langfristverträge meist mit Preisbindung an Rohöl oder den US-amerikanischen Henry Hub indexiert. Die europäischen Einkäufer benötigen jedoch wegen des Weiterverkaufs innerhalb Europas meist eine Bindung an den niederländischen TTF, was den Verhandlungsspielraum mit den LNG-Produzenten bisher einschränkt.

Volle Gasspeicher, weniger Importe

Die rückläufige Auslastung der LNG-Terminals ist auch eine Folge der vollen Gasspeicher, welche den letzten Winter mit einem Füllstand von rund 60 Prozent verlassen hatten und zuletzt einen Füllstand von 83 Prozent (944 TWh Arbeitsgas) erreichten.

Im Juli 2023 waren die Gasspeicher auch zu 83 Prozent gefüllt, 941 TWh waren eingespeichert. Um dies zu erreichen, musste bis dahin rund 43 TWh Erdgas mehr eingespeichert werden, als im laufenden Sommer 2024.

Durch die Mindernachfrage in Europa gelangte in den letzten Wochen mehr LNG nach Asien und Südamerika. Die Spanne zwischen dem asiatischen JKM und dem europäischen TTF stieg zuletzt auf rund 2,5 USD pro MMBtu (million British thermal units), gegenüber 0,6 USD pro MMBtu zu Beginn des Jahres 2024.

Globales LNG-Angebot niedriger als erwartet

Die vollen Gasspeicher sorgten auch für eine Ausweitung des Summer-Winter-Spreads am Terminmarkt. Im März notierte Winter-24 mit rund 33 Euro pro MWh und einem Aufschlag von rund vier Euro pro MWh gegenüber dem Prompt. Zwischenzeitlich verteuerte sich Winter-24 auf rund 38 Euro pro MWh, ein Aufschlag gegenüber dem Prompt von rund 6 Euro pro MWh.

Die gut gefüllten Gasspeicher bringen natürlich ein wenig Erleichterung für den europäischen Gasmarkt, doch bleibt die fundamentale Situation weiterhin angespannt. Das globale LNG-Angebot war 2024 bisher niedriger als erwartet und die asiatische Nachfrage, insbesondere in China und Indien, zeigte sich in den letzten Monaten sehr stark. Die geopolitischen Konflikte, insbesondere die Anschläge auf den LNG-Frachtrouten sorgen für Verzögerungen und Unsicherheit.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: US-Freeport-LNG und Marktlage stützen Gaspreise

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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