An den europäischen LNG-Terminals wurden bisher im Juni nur 40 LNG-Lieferungen importiert, im Vormonat zum gleichen Zeitpunkt waren es 52 Lieferungen. Die LNG-Aussendungen gehen in dieser Woche auf rund 2500 GWh/Tag zurück, der tiefste Stand bisher in diesem Jahr.
In den nächsten sieben Tagen werden nur elf weitere LNG-Tanker erwartet. Jeweils zwei Lieferungen gehen nach Eemshaven (Niederlande) und Frankreich, eine Lieferung wird in Brunsbüttel erwartet.
In Asien zeigt sich die LNG-Nachfrage hingegen fest. In den größten Abnahmeländern China, Japan, Korea, Taiwan und Indien wurden im laufenden Monat bereits über 100 LNG-Lieferungen importiert, leicht über dem Niveau des Vormonats.
LNG-Produktion in Australien eingeschränkt
Der US-amerikanische Großkonzern Chevron musste den Betrieb seines Wheatstone-Flüssigerdgasprojekts (LNG) in Australien mit zwei Zügen und einer Jahreskapazität von 8,9 Mio. Tonnen unterbrechen, um Reparaturen am Treibstoffsystem der Wheatstone-Offshore-Plattform durchzuführen.
Die Dauer des Ausfalls von Wheatstone ist derzeit nicht bekannt und erfolgt weniger als zwei Wochen, nachdem Chevron die Produktion von Train 2 seines Gorgon LNG-Projekts wieder aufgenommen hatte und das australische Verflüssigungsprojekt mit einer Kapazität von 15,6 Mio. Tonnen pro Jahr nach fast einem Monat Stillstand wieder voll in Betrieb genommen wurde.
Dies sorgt auch in dieser Woche für feste LNG-Preise in Asien und dementsprechenden Impuls für die europäischen Gaspreise. Am asiatischen JKM bewegt sich der Kontrakt Winter-24 in dieser Woche im Bereich bei umgerechnet 41-42 EUR/MWh, das heißt rund 2 EUR/MWh teurer als am niederländischen Handelspunkt TTF.
Gasnachfrage auf Sieben-Wochen-Hoch
Wegen der zuletzt kühleren Temperaturen steigt die Gasnachfrage in den EU-Ländern und Großbritannien in dieser Woche auf rund 8000 GWh/Tag, der höchste Stand seit Ende April.
In Deutschland stieg die Gasnachfrage am Mittwoch mit knapp 1700 GWh/Tag über den saisonalen Mittelwert. Im laufenden Monat liegt damit die Gasnachfrage in Deutschland insgesamt nur drei Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel. Im Vormonat war es noch ein Minus gegenüber dem Richtwert von 22 Prozent.
Schwache Einspeicherungen
Als Folge des reduzierten Angebots weiten die Einspeicherungen in die EU-Gasspeicher in dieser Woche ihr Fünf-Jahres-Tief aus und fallen auf durchschnittlich 2500 GWh/Tag; das Fünf-Jahres-Mittel liegt bei 4000 GWh/Tag.
Die Netto-Einspeicherungen in die EU-Gasspeicher liegen im laufenden Monat bei insgesamt nur rund 30 TWh. Ein schwacher Wert für Juni und 37 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel. Die Gasspeicher waren zuletzt zu 72 Prozent gefüllt, knapp unter dem Niveau des Vorjahres.
Dies ist dank der guten Füllstände noch nichts Besorgniserregendes, jedoch hat das Tempo aus den Vormonaten zuletzt spürbar nachgelassen. Im Spannungsfeld der geopolitischen Konflikte, Unsicherheit über die weitere Entwicklung der russischen Gasflüsse und der ungeplanten Ausfälle in Norwegen sorgt dies natürlich für eine gewisse Nervosität an den Märkten.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: Gasangebot sinkt auf 11-Monats-Tief
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