Noch nie schnellten die Strom- und Gaspreise so nach oben wie in den vergangenen Monaten.

Noch nie schnellten die Strom- und Gaspreise so nach oben wie in den vergangenen Monaten.

Bild: © American Public Power Association/Unsplash

Es war ein Sturm, wie ihn sich so mancher Anbieter am deutschen Strommarkt wohl schon früher gewünscht hätte. Ein Sturm, der Deutschland mal wieder richtig viel Wind, wenn auch mancherorts deutlich zu viel Wind, bescherte. Der die Erzeugung aus Windkraftanlagen am Donnerstag in der Spitze auf mehr als 46 Gigawatt hochpeitschte.

Entsprechend sanken die Strompreise an der Kurzfristbörse Epex Spot am selben Tag zur Mittagsstunde auf bis zu 18,90 Euro pro MWh, wie Zahlen des ZfK-Datenraums zeigen.

Preise am Spot- und Terminmarkt

Auch auf den ganzen Tag gesehen erholten sich die Preise am Spotmarkt deutlich. Kostete Anfang der Woche eine Megawattstunde Stunde fast 190 Euro pro MWh (Base), waren es am Donnerstag nur noch 64 Euro.

Auch am Terminmarkt gingen die Werte nach unten, jedoch deutlich langsamer. Am Donnerstag notierte der Preis für den Liefermonat November bei 180 Euro pro MWh (minus vier Euro im Vergleich zum Wochenauftakt). Für das Lieferjahr 2022 waren es 120 Euro pro MWh (minus sieben Euro im Vergleich zum Wochenauftakt).

Sorge vor langem, kalten Winter

Zieht das Preisgewitter an den Energiemärkten also langsam vorbei? So weit würde wohl kaum jemand gehen. Zu hoch scheinen weiterhin die Brennstoffpreise zu sein, allen voran Gas. Zu groß ist zudem die Sorge, dass ein langer, kalter Winter alles noch schlimmer machen könnte.

Doch auch am Gasmarkt mehren sich die Stimmen, die vor allzu viel Aktionismus und Panikmache warnen und auf Preisentwicklungen in gar nicht so langer Zukunft deuten, die doch wieder viel normaler aussehen.

IEA: 2021 von "Einmaleffekten" geprägt

Jean-Baptiste Dubreuil, Gasanalyst von der Internationalen Energie-Agentur, etwa erinnerte jüngst im Rahmen einer Zukunft-Gas-Veranstaltung daran, dass die Gaspreisentwicklung in diesem Jahr von einer Reihe von "Einmaleffekten" geprägt sei.

Er nannte lange und strenge Winter und ungewöhnlich trockene Sommer, die die Nachfrage nach Gas angeheizt hätten. Dubreuil erwartet, dass die Kurve im kommenden Jahr wieder zurückgehe – und zwar global. Er glaubt auch, dass dann die Kapazitäten wieder größer sein dürften als in diesem Jahr.

Entspannung voraus

Tatsächlich ist der Preis für Gas, das in zwei Quartalen geliefert werden soll und damit nach dem kommenden Winter, schon wieder deutlich günstiger. Zahlt man aktuell für den Liefermonat November am Handelspunkt TTF noch fast 90 Euro pro MWh, sind es dann gerade 45 Euro.

Wer weiter in die Zukunft blickt, kann sich noch günstiger eindecken. Für das Kalenderjahr 2023 wird Gas aktuell für 33 Euro pro MWh, gehandelt, für das Kalenderjahr 2024 sind es nicht einmal mehr 25 Euro pro MWh. Von Gaskrise ist dort nichts mehr zu spüren.

Ausblick am Strommarkt

Niedrigere Gaskosten würden auch preisdämpfende Signale an den Strompreis senden. Dieser aber wird noch von anderen Faktoren beeinflusst. Vom CO2-Preis etwa, der nunmehr seit mehr als einer Woche die 60-Euro-Grenze nicht mehr nehmen konnte und doch tendenziell weiter steigen dürfte.

Oder von den verfügbaren Kraftwerkskapazitäten. Kommen trotz hohen CO2-Preises verstärkt Kohlekraftwerke zum Einsatz, bleibt Strom teuer.

Entspannung ab zweitem Quartal 2022

Auch deshalb scheinen Vor-Corona-Preise von 30 bis 50 Euro pro MWh eher der Vergangenheit anzugehören. Stattdessen werden die Preise für die Lieferjahre 2023 bis 2025 für mehr als 70 Euro pro MWh gehandelt. Und für das Lieferjahr 2022 steht der Preis sogar bei 122,50 Euro pro MWh (Zahlen von EEX, Stand Donnerstagabend). Insgesamt zeichnet sich auch am Strommarkt erst ab dem zweiten Quartal 2022 eine Entspannung ab.

Das ist aber gleichfalls deutlich weniger als die fast 300 Euro pro MWh, die Anfang dieses Monats am Spotmarkt beobachtet wurden, oder jene 160 Euro pro MWh, die am 5. Oktober für den Frontjahreskontrakt fällig waren. (aba)

Täglich aktualisierte Energiedaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit Energy Brainpool befüllt wird.

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