Von Ariane Mohl
Die Deutsche Regas hat den Charter-Vertrag über die "Energos Power" mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gekündigt. Bei dem Schiff handelt es sich um eine der zwei "Floating Storage and Regasification Units" (FSRUs), die bisher im Energie-Terminal "Deutsche Ostsee" in Mukran eingesetzt sind.
Ingo Wagner, geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Regas begründet das Aus in einer Pressemitteilung mit der "ruinösen Preispolitik" der Deutschen Energy Terminal (DET) seit Dezember 2024. Diese sei "einer von mehreren Gründen für die Kündigung des Subchartervertrags". Die Deutsche Regas bedauere, zu diesem Schritt gezwungen zu sein, so Wagner weiter.
Schwere Vorwürfe gegen den Wettbewerber
Die Vorwürfe gegen die DET wiegen schwer: Seit Dezember 2024 vermarkte die DET ihre Kapazitäten für die regulierten LNG-Terminals systematisch und signifikant unterhalb der ihr von der Bundesnetzagentur genehmigten und kostendeckenden Entgelte, sagt Wagner, und weiter: "Dadurch kam und kommt es zu einer erheblichen Marktverzerrung in Deutschland."
Wie die Deutsche Regas betont, stehe man in einem engen Austausch mit der Bundesregierung. Die Versorgungssicherheit sei nicht in Gefahr. In einem solchen Fall könne aus Sicht des Unternehmens "zu jedem Zeitpunkt eine sofortige Lösung gefunden werden", sagt Ingo Wagner.
Eine Sprecherin des BMWK erläuterte auf ZfK-Nachfrage, dass die Deutsche Regas die "Energos Power" 2023 vom Bund angemietet habe. Die Mietdauer betrage 10 Jahre. Man befinde sich aktuell mit der Regas im Austausch über die gegenwärtige Situation der "Energos Power". Zu weiteren Details könne man sich aktuell nicht äußern. Der Bund werde aber die notwendigen Schritte unternehmen, um seine Interessen zu wahren, so die Sprecherin.
Vermarktungskonzept erfolgreich genehmigt
Das BMWK äußert sich in seiner Antwort auch zu den Beihilfen, die die DET für ihre Tätigkeit erhält. Diese seien von der Europäischen Kommission am 20. Dezember 2024 genehmigt worden. Teil der Genehmigung sei auch das Vermarktungskonzept der DET gewesen.
Der Deutschen Regas sei bereits bei Anmietung der "Energos Power" bekannt gewesen, dass die DET die Terminals des Bundes in der Nordsee zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit betreiben würde. "Die letzte Vermarktungsrunde der DET im Januar 2025 hat zudem gezeigt: Nach einer schwierigen Phase 2024 konnte die DET sämtliche Kapazitäten für 2025 erfolgreich zu im europäischen Vergleich marktüblichen Preisen vermarkten. Von einem ruinösen Wettbewerb, wie von der Deutschen Regas behauptet, kann daher keine Rede sein", betont die Sprecherin.
DET als Staatsunternehmen
Die von der Deutschen Regas attackierte DET ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Bundes. Sie wird vom Bund finanziert, ihre Einnahmen fließen nach Abzug der Betriebskosten in den Bundeshaushalt zurück. Zuständig für die DET ist das BMWK.
Gegründet wurde die DET unter dem Druck des Ausfalls der Gaslieferungen aus Russland im Jahr 2022. Das Unternehmen hat Mitte Januar 2023 seinen kommerziellen Betrieb mit dem Terminal Wilhelmshaven 1 aufgenommen. Die DET ist für die Bewirtschaftung der Terminals, aber auch die Vermarktung der Kapazitäten zuständig.
Um die LNG-Terminals hat es in der Vergangenheit immer wieder hitzige Debatten gegeben. Auf der einen Seite lobt etwa die Gasbranche das für deutsche Verhältnisse unübliche hohe Tempo, mit dem die Terminals genehmigt und errichtet wurden. Auf der anderen Seite gab und gibt es Zweifel angesichts der geschaffenen Kapazitäten. Kritik kommt nicht nur von Umweltverbänden, die vor einer Fortsetzung althergebrachter Geschäftsmodelle basierend auf fossilen Energieträgern warnen.
Zu viele Kapazitäten geschaffen?
Vor zwei Monaten sprach sich auch Niedersachsens Energieminister Christian Meyer gegen den Bau zusätzlicher Kapazitäten für den Import von Flüssigerdgas aus. "Ich sage, jetzt reicht es auch. Ich glaube, dass die LNG-Kapazitäten ausreichen. Wir sehen das auch an der aktuellen Marktlage", so der Grünen-Politiker. Im Wissen um Sicherheitsgefahren wie mögliche Anschläge habe man vorsorglich etwas höhere LNG-Kapazitäten gebaut als man eigentlich brauche, sagte Meyer.
Zum Terminal "Deutsche Ostsee" in Mukran gehört neben der "Energos Power" auch das Regasifizierungsschiff "Neptune". Gemeinsam liegt die jährliche Regasifizierungskapazität bei bis zu 13,5 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Bis zu 15 Prozent des gesamtdeutschen Erdgasbedarfs können so gedeckt werden. Durch seine Anbindung an das EUGAL/OPAL- und NEL-Gasfernleitungsnetz hat das Energie-Terminal "Deutsche Ostsee" nach Angaben der Deutschen Regas die größte freie Durchleitungskapazität aller deutscher LNG-Terminals. Für die Versorgung Ostdeutschlands, der Industriestandorte im Südwesten Deutschlands und der osteuropäischen Nachbarstaaten ist das Terminal von zentraler Bedeutung.



