Im Gegensatz zu Deutschland schließen Südkorea und die Niederlande Wasserstoff für PKW nicht aus. Wo sich die Wasserstoff-Strategien internationaler Player sonst noch unterscheiden, haben Acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) und Dechema (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie) im gemeinsamen Projekt „Wasserstoff-Kompass“ analysiert. Die in der Auswertung berücksichtigten Strategien stammen aus dem Zeitraum 2017 bis vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.
„Der Vergleich von Wasserstoffstrategien bietet die Möglichkeit, priorisierte Anwendungsgebiete, spezifische Vorgehensweisen und potenzielle Handelspartner zu identifizieren“, sagt Andrea Lübcke, Leiterin des Projektes Wasserstoff-Kompass bei Acatech.
Russlands Krieg könnte Einstellung zu blauen Wasserstoff ändern
Bei der Wasserstofferzeugung setzten die untersuchten Länder auf Elektrolyseure, vor allem auf Basis von Strom aus erneuerbaren Energien. Einige Staaten sehen blauen Wasserstoff als Übergangslösung. „Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist es nicht unwahrscheinlich, dass insbesondere europäische Länder ihre bisherige Haltung zu blauem Wasserstoff verändern, da davon auszugehen ist, dass nicht mehr Erdgas als bisher für die Wasserstofferzeugung verwendet wird“, sagt Jens Artz, Leiter des Projektes Wasserstoff-Kompass bei der Dechema.
Aufgrund von günstigen Standortbedingungen durch ein hohes Angebot an erneuerbaren Energien haben Chile, Spanien, Portugal und Marokko festgehalten, dass sie grünen Wasserstoff exportieren wollen. Australien, Kanada und Norwegen geben an, dass sie auch Wasserstoff auf Basis fossiler Rohstoffe exportieren wollen.
Vor allem Pläne für PKW unterschiedlich
Viele Länder streben die Nutzung von Wasserstoff in der Industrie in jenen Bereichen an, die bereits einen hohen Wasserstofbedarf sowie vorhandene Infrastruktur aufweisen, wie die chemische Industrie und Raffinerien. Im Wärme- und Energieanwendungsbereich können sie sich den Einsatz von Wasserstoff und Wasserstoffderivaten mittel- bis langfristig vorstellen.
Im Verkehrssektor streben die meisten Länder an, Wasserstoff kurz- bis mittelfristig im (Schwer-)Lastverkehr sowie in Flottenverbünden einzusetzen. Für den Individualverkehr unterscheiden sich die Länderstrategien stark: China und Kalifornien haben Strategien zum Hochlauf von Brennstoffzellenfahrzeugen veröffentlicht. Auch Japan, Südkorea, die USA, Kanada und Niederlande sehen einen frühzeitigen Einsatz von Wasserstoff im motorisierten Individualverkehr. Deutschland, Norwegen, Europäische Union, Frankreich, Chile, Spanien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Marokko erwähnen Wasserstoff-PKW in ihren Strategien nicht. (pfa)



