Ein nächster großer Versorger im L-Gas-Gebiet handelt, um nicht in einen Versorgungsengpass mit L-Gas zu schlittern: Die Rheinenergie hat ihre drei Gaskraftwerke infrastrukturseitig an das H-Gas-Netz angeschlossen. „Alle drei sind schon mit H-Gas gelaufen“, erklärte eine Sprecherin gegenüber der ZfK.
Die Rheinenergie betreibt drei große Kraftwerke mit Gas: das Heizkraftwerk Köln-Merkenich (108 + 15,8 MW), das Gas-und-Dampf(GuD)-Kombikraftwerk Niehl II (413 MW) und das GuD Niehl III (459 MW). Der Bedarf an Gas liegt bei 22 000 (Merkenich), 70 000 (Niehl II) und 75 000 Kubikmetern pro Stunde. Der Jahresverbrauch an Gas ist natürlich sehr stark abhängig von der Witterung und darausfolgend den Einsatzzeiten. Im vergangenen Jahr nutzen die Kraftwerke rund 860 Mio. Kubikmeter Gas, erläuterte die Sprecherin.
Neue GDRM gebaut
Für die Umstellung der Versorgung mit H-Gas musste die Rheinenergie zwei große Maßnahmen umsetzen: Die Gasstation Merkenich musste mit einer GDRM (Gasdruckregel und -messanlage) erweitert werden. Die Kapazität der Übernahmestation Merkenich 2 wurde von zirka 250 MWh pro Stunde auf 2000 MWh pro Stunde erhöht.
Zuleitungen mussten keine gebaut werden, da die Station in Merkenich bereits an die von Gascade betrieben Wedal-Leitung mit H-Gas versorgt wird. Die Zuleitung hat eine Kapazität von 2000 MWh pro Stunde. In den Kraftwerken wurden zudem die Brenner an die Spezifikationen von H-Gas angepasst.
Rheinenergie folgt EWE nach
Mit der Rheinenergie agiert damit nach EWE der zweite Versorger auf drohende Engpässe bei der L-Gas-Versorgung und stellt große Verbraucher frühzeitig auf H-Gas um. Bekanntlich drosselt die Niederlande die Produktion aus dem L-Gas-Feld Groningen.EWE hatte bereits Mitte Februar mitgeteilt, den Bezug von etwa 1,7 Mrd. Kubikmeter L-Gas in den nächsten zwei Jahren durch zwei Maßnahmen um rund 75 Prozent zu reduzieren. Die Investition liegt bei etwa 20 Mio. Euro. Zum einen will EWE eine weitere H-Gas-Leitung sowie eine Mischanlage bauen und dann L- und H-Gas mischen. Dieses sogenannte Blending reduziert den Bezug von L-Gas um etwa 835 Mio. Kubikmetern.
Zum anderen will EWE auf dem Gelände der GTG Nord GmbH in Leer-Nord eine Stickstoffanlage bauen. Durch das Hinzufügen von Stickstoff zu H-Gas kann L-Gas erstellt werden. Damit könnte ebenfalls etwa 850 Mio. Kubikmeter L-Gas aus Groningen eingespart werden. Diese Stickstoffanlage kostet im Betrieb etwa drei Mio. Euro pro Jahr. Da diese Anlage der Versorgungssicherheit dient, ist EWE mit den Regulierungsbehörden in Gesprächen. Ohne eine gesicherte Finanzierung könne das Zehn-Mio.-Euro-Projekt nicht realisiert werden, ließ EWE wissen. (al)



