Fracking birgt Gefahren und ist umstritten. Eine neue Studie soll Kritiker beschwichtigen.

Fracking birgt Gefahren und ist umstritten. Eine neue Studie soll Kritiker beschwichtigen.

Bild: © Stockwerk Fotodesign/AdobeStock

Deutschland könnte etwa ein Viertel seines Gasbedarfs mit heimischem Schiefergas decken. Eine neue Studie schätzt das förderbare Vorkommen auf rund 1000 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Selbst unter vorsichtigen Annahmen könnten hierzulande pro Jahr rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert werden, teilt die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit mit.

Die Förderung von Schiefergas ist aufgrund hoher Risiken für Mensch und Umwelt umstritten und die kommerzielle Nutzung in Deutschland verboten. Lediglich zu Forschungszwecken ist es erlaubt, zu fracken – also tief liegendes Gestein mittels einer Spezialflüssigkeit und hohem Druck aufzubrechen, um dort lagerndes Gas zu fördern.

Chemikalien im Grundwasser, Methan in der Luft

Kritiker wie das Umweltbundesamt sehen insbesondere die Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers durch eingesetzte Chemikalien und anfallendes Abwasser. Andere, etwa Greenpeace, verweisen darauf, dass dabei mehr als mit anderen Fördermethoden unbeabsichtigt Methan in die Atmosphäre entweichen könnte.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung hält dagegen, dass sich Technik und Regulierung in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt hätten. "Bei Einhaltung moderner technischer Standards gelte die Technologie inzwischen als gut beherrschbar", zitiert die Stiftung aus der von ihr beauftragten Studie. Autor ist der ehemalige Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Hans-Joachim Kümpel.

Das bestehende Verbot der unkonventionellen Förderung [steht] zunehmend im Widerspruch zum wissenschaftlichen Kenntnisstand und zur energiepolitischen Realität.

Zudem seien die Energiepreise aufgrund geopolitischer Krisen hoch. Fracking in Deutschland verringere die Importabhängigkeit, wirke potenziell preisdämpfend und schaffe zusätzliche Wertschöpfung. Das bestehende Verbot der unkonventionellen Förderung stehe daher "zunehmend im Widerspruch zum wissenschaftlichen Kenntnisstand und zur energiepolitischen Realität", so die Stiftung.

Bereits im April hatte die Diskussion über eine stärkere Nutzung heimischer Gasvorkommen neuen Auftrieb erhalten. Hintergrund waren Äußerungen aus dem Bundeswirtschaftsministerium, wonach eine Ausweitung der inländischen Förderung zur Verringerung der Importabhängigkeit geprüft werden sollte.

Mehr Ressourcen als konventionelles Gas

In einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beraterkreises Wirtschaftspolitik des Ministeriums wurde auch die Möglichkeit genannt, die Förderung von Gas mittels Fracking ernsthaft zu prüfen. Nach Schätzungen der BGR verfügt Deutschland über technisch förderbare Schiefergasressourcen zwischen 3800 und 23.400 Terawattstunden. Damit würden die bislang erschlossenen konventionellen Erdgasvorkommen deutlich übertroffen.

Gleichzeitig verwiesen Fachleute darauf, dass Genehmigungs- und Erschließungsprozesse viele Jahre in Anspruch nehmen würden und die wirtschaftliche Tragfähigkeit entsprechender Projekte weiterhin umstritten ist. Auch mehrere Bundesländer halten bislang am Verbot des unkonventionellen Frackings fest. Die 61-seitige Studie ist kostenlos als PDF auf der Website der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verfügbar.

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