Blick auf den Gasspeicher Rehden, der allein fast 20 Prozent der in Deutschland vorhandenen Speicherkapazitäten umfasst.

Blick auf den Gasspeicher Rehden, der allein fast 20 Prozent der in Deutschland vorhandenen Speicherkapazitäten umfasst.

Bild: © Astora

Von Andreas Baumer

Die US-Bundesregierung hat Ernst gemacht und ihre mithin wichtigsten Handelspartner China, Kanada und Mexiko mit zusätzlichen Zöllen belegt. Die Ölpreise reagierten prompt und sanken am Dienstagmorgen Richtung 70 US-Dollar pro Barrel der Nordseesorte Brent. Offenbar gehen die Händler davon aus, dass die US-Zölle die Weltwirtschaft weiter einbremsen werden und in der Folge die Ölnachfrage zurückgehen wird.

Für viele Stadtwerke wichtiger sind die Gaspreise. Diese waren bereits in den Tagen zuvor massiv gefallen. Hatte Gas zur Lieferung im April am 10. März fast 58 Euro pro Megawattstunde (MWh) gekostet, waren es am Montagabend nur noch 45 Euro. Am Dienstag segelte der Preis weiter nach unten, auf zwischenzeitlich weniger als 43 Euro pro MWh. Betrachtet wurden die jeweiligen Werte am wichtigsten mitteleuropäischen Handelsplatz, dem TTF.

Spekulationen über Nord Stream 2

Preisdämpfend wirkte in den vergangenen Tagen, dass Mitteleuropa die größte Kältewelle überstanden hat. Zuvor dürften auch Spekulationen und Wetten die Preise auf fast 60 Euro pro MWh hochgepeitscht haben. Des Weiteren dürften Spekulationen über einen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine die Preise gedrückt haben. Dahinter steht die Annahme, dass dann wieder verstärkt russisches Gas nach Europa fließen könnte.

Für Verwirrung sorgten Meldungen, wonach US-Investoren das hochumstrittene Pipelineprojekt Nord Stream 2 wiederbeleben könnten. Laut der Zeitung "Financial Times" sieht die Trump-Regierung dies als Teil einer Neuausrichtung der Beziehungen zu Moskau. Sie soll dabei auf einen "strategischen Vorteil bei den Friedensgesprächen" über die Ukraine hoffen.

Das deutsche Wirtschaftsministerium versuchte Spekulationen am Montag entschieden entgegenzutreten. Es führe keine Gespräche mit Russland über eine etwaige leitungsgebundene Lieferung von russischem Gas, richtete ein Sprecher aus. Dies stehe nicht zur Debatte. In der Folge stiegen die Gaspreise wieder leicht.

Heißer Gassommer voraus

Wer auf die Wetterprognosen blickt, mag meinen, dass Deutschland die Wintersaison bereits hinter sich gelassen hat. Dem Gasmarkt dürfte dann aber ein hitziger Sommer bevorstehen – selbst dann, wenn aus den USA keine Misstöne mehr zu vernehmen wären.

Denn ein mal wieder kälterer Winter,  eine ungewöhnlich hohe Gasnachfrage auf dem Strommarkt sowie das Ende der russischen Gaslieferungen über die Ukraine haben die deutschen Gasspeicher stärker entleert als noch zu Winterbeginn angenommen. Zuletzt waren die deutschen Gasspeicher im Durchschnitt nur noch zu 33 Prozent voll.

Weil die Gasspeicher aber bis zum 1. November wieder bis zu 90 Prozent gefüllt sein müssen, muss im Sommer massiv Gas neu eingespeichert werden. Das Problem: Derzeit ist es unwirtschaftlich, Gas für die Einspeicherung im Sommer zu kaufen und es im Winter wieder zu verkaufen.

Wird THE wieder zum zentralen Akteur?

Der Gesetzgeber hat für diesen Fall eine Notfalloption eingerichtet. Wenn der Markt allein nicht ausreicht, um die Speicher zu befüllen, greift der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) auf die eine oder andere Weise ein. Im Extremfall ist er selbst gezwungen, Gas zu beschaffen, um die Speicherziele zu erreichen.

Dass es so kommt, nehmen immer mehr Experten an. "Ohne weitere Maßnahmen ist davon auszugehen, dass die Erfüllung der Speicherziele einer signifikanten Einspeicherung durch THE [...] bedarf", schrieben jüngst Universitätsprofessor Axel Ockenfels sowie die Frontier-Economics-Experten David Bothe und Matthias Jansen.

Dann könnte es auch richtig teuer werden. Denn THE würde erst vergleichsweise spät mit der Einspeicherung beginnen. "Dann bestehen allerdings auch kaum noch Möglichkeiten für eine optimierte Beschaffungsstrategie, das heißt THE müsste – ähnlich wie im Jahr 2022 – zu jedem Preis Gas beschaffen, um die Erreichung der Ziele sicherzustellen", schreiben die Experten. Zur Erinnerung: THE musste im Energiekrisenjahr 2022 unter anderem den Großspeicher Rheden füllen und zu schwindelerregenden Preisen einkaufen. Am Ende stand ein milliardenschwerer Verlust.

Auf Stadtwerke und Gaskunden würde sich dies alles zeitversetzt auswirken. Denn Verluste darf THE über die sogenannte Gasspeicherumlage weitergeben. Diese stieg übrigens zum Jahreswechsel auf knapp 0,3 Cent pro Kilowattstunde (kWh) – ein neuer Höchststand. Es könnte nicht die letzte Steigerung gewesen sein.

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