Eine Baumaschine verlegt Rohre für die LNG-Anbindung.

Eine Baumaschine verlegt Rohre für die LNG-Anbindung.

Bild: © Lars Klemmer/dpa

Der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe treibt mit Hochdruck den Bau einer neuen Pipeline namens WAL (Wilhelmshavener Anbindungsleitung) voran. Diese soll das erste schwimmende Importterminal für Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven an das Gas-Fernleitungsnetz anbinden. Bereits Ende des Jahres soll das angelieferte LNG über die neue rund 26 Kilometer lange Pipeline in das Gasnetz eingespeist werden, wie Jörg Bergmann, Sprecher der OGE-Geschäftsführung, bei einer digitalen Pressekonferenz erläuterte.

Mit den Bauarbeiten wurde knapp vier Wochen früher als geplant begonnen. Der Planfeststellungsbeschluss für die Pipeline soll laut Bergmann in der nächsten Woche kommen. Aufgrund des LNG-Beschleunigungsgesetzes konnten die vorbereitenden Arbeiten bereits gestartet werden. Auf der Baustelle seien aber auch viel mehr Mitarbeiter als sonst üblich im Einsatz, ergänzte der OGE-Chef. Dafür zahle man den Preis, dass andere Projekte verzögert würden. „Normalerweise benötigt man für ein solches Pipeline-Projekt acht Jahre“, erklärte Bergmann.  

Naturschützer auf den Barrikaden

Angst vor Klagen hat er nicht. Diese könne man zwar nicht ausschließen, er rechne aber nicht damit, dass es dadurch zu Verzögerungen komme. Anfang August war bekannt geworden, dass es in dem Planfeststellungsverfahren laut dem Landesbergbauamt in Hannover LBEG 14 Einwendungen und eine Gesamtstellungnahme seitens des Landesbundes Naturschutz gibt, in dem die anerkannten Naturschutzorganisationen des Landes versammelt sind. Unter anderem die von Bergmann gelobten beschleunigten Verfahren bringen die Naturschützer auf die Palme. Nach Überzeugung des OGE-Chefs sollten sich die Kläger die Frage stellen, ob sie mit ihrem Vorgehen das Interesse der gesamten Gesellschaft im Blick haben oder nicht doch nur Partikularinteressen.

Rund 150 Millionen Euro investiert OGE in die Pipeline, die auch für den Transport von Wasserstoff geeignet sein soll.

Weiterer Ausbau möglich

Die neue unterirdische Leitung verbindet das LNG-Terminal mit dem nächsten Anschluss an das Gas-Fernleitungsnetz im ostfriesischen Etzel. Anfangs soll die Leitung eine jährliche Kapazität von bis zu 10 Milliarden Kubikmetern haben. Bis zu 28 Milliarden Kubikmeter seien bei einem weiteren Ausbau perspektivisch möglich.

Auf den von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) ins Gespräch gebrachten möglichen Bau weiterer LNG-Terminals in Wilhelmshaven angesprochen, sagte Bergmann, dass man darauf vorbereitet sei. Sollte noch die von Lies noch für diesen Monat angekündigte Entscheidung fallen, müsste die Pipeline verlängert werden. Diese könnte frühestens im Herbst 2023 in Betrieb gehen. Es brauche noch ein Raumordnungsverfahren, so Bergmann weiter. Herausfordernd sei der Abtransport des Flüssiggases. Bergmann brachte hier unter anderem die Gasleitung Wilhelmshaven-Leer ins Gespräch, an der EWE arbeitet.

Zu langsam beim Wasserstoff?

Während das Pipeline-Projekt im Norden Deutschlands gut vorankommt, sieht Bergmann beim Thema Wasserstoff noch viel Luft nach oben. OGE engagiert sich unter anderem in dem Projekt H2ercules. Gemeinsam mit RWE will das Unternehmen bis 2030 einen grünen Wasserstoff-Versorgungsbogen von der Nordsee zu Verbrauchern im Süden spannen.

Der Zeitdruck sei enorm. „Wir müssen ja nicht nur die Klimaziele erfüllen, sondern müssen auch das Russen-Gas ersetzen“, gab Bergmann zu bedenken. Von der Politik wünscht er sich schnellere Entscheidungen. Das Problem sitze vor allem in Brüssel, wo Bergmann – Stichwort Unbundling - gar den einen oder anderen „Wasserstoff-Verhinderer“ vermutet. Wenn dort der regulatorische Rahmen verrutsche, könne die Bundesregierung nicht mehr viel richten. Wenig zielführend findet Bergmann die „Grünstromdebatte“ im Zusammenhang mit der Herstellung von Wasserstoff. Die anstehenden Herausforderungen seien so groß, dass man alle Wege zur Klimaneutralität in den Blick nehmen sollte.

Bergmann: Mehrwertsteuer senken

Bergmann äußerte sich auch zur neuen Gasumlage. Die aktuelle Mehrwertsteuerdebatte kann er nicht nachvollziehen. Sinnvoller sei eine zeitlich befristete Absenkung der Mehrwertsteuer auf alle Energiepreise. Statt langwierige Debatten über die Bedürftigkeit einzelner Bürger zu führen, sollte die Politik schnell umsetzbare Lösungen umsetzen. Die Entlastungen müssten noch in diesem Jahr bei den Menschen ankommen, so der OGE-Chef. (amo)

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