Der neue Nationale Wasserstoffrat steht. Den Vorsitz übernimmt Stefan Dohler – ein Energiemanager, der für einen ambitionierten Wasserstoffhochlauf steht. Sein Unternehmen EWE schloss im Juni mit dem Stahlhersteller Salzgitter AG den bislang größten Wasserstoffliefervertrag für grünen Stahl ab.
Außerdem baut der mehrheitlich kommunale Energiekonzern im niedersächsischen Emden einen 320-Megawatt-Elektrolyseur und rüstet den Gasspeicher Huntorf auf die Speicherung von Wasserstoff um. Dohler ist auch Präsident des Energieverbands BDEW, der den Wasserstoffhochlauf in Deutschland und Europa ausdrücklich stärken will.
"Als CEO der EWE erlebe ich täglich, welche Chancen Wasserstoff für eine sichere, wettbewerbsfähige und klimaneutrale Energieversorgung bietet", teilte Dohler auf Linkedin mit. "Aber auch, wo wir beim Hochlauf noch schneller und entschlossener werden müssen."
Neuausrichtung des Wasserstoffrats
Der Nationale Wasserstoffrat berät die Bundesregierung bei der Fortentwicklung der Nationalen Wasserstoffstrategie. Er wurde im Juni 2020 gegründet. Den Vorsitz übernahm die damalige Westenergie-Chefin Katherina Reiche. Als die CDU-Politikerin Bundeswirtschaftsministerin wurde, leitete Öko-Institut-Experte Felix Matthes kommissarisch das Gremium.
Im Juni beschloss das Bundeskabinett eine Neuausrichtung des Wasserstoffrats. Die bisherigen Mitgliedschaften enden zum 30. Juni 2026; die neue Satzung ist seit 1. Juli in Kraft. Nach Darstellung des Wirtschaftsministeriums standen im Gremium bislang vor allem technische und regulatorische Grundlagen im Mittelpunkt. Nun soll sich der Rat mit einem stärker marktorientierten Ansatz beschäftigen.
Im April dieses Jahres wurden auf der Seite des Nationalen Wasserstoffrats 22 Mitglieder gelistet. Jetzt sind es 17.
Zehn neue Mitglieder
Aus dem alten Gremium sind sieben Mitglieder verblieben. Namentlich sind dies Matthes, Tilman Altenburg (IDOS), Andreas Gorbach (Daimler Truck), Karsten Lemmer (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), Karsten Pinkwart (Hochschule Karlsruhe), Nicole Schödel (Linde) und Kirsten Westphal (BDEW). Matthes ist nun stellvertretender Vorsitzender.
Zehn Mitglieder sind neu im Gremium. Darunter befinden sich Thomas Hüwener, Chef des Fernleitungsnetzbetreibers OGE, Werner Ponikwar vom Anlagenbauer Thyssenkrupp Nucera und Julia Metz von der Denkfabrik Agora Industrie.
Nicht mehr dabei sind dagegen beispielsweise Gunda Röstel von der Stadtentwässerung Dresden, Ex-Uniper-Chef Andreas Schierenbeck und Ex-Enercity-Chefin Susanna Zapreva, die jetzt für den österreichischen Verbund arbeitet. Auch Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Grimm von der Technischen Universität Nürnberg ist nicht mehr im Nationalen Wasserstoffrat vertreten.
Wasserstoffhochlauf doch nicht so schnell
Unter Wirtschaftsministerin Reiche hat ein zügiger Wasserstoffhochlauf an Priorität verloren. In ihrem Zehn-Punkte-Plan von September 2025 sprach sich Reiche dafür aus, überkomplexe Vorgaben abzubauen und durch pragmatische Kriterien zu ersetzen.
Die Hochlaufphase werde im ersten Schritt auf Märkte konzentriert, in denen schon jetzt Zahlungsbereitschaft für Wasserstoff vorhanden sei, etwa in Raffinerien, stand im Plan. "Die Umsetzung des Wasserstoff-Kernnetzes sowie die Erschließung ausländischer Wasserstoffpotenziale und die Entwicklung von Importkorridoren erfolgen stufenweise und in enger Abstimmung mit Maßnahmen und Entwicklungen auf der Nachfrageseite."
Vom Ziel, bis 2030 insgesamt zehn Gigawatt Elektrolyseleistung in Deutschland zu installieren, verabschiedete sich das Wirtschaftsministerium. Auch Pläne aus der Ampel-Zeit, einen Teil neuer Gaskraftwerke schon in den 2030er-Jahren zur Wasserstoffumstellung zu verpflichten, wurden eingestampft.
Im Rahmen des vom Bundestag beschlossenen Kraftwerksgesetzes müssen Gaskraftwerke grundsätzlich erst 2045 klimaneutral betrieben werden. Für frühere Wasserstoffumstellungen sind Ausschreibungen geplant.