Westenergie-Vorstandsvorsitzende Katherina Reiche (Mitte) sowie Vertreter der Wirtschaft und Politik wie CDU-Politiker Friedrich Merz (Mitte-rechts) gaben den gemeinsamen Startschuss.

Westenergie-Vorstandsvorsitzende Katherina Reiche (Mitte) sowie Vertreter der Wirtschaft und Politik wie CDU-Politiker Friedrich Merz (Mitte-rechts) gaben den gemeinsamen Startschuss.

Bild: © Westenergie AG

In der nordrhein-westfälischen Stadt Arnsberg entsteht ein Energiesystem der Zukunft: die Klimaschutz-Modellregion Sauerland. Diese zielt darauf ab, Arnsberg über den Einsatz moderner Wasserstoff-Technologie klimaneutral zu gestalten. Das Projekt wurde am Dienstag in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Im Fokus steht dabei eine elf Kilometer lange Erdgasleitung, die auf den Betrieb von Wasserstoff umgestellt und damit auch als Energiespeicher dienen wird. In den kommenden Jahren steigen dann Industrie, mittelständische Unternehmen sowie der Mobilitätsbereich in die Nutzung von Wasserstoff mit ein.

Sämtliche Elemente der Wasserstoff-Technologie eingebunden

Das Konzept beinhaltet sämtliche Elemente der Wasserstoff-Technologien, die kombiniert mit bereits vorhandenen Erdgasleitungen direkt einsetzbar sind. Dazu gehören: die örtliche Verteilnetzinfrastruktur, Energiespeicher, Wasserstofferzeugung, Wasserstoff-Mobilität, Prozessgase für die ansässige Industrie, Wärme für Privatkunden sowie die Anbindung an eine größere Wasserstoff-Fernleitung, die in das benachbarte Ruhrgebiet führt.

Die Umsetzung verteilt sich über mehrere Stufen. Zunächst plant Westnetz, Verteilnetzbetreiber der Westenergie, die elf Kilometer lange Gas-Hochdruckleitung zwischen Arnsberg und Eisborn auf den Betrieb von Wasserstoff umzustellen. Die Leitung verfügt über ein Speichervermögen von rund 150 Megawattstunden und ist Teil eines überregionalen Transportnetzes. Das Speichervolumen ist ausreichend, um beispielsweise 1000 moderne Einfamilienhäuser an einem kalten Wintertag mit nachhaltiger Energie zu versorgen. "Hier in Arnsberg sind die Bedingungen für eine Modellregion optimal, weil wir eine geeignete Erdgasleitung betreiben, die zur Hauptschlagader des Projektes wird“, sagte Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende von Westenergie, auf der Konferenz.

Pyrolyse-Anlage zur Wasserstoffproduktion

Weniger als einen Kilometer vom östlichen Ende der Leitung entfernt befindet sich die 110- Kilovolt-Umspannanlage "Niedereimer". Innerhalb des Projekts soll hier eine Pyrolyse-Anlage zur Wasserstoffproduktion entstehen. Der Wasserstoff gelangt von dort in die Speicherleitung und kann bedarfsgerecht an verschiedene Anwender verteilt werden. Die Anlage nutzt grünes Methan, aber auch Schmutzwasser und methanhaltige Abfallprodukte um Wasserstoff zu erzeugen. Der Wasserstoff wird als "türkis" deklariert, weil daneben noch Kohlenstoffe entstehen.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung unterzeichneten die Mitglieder des Projektbeirats eine Kooperationsvereinbarung. Gemeinsam werden sich die Partner um Fördergelder für die verschiedenen, technologisch innovativen Projektabschnitte der Klimaschutz-Modellregion Sauerland bewerben. Der Start des Projekts ist für Mitte 2022 geplant. (gun)

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