Der Gasnetzbetreiber OGE, der TÜV Süd und die Unternehmensberatung Horváth und Partners wollen den Weg in eine Wasserstoffwirtschaft ebnen. Sie haben dazu ein neues Unternehmen gegründet, das die Kompetenzen der drei Partner bündeln soll. Evety, so der Name der Gemeinschaftsfirma, soll Lösungen für die Anwendung von Wasserstoffentwicklungen anbieten. Ziel sei es, Wasserstoff für die Wirtschaft zu erschließen, grüne Energie voranzubringen und sektorenübergreifend die Dekarbonisierung zu fördern, betonte OGE-Chef Jörg Bergmann bei einer digitalen Pressekonferenz.
Mit der Neugründung verfolgen die Partner ein ehrgeiziges Ziel: Evety soll zum führenden Beratungsunternehmen für Projekte rund um das Thema Wasserstoff werden. Firmensitz ist Essen, ein weiterer Standort wird bis Ende des Jahres in München eröffnet.
Rundumpaket von der Strategie bis zur Umsetzung
Geleitet wird die Firma von Klaus Altfeld. Der 42-Jährige ist Wirtschaftsinformatiker. Vor seiner jetzigen Tätigkeit als Geschäftsführer war er Leiter IT Strategie und Governance sowie Infrastruktur bei OGE. Seinen Kunden will er ein Rundumpaket anbieten – von der Erarbeitung von individuell zugeschnittenen Wasserstoffstrategien über die Entwicklung von Geschäftsmodellen und die Konzeptionierung bis hin zur praktischen Umsetzung.
Potenzial sieht Altfeld vor allem bei Unternehmen der Industrie, Logistik, Mobilität und Energieversorgung. Auf Kunden aus diesen Bereichen will er gemeinsam mit seinem Team gezielt zugehen, kündigte der Geschäftsführer an. Der Handlungsdruck und damit auch das Interesse an Wasserstoff sei groß, ist sich Altfeld sicher. Zum einen gebe es einen klar erkennbaren gesellschaftlichen Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit auch beim Thema Energie. Zum anderen müssten die Unternehmen aber auch auf steigende CO2-Abgaben reagieren. "Da werden erhebliche Investments nötig."
Kommunen als potentielle Kunden
TÜV-Süd-Manager Reiner Block hob die Rolle der Kommunen hervor. Einzelne Landkreise in der Region München hätten Fördergelder für Wasserstoff-Projekte erhalten, bräuchten aber bei diesem noch neuen Thema Unterstützung und Beratung. Dabei werde es auch stark darum gehen, Netzwerke zu organisieren.
Um nun schnell durchstarten zu können, brauche es aber die richtigen Rahmenbedingungen, führte Altfeld weiter aus. "Ich hoffe, dass die Bundesregierung ihre lang angekündigte Nationale Wasserstoffstrategie zeitnah verabschiedet", sagte er auf ZfK-Nachfrage. Die Unternehmen bräuchten Sicherheit, da viel Geld in die Hand genommen werden müsse, um eine zukunftsfähige Wasserstoff-Infrastruktur zu schaffen.
Bergmann: Politik muss jetzt entscheiden
Auch Jörg Bergmann machte Druck auf die Politik. Die Bundesregierung müsse die entscheidenden Weichenstellungen unbedingt noch in dieser Legislaturperiode vornehmen, darunter Anpassungen des Rechtsrahmens. "Dinge, die jetzt entschieden werden müssen, müssen eben auch jetzt entschieden werden." Andernfalls drohe Deutschland bei diesem wichtigen Zukunftsthema abgehängt zu werden.
Nicht weniger wichtig sei das Engagement der EU, waren sich alle Beteiligten einig. Wasserstoff sei kein nationales Thema, infolgedessen brauche es einen europäischen Rahmen. (amo)



