Blick auf den Gasspeicher Etzel in Niedersachsen.

Blick auf den Gasspeicher Etzel in Niedersachsen.

Bild: © Uniper

Die Versorgungslage in Deutschland sei auch nach Kürzung der Gasliefermengen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 derzeit gewährleistet, meldete die Bundesnetzagentur am Donnerstagvormittag auf ihrer Website. "Die Gasversorgung [...] ist stabil." Doch wie sieht es mit der Vorsorge für den kommenden Winter aus?

Als wesentlicher Indikator dafür gilt der aggregierte Füllstand aller Gasspeicher in Deutschland, der täglich vom Branchendienst AGSI+ aktualisiert wird. Der Wert hier zuletzt: 56 Prozent.

"Einspeicherungen bisher überdurchschnittlich hoch"

Damit liegt die Bundesrepublik deutlich über dem Vorjahreswert. Damals waren die Speicher gerade einmal zu 36 Prozent gefüllt. 2020 dagegen waren die Speicher zum selben Zeitpunkt nach einem vergleichsweise milden Winter bereits zu 87 Prozent voll.

Doch wie hat sich der Abfall der Gastransporte über Nord Stream 1 auf die Füllstände ausgewirkt? Die Einspeicherungen seien seitdem um etwa die Hälfte zurückgegangen, schreibt Sebastian Bleschke, Geschäftsführer des Gasspeicherbetreiberverbands Ines, auf ZfK-Anfrage. "Da die Einspeicherungen bisher überdurchschnittlich hoch waren, werden aber weiterhin umfangreiche Gasmengen eingespeichert."

Einspeicherrate nicht ungewöhnlich niedrig

Auch das lässt sich auf der AGSI+-Website nachvollziehen. Wurden am Wochenende im Schnitt noch 1,6 GWh pro Tag brutto eingespeichert, sank die Menge am Wochenanfang auf durchschnittlich 0,9 GWh. Neuere Daten lagen zu Redaktionsschluss nicht vor.

Ungewöhnlich niedrig ist eine Einspeicherrate von 0,9 GWh pro Tag aber nicht. Auch im April und Mai gab es einzelne Tage, in denen weniger als 1 GWh täglich eingelagert wurde. "Das aktuelle Einspeicherverhalten liegt noch in der bisherigen Schwankungsbreite", bestätigt auch Ines-Chef Bleschke.

Auffülljagd in Rehden

Interessant ist der Blick auf einzelne Speicher. Da ist der größte Speicher auf deutschem Boden im niedersächsischen Rehden, der bekanntlich zum Gazprom-Imperium gehörte, ehe er Anfang April in die Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur gelangte. Rehden geriet bundesweit in die Schlagzeilen, weil der Speicher noch im Mai praktisch leer war.

Speicherbetreiber Astora veröffentlicht jeden Morgen tagesaktuelle Bewegungsdaten. Von Mittwoch- auf Donnerstagmorgen wurde dort nahezu die vollständige Einspeicherleistung genutzt. Zuletzt betrug der Füllstand 9,4 Prozent. Anfang des Monats hatte der Marktgebietsverantwortliche THE angekündigt, selbst mit Einspeicherungen zu beginnen.

Hälfte der Speicher zu mehr als 80 Prozent voll

Die Hälfte der auf der AGSI+-Plattform gelisteten Speicher haben mittlerweile einen Füllstand von mehr als 80 Prozent. Von dieser Marke noch deutlich entfernt sind neben Rehden die Speicher Nüttermoor H-3 (Niedersachsen, 22 Prozent), Jemgum (Niedersachsen, 37 Prozent) und Breitbrunn (Bayern, 40 Prozent).

Überhaupt nicht eingespeichert wird seit Wochen in die Speicher Katharina (Sachsen-Anhalt, 19 Prozent) und Wolfersberg (Bayern, 9 Prozent). Katharina wird von einem Gemeinschaftsunternehmen der VNG und von Gazprom Export betrieben. Wolfersberg gehört der Bayern UGS GmbH.

THE-Ausschreibungen fruchten

Um einen Füllstand von 80 Prozent in allen Speichern zu erreichen, hat der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) bereits zwei Einspeicherprogramme aufgelegt. Die zweite Ausschreibung ging vor Kurzem zu Ende. Laut THE konnte der deutschlandweit ausgeschriebene Bedarf in Höhe von 35,7 TWh vollständig kontrahiert werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 481 Mio. Euro. Damit gab THE insgesamt 852 Mio. Euro aus, um eine Einspeicherung auf marktwirtschaftlicher Basis sicherzustellen.

Und doch gilt: Kommt physisch nicht mehr genügend Gas in Deutschland an, dürften auch die Speicher immer schwieriger zu befüllen sein. Deshalb begrüßt Ines-Chef Bleschke den Aufruf von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Energie zu sparen. "Je weniger Gas wir verbrauchen, desto mehr können wir speichern und uns bestmöglich auf den kommenden Winter vorbereiten", schreibt der Verbandsvertreter. (aba)

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