Ab sofort informiert das Beratungshaus Enerchase die ZfK-Leser in einem wöchentlichen Bericht über das Geschehen auf dem CO2-Markt.
Von Tobias Waniek, Enerchase
Nach einem schwachen Wochenstart stabilisierten sich die Emissionszertifikate (EUAs) am vergangenen Donnerstag und legten um 2,4 Prozent auf 73,02 Euro je CO2-Tonne (Euro/t CO2) zu. Die Gewinne wurden jedoch am Freitag wieder egalisiert, sodass sich der Kontrakt CO2 Dez-25-Future an der ICE Endex mit einem Wochenverlust von 3,5 Prozent bei 71,15 Euro/t CO2 in das Wochenende verabschiedete.
Der Kontrakt CO2-Dezember-Future markierte ein Tageshoch von 72,87 Euro/t CO2, fiel jedoch im Handelsverlauf bis auf 71,28 Euro/t CO2 zurück. Mit einem Schlusskurs von 71,6 Euro/t CO2 ergab sich lediglich ein leichtes Plus. Am Dienstag rutschten die CO2-Preise dann deutlich ab.

CoT-Report: Immer noch ausreichend Angebot vorhanden
Der EUA Dezember-Future verlor am Dienstag 4,3 Prozent und fiel auf 68,5 Euro/t CO2. Am Mittwoch meldeten sich die CO2-Bullen kurzzeitig nach dem Preisrutsch zurück, und das Emissionsrecht erreichte im Tageshoch 69,55 Euro/t CO2. Aus dem Handel ging es dann bei 68,29 Euro/t CO2. Auch am Donnerstag kam es zu einem kurzzeitigen Anstieg des Kaufinteresses, die CO2-Bären konnten das Momentum jedoch behaupten. Nach einem bisherigen Tageshoch bei 69,12 Euro/t CO2 notierten die EUAs gegen 13 Uhr bei 67,43 Euro/t CO2. Das entspricht einem Minus von 1,3 Prozent.
Die Positionierung der Investmentfonds dürfte aktuell einer der stärksten Markttreiber sein. Die Preise sind in den letzten Wochen seit der E-World massiv gefallen und erreichen die Tiefs von Mitte Dezember vergangenen Jahres. Mit dem Preiseinbruch haben sich auch die Long-Positionen der Spekulanten merklich reduziert. Allerdings kann festgestellt werden, dass diese immer noch hoch genug sind, um weiteren Verkaufsdruck ausüben zu können.
Im EU-ETS hat sich die absolute Long-Position der Spekulanten an der ICE Endex um 6,5 Millionen Tonnen von 93,5 Millionen Tonnen (Ende vergangener Woche) auf 87 Millionen Tonnen (Ende aktueller Handelswoche) abgebaut. Die Netto-Position beträgt aktuell 42,3 Millionen Tonnen long, nach zuvor 50,3 Millionen Tonnen, was einer Reduktion um acht Millionen Tonnen entspricht.
Auch an diesen Zahlen kann abgelesen werden, dass immer noch ein ausreichendes Angebot an Long-Positionen existiert, die auf den Markt kommen könnten, um weiteren Verkaufsdruck auszuüben. Der politische Gegenwind am CO2-Markt nimmt zudem zu.
Klimaschutz wird nach hinten priorisiert
Vonseiten der EU-Kommission wird der Fokus stärker auf die Wirtschaft und die Verteidigung gelenkt und der Klimaschutz wird hintenangestellt. Dies ist ein Umfeld im EUA-Markt, das für Investoren zunehmend Unsicherheit bietet. So wirft die seitens der EU geplante Erleichterung für Autohersteller bei der Einhaltung der Klimaziele 2025–2027 ihre Schatten auf den Emissionsrechtehandel voraus.
Das für Investoren zwingend erforderliche Vertrauen in den CO2-Markt, das nur durch eine starke, unmissverständliche politische Kommunikation geschaffen werden kann, scheint mehr und mehr zu schwinden. Inzwischen fiel der EUA Dezember-25-Future auch unter die wichtige psychologische Marke von 70 Euro/t CO2 zurück.
Diese Marke könnte als kritisch betrachtet werden, da seit dem Anstieg über die 70-Euro-Marke – mit Blick auf die Positionierung der Investmentfonds im CoT-Report – der Aufbau der Netto-Long-Positionen Ende November letzten Jahres vollzogen wurde. Anders ausgedrückt: Als die EUAs über 70 Euro/t CO2 Ende November angestiegen waren, wechselte die Positionierung der Investmentfonds von netto-short auf netto-long. Daher dürften die Spekulanten mittlerweile größtenteils mit ihren Positionen aus dem Geld sein und die Stop-Loss-Aktivitäten nehmen derzeit zu.
Die Experten des Beratungshauses Enerchase analysieren wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel für das ZfK-Morning Briefing



