Guntram Pehlke, Vorsitzender der VKU-Landesgruppe in Nordrhein-Westfalen

Guntram Pehlke, Vorsitzender der VKU-Landesgruppe in Nordrhein-Westfalen

Bild: © DSW21

Herr Pehlke, seit Jahresbeginn gibt es eine CO2-Bepreisung für Wärme und Verkehr. Da hatte man ja nochmal nachgeschärft. Ist das nun ausreichend? Kann die Kommunalwirtschaft mit diesem Gerüst, mit dem man jetzt loslegt, leben?

Pehlke: Es ist ein erster Schritt. Was insgesamt aber fehlt, ist ein verlässlicher Rahmen, der es ermöglicht, dass wir tatsächlich Energie auch ordentlich speichern und neue Gaskraftwerke einsetzen können. Das ist noch offen. Hier hätten wir uns noch bessere Wege erhofft, um auch den Fuel-Switch in vielen Bereichen hinzubekommen.

Können Sie das an einem konkreten Beispiel festmachen?

Nehmen Sie etwa die Steag. Das Unternehmen baut mit Siemens eine Gasturbine in Herne. Bisher wurde dort Kohle verstromt und diese als Wärmequelle fürs Fernwärmenetz genutzt. Das soll in Zukunft eine Gasturbine machen. Hier sind die Risiken und die Unsicherheiten groß, weil das Brennstoffemissionshandelsgesetz den Rahmen nicht so ausfüllt, wie wir uns das gewünscht hatten.

KWK zum Beispiel wurde verlängert und verbessert. Problematisch ist aber, dass wir noch nicht wissen, ob Brüssel das genehmigt.Was uns auch immer noch fehlt, ist eine flankierende Form für Erneuerbare. Die hat das KWK noch nicht erfasst. Hier besteht also auch erheblicher Nachbesserungsbedarf.

Ein großes Thema in der Politik ist ja die nationale Wasserstoffstrategie. Wasserstoff wird als Zukunftslösung quasi für alles gesehen. Wie schätzen Sie das ein und wie lange wird Gas als Energieträger noch eine Rolle spielen?

Wasserstoff ist sicherlich eine geeignete Technologie, um einige Themen der Zukunft zu lösen. Zum Beispiel die Frage des emissionsarmen öffentlichen Nahverkehrs, auch die Frage der Einspeisung in Wärmenetze. Deshalb engagieren wir uns mit dem VKU auch auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen stark in diesem Bereich und haben unsere Interessen sehr frühzeitig durch ein Positionspapier in die Diskussion eingebracht.

Nur ist Wasserstoff einerseits zurzeit noch extrem teuer und andererseits nicht ausreichend verfügbar. Wir haben noch lange nicht die erforderlichen Kapazitäten, um für all diese Bereiche ausreichend grünen Wasserstoff zur Verfügung stellen zu können. Dazu sind mehrere Dinge notwendig.

Welche sind das im Einzelnen?

Erstens brauchen wir Gas als Brückentechnologie. Es macht keinen Sinn, sich jetzt gegen Gas aufzustellen. Wir werden Gas noch viele Jahre brauchen, um die Wärme- und Energieversorgung in unserem Land sicherzustellen. Zweitens werden wir Gas brauchen, weil wir nicht genügend Kohlenwasserstoff produzieren können.

Das wiederum bedeutet, dass wir in den nächsten Jahren auch die anderen Formen des Wasserstoffs akzeptieren müssen, um im Verkehrsbereich und im Wärmebereich die Energiewende wirklich zu ermöglichen. Da nützt es auch nichts, bestimmte Dinge wie eine Monstranz vor sich herzutragen. Das Delta zwischen dem tatsächlichen Bedarf und dem vorhandenen Aufkommen wird dazu führen, dass wir weiter Gas nutzen müssen und dass wir auch die nächsten Jahre weiter Wasserstoff nutzen müssen, der nicht grün erzeugt wurde

Wie lange wird Gas noch benötigt, um die Versorgungssicherheit in Deutschland sicherzustellen? Nicht nur bei Wärme, auch bei Strom.

Die nächsten zehn Jahre werden wir ohne Gas ganz sicher nicht auskommen. Das ist für mich unvorstellbar, allein wenn man sich die Dauer der Genehmigungsverfahren in Deutschland ansieht. Zehn Jahre sind da wirklich die Untergrenze.  

(Die Fragen stellten Klaus Hinkel und Hans-Peter Hoeren)

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Wie Guntram Pehlke die Auswirkungen des Eon-/RWE-Deals auf die Kommunalwirtschaft beurteilt und warum für ihn die jüngsten Beschlüsse zum Kohleausstieg eine "politische Meisterleistung im negativen Sinn" sind, lesen Sie in der Januar-Ausgabe der ZfK. Diese erscheint am kommenden Freitag (15. Januar). Zum Abo geht es hier.  Den ersten Teil des Online-Interviews zu Thema der Beteiligung an RWE und EON finden Sie hier.

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