Das Logo der swb an der Theodor-Heuss-Allee in Bremen.

Das Logo der swb an der Theodor-Heuss-Allee in Bremen.

Bild: © swb

Von Hans-Peter Hoeren

Der Stahlhersteller Arcelor Mittal wird seine Stahlwerke vorerst nicht auf grünen Wasserstoff umstellen, betroffen hiervon sind vor allem die Standorte in Bremen und Eisenhüttenstadt. Die Entscheidung ist ein massiver Rückschlag für die im Aufbau befindliche Wasserstoffindustrie in Deutschland.

Laut "Handelsblatt" verzichtet der Stahlkonzern auf Fördermittel von Bund und Ländern in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro. Begründet wird der Schritt vor allem mit Unsicherheiten über die rechtzeitige Verfügbarkeit des Wasserstoffs zu akzeptablen Preisen und den hohen Strompreisen in Deutschland.

Elektrolyseur soll gebaut werden

Das hat auch Folgen für den kommunalen Versorger SWB in Bremen, die SWB-Mutter EWE hat deshalb ein 50-Millionen-Euro schweres Dekarbonsierungsprojekt für die Industrie in Bremen gestoppt. "Die Entscheidung von Arcelor Mittal gegen die Transformation des Stahlstandortes Bremen ist ein Weckruf in Richtung der Politik, sie hat aber keine Auswirkungen auf den strategischen Wärmenetzausbau der SWB", erklärte ein SWB-Sprecher auf ZfK-Anfrage.

Ein weiteres, bereits im Bau befindliches, Elektrolyse-Projekt mit dem Namen "Hybit" am SWB-Kraftwerksstandort Bremen-Mittelsbüren soll wie geplant fertiggestellt werden und Arcelor Mittal bei der Dekarbonisierung der Stahlproduktion unterstützen. Die Elektrolyseanlage wird eine Leistung von zehn Megawatt haben.

EWE-Chef fordert verlässliche Rahmenbedingungen

"Hybit" ist ein Gemeinschaftsprojekt von SWB, EWE und Arcelor Mittal Bremen. Der dort erzeugte Wasserstoff soll zukünftig flexibel in bereits vorhandene Prozesse des Stahlkonzerns integriert und über Trailer an Dritte geliefert werden. Die Errichtung der 10-MW-Elektrolyseanlage sollte den Grundstein für die grüne Stahlproduktion im deutschen Nordwesten legen und die Einsparung von großen Mengen an Kohlendioxid, die bei der Stahlproduktion entstehen, ermöglichen.

Nach dem vorläufigen Aus für die geplante 50-MW-Anlage in Bremen prüft EWE nun alternative Optionen und Finanzierungsmodelle. Die geplante Anlage war ursprünglich darauf ausgelegt, unter anderem eine klimaneutrale Stahlproduktion in Bremen zu unterstützen. Grüner Wasserstoff bleibe dennoch unverzichtbar für die Dekarbonisierung der Industrie und eine zukunftssichere Energieversorgung, heißt es dennoch bei EWE in Oldenburg.

EWE-Vorstandschef Stefan Dohler forderte verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Wasserstoffwirtschaft. "Die Transformation der Industrie gelingt nur, wenn Wasserstoff nicht nur politisch gewollt, sondern auch wirtschaftlich machbar ist", sagte der Energiemanager. "Deutschland und Europa müssen liefern: bei Strompreisen, bei Förderung, bei Infrastruktur. Nur dann entsteht das Vertrauen, das es für Milliardeninvestitionen braucht." (mit Material der dpa)

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