Neuer Wirbel um das britische Unternehmen Spirit Energy, an dem die Stadtwerke München (SWM) beteiligt sind. Zwei Probebohrungen in der Barentssee nordöstlich von Norwegen haben die Münchener Grünen auf den Plan gerufen.
"Die Stadt hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt", lässt sich Dominik Krause, stellvertretender Vorsitzender der grünen Fraktion im Stadtrat, in einer Pressemitteilung zitieren. "Um sie zu erreichen, genügt es nicht, die Verbrennung von fossilen Energieträgern drastisch zu senken. Wir müssen auch die Erschließung und Förderung fossiler Energieträger beenden — besonders schnell in ökologisch sensiblen Gebieten wie der Barentssee."
Lizenzen nur für Öl- und Gassuche
In einem Antrag mit der SPD forderte die Ökopartei kürzlich die Stadtwerke dazu auf, einen Plan zum raschen Ausstieg aus der Gas- und Ölförderung vorzulegen. Sozialdemokraten und Grüne regieren seit Frühjahr 2020 gemeinsam die bayerische Landeshauptstadt.
Die SWM nehmen auf ZfK-Nachfrage nun Stellung. Sie betonen, dass Spirit Energy in der Barentssee weder Erdgas noch Erdöl produziere. Das Unternehmen sei auch an keinem Projekt zur Entwicklung von Erdgas- und Erdölfeldern beteiligt. "Spirit Energy besitzt in der Barentssee lediglich Lizenzen zur Suche nach Erdgas und Erdöl", teilt der Kommunalkonzern mit.
SWM-Anteile an Spirit
Die SWM weisen ferner daraufhin, dass nicht sie, sondern Partner Centrica die Lizenzen bei Gründung der Firma eingebracht habe. Spirit Energy entstand 2017 als Joint Venture des britischen Energieversorgers Centrica und der SWM. Die Stadtwerke aus München und anderen bayerischen Städten brachten damals ihre Öl- und Gasproduktionstochter Bayerngas Norge AS ein.
Mit 69 Prozent hält Centrica eine Mehrheit der Spirit-Anteile. Die restlichen 31 Prozent entfallen auf zwei Beteiligungsgesellschaften, in denen die SWM mindestens die Mehrheit der Anteile halten.
Löcher wieder verschlossen
Genau darauf beziehen sich die Stadtwerke nun auch, wenn sie schreiben, sie hätten sich als Minderheitsgesellschafter seit jeher dafür eingesetzt, das Engagement in der Barentssee zu beenden. Es seien weder weitere Bohrungen geplant noch würden neue Lizenzen beantragt werden, betonen sie. Das legt nahe, dass auch die Münchner die Probebohrungen kritisch sehen, sich aber gegen den stärkeren Partner nicht durchsetzen konnten.
Tatsächlich hätten die Probebohrungen keine Umweltauswirkungen mit sich gebracht, teilen die SWM noch mit. Die Löcher seien inzwischen wieder voll verschlossen.
Nachteil sofortiger Ausstieg
Auf Nachfrage der ZfK betonen die SWM, dass sie im Zuge der Wärmewende mit sinkendem Erdgasverbrauch in München ihre Spirit-Beteiligung schrittweise reduzieren wollten. Gleichfalls merken sie an, dass bei einem sofortigen Ausstieg keine einzige Tonne CO2 eingespart würde.
"Die SWM müssten die benötigten Gasmengen an den Großhandelsmärkten beschaffen", erklärt der Kommunalversorger. "Dort hätten sie keinen Einfluss auf die Herkunft und Gewinnungsgebiete. Zudem können Abhängigkeiten von großen Produzenten entstehen."
Gasgarantie für München
Dies ist mit der Spirit-Beteiligung tatsächlich anders. Die SWM hat das Recht, bis zu 31 Prozent der geförderten Gasmengen, begrenzt auf die Höhe des Erdgasverbrauchs in München, zuzüglich 25 Prozent zu marktüblichen Konditionen zu beziehen. Damit ist der Erdgasverbrauch der Millionenmetropole vollständig aus Bezugsrechten garantiert. (ab)



