Ein Teil der deutschen Gasspeicher kann künftig für die Lagerung von Wasserstoff genutzt werden. Das geht aus der Studie „Wasserstoff speichern - soviel ist sicher“ hervor. Hinter der Analyse stehen der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie, der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches und die Initiative Energien Speichern. Erarbeitet wurde sie unter Leitung des Gastechnologischen Instituts in Freiburg.
Auf der Grundlage verschiedener Szenarien haben die Studienautoren untersucht, was technisch getan werden muss, um die vorhandenen Gasspeicher für die Nutzung von Wasserstoff umzurüsten. In einem zweiten Schritt haben die Forscher modelliert, wie Gas- und Wasserstoffspeicher in Deutschland entwickelt werden müssen, damit die Energiewende gelingt. Im letzten Schritt wurde berechnet, wieviel die Transformationspfade kosten würden.
Zubau unerlässlich
Das Ergebnis: Laut der Analyse können die aktuell in Deutschland vorhandenen Gasspeicher so umgerüstet werden, dass sie rund 32 Terawattstunden Wasserstoff fassen können. Um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen, sei aber ein Zubau von weiteren Wasserstoffspeichern mit einer Kapazität von bis zu 41 TWh notwendig.
Für Frank Gröschl, Leiter Technologie und Innovationsmanagement des DVGW, belegt die Studie eindeutig, dass sowohl die Gasnetze als auch die Gasspeicher unverzichtbare Elemente der Energiewende sind. Die Politik müsse beim Thema Wasserstoff sehr viel stärker die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nehmen und nicht nur einzelne Sektoren adressieren. „Alle Komponenten des Energiesystems müssen integriert gedacht und entwickelt werden“, fordert er. Es sei davon auszugehen, dass schon ab 2030 ausreichend Wasserstoff zur Verfügung stehe. Es sei vergleichsweise einfach und kostengünstig, die vorhandene Infrastruktur umzurüsten, gab er zu bedenken.
Kavernenspeicher besser geeignet als Porenspeicher
Die Analyse zeigt auch, dass die hierzulande weit verbreiteten Kavernenspeicher offenbar besser für die Wasserstoffspeicherung geeignet sind als Porenspeicher. Während bei Kavernenspeichern im Grundsatz bereits eine Anpassung der Anlagenkomponenten die Speicherung von reinem Wasserstoff ermöglicht, muss bei Porenspeichern eine Einzelfallprüfung die Tauglichkeit zunächst belegen. Ingo Forstner, Leiter Speicher & Geothermie beim BVEG, erläutert dazu: „In der Studie wird angenommen, dass aufgrund der geologischen Gegebenheiten nur vier von sechzehn Porenspeichern für die Speicherung von reinem Wasserstoff genutzt werden können. Kavernenspeicher hingegen werden vollständig für die Umwidmung auf Wasserstoff in der Modellierung eingesetzt; sie sind für die Speicherung von Natur aus besonders gut geeignet.“
Die Kosten für die Umwidmung heutiger Gasspeicher und den Neubau von Wasserstoffspeichern beziffern die Autoren der Studie je nach Szenario auf bis zu 12,8 Mrd. Euro. Eine vergleichsweise kleine Summe, angesichts der Gesamtkosten für die Energiewende, wie INES-Geschäftsführer Sebastian Bleschke ausführte. Für eine Umsetzung der Energiewende gemäß den Langfristszenarien des BMWK sei ein Zubau zwischen 15 und 41 TWh erforderlich. Diese Aufgabe sei für die Speicherwirtschaft herausfordernd.
Politik muss Speicher stärker in den Blick nehmen
Bleschke sprach sich auf ZfK-Nachfrage daher für ein stärkeres Engagement der Politik aus. In der Nationalen Wasserstoffstrategie komme das Thema Wasserstoffspeicherung kaum vor. „Die Politik muss diesen Bereich dringend strategisch mitdenken“, mahnte Bleschke. Sie müsse die Speicherumrüstung wie auch den Neubau anschieben und einen tragfähigen Marktrahmen entwickeln. Wichtig seien auch gute, passgenaue Förderprogramme. Eine Weiternutzung bestehender Porenspeicher auf Basis von bspw. Biogas/-methan könne die Herausforderungen und Kosten weiter senken, so der INES-Chef.
Zeit zu verlieren habe man jedenfalls nicht. Nach Angaben von Ingo Forstner dauert der Neubau eines Speichers je nach Beschaffenheit zwischen siebeneinhalb und zehn Jahren.
Methanpyrolyse als Chance
Die Studie nimmt auch die Methanpyrolyse in den Blick – laut Frank Gröschl ein vielversprechender Ansatz, um sicherzustellen, dass 2030 auch genügend Wasserstoff zu bezahlbaren Preisen bereitsteht. „Champagner-Debatten“ bräuchte man dann nicht mehr zu führen, ist er überzeugt. (amo)



