Russlands Präsident Wladimir Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin

Bild: © Evgeny Biyatov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Wird Wladimir Putin zum Retter des europäischen Gasmarkts oder ist es doch eher das Wetter? Jedenfalls hatten deutsche Gashändler nach zermürbenden Wochen nun gleich zwei Mal Grund zur Erleichterung.

Zuerst zu Russland. Da schien der staatliche Gaskonzern Gazprom schon vor gut einer Woche die Basis für die rhetorische Wende des Präsidenten gelegt zu haben.

Russland: Füllstand auf Rekordniveau

Der Füllstand in den unterirdischen Speicheranlagen sei auf einem Rekordniveau, schrieb das Unternehmen auf dem Nachrichtendienst Telegram. Und zwar bei exakt 72,6 Milliarden Kubikmetern.

Zudem seien die Reparaturen an 89 Anlagen zur "komplexen Gasvorbehandlung in Produktionsstätten" nun vollständig abgeschlossen. Sprich: Russland sieht sich gerüstet für den kommenden Winter.

Putin zeigt sich großzügig

Zuvor hatten Marktbeobachter immer wieder darauf hingewiesen, dass Russland möglicherweise auch deshalb nicht so viel Gas nach Europa liefere wie erhofft, weil die eigenen Reserven nach einem strengen Winter leergelaufen seien. Dieses Argument hat nun deutlich an Schlagkraft verloren.

Und tatsächlich verging keine Woche, bis Putin sich plötzlich großzügig zeigte. Er habe Gazprom angewiesen, die Lieferungen nach Deutschland und Österreich zu erhöhen, sobald die unterirdischen Speicher in Russland aufgefüllt seien, meldete die Agentur Tass.

Gaspreise fallen deutlich

Gazprom-Chef Alexej Miller erklärte demnach, dass sein Unternehmen damit nach dem 8. November beginnen könne. (Die ZfK berichtete.)

Die Aussagen verfehlten ihre Wirkung nicht. Prompt feierten ihn russische Medien als "Retter Europas". Und prompt fielen die Gaspreise deutlich. Im Spotmarkt waren es von Mittwoch auf Donnerstag satte 10 Euro pro MWh weniger. Am Donnerstagabend notierten sie bei 73,74 Euro pro MWh (Handelspunkt TTF).

Rehden bleibt fast leer

Inwiefern der Abwärtstrend nun anhält, wird sich zeigen müssen. Bislang erweckten geringe Buchungen und Gasflüsse aus Russland über die Jamal- und Ukraine-Pipelines nicht gerade den Eindruck, als sei Russland bereit, mehr zu liefern.

Auch Deutschlands größter Gasspeicher in Rehden, betrieben von der Gazprom-Tochter Astora, speichert seit Wochen nicht mehr ein. Sein Füllstand liegt unverändert bei 9,5 Prozent (Stand: Freitag, 6 Uhr).

Faktor Wetter

Immerhin: In alle in Deutschland gelegenen Gasspeicher zusammengenommen wurde nach Tagen des Ausspeicherns am Mittwoch erstmals wieder mehr netto eingespeichert, wie Zahlen des Branchendienstes AGSI+ zeigen. Der aggregierte Füllstand liegt bei 71 Prozent.

Noch unvorhersehbarer als zusätzliche Gaslieferungen aus Russland dürfte diesen Winter das Wetter bleiben. Das bescherte Deutschland am Freitag zumindest einen schönen, warmen Herbsttag.

"Hoffen auf milden Winter"

In normalen Zeiten hätten sich Gasversorger zu dieser Jahreszeit gern auch schon kältere Temperaturen gewünscht. Denn in normalen Zeiten bedeutet mehr Kälte mehr Gasverbrauch und in der Regel auch mehr Profit für Versorger.

Nicht so dieses Jahr. Denn wie ein Chef eines Gasversorgers angesichts der aktuell hohen finanziellen Beschaffungsrisiken im Großhandel sagte: "Wir alle hoffen in dieser Heizsaison auf weitere Tage wie diese, wir alle hoffen auf einen milden Winter." (aba)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper