Im wöchentlichen Marktbericht informiert Tobias Waniek Enerchase über die Entwicklungen beim CO2-Zertifikatehandel.

Im wöchentlichen Marktbericht informiert Tobias Waniek Enerchase über die Entwicklungen beim CO2-Zertifikatehandel.

Bild: © Enerchase/ZfK

Ab sofort informiert das Beratungshaus Enerchase die ZfK-Leser in einem wöchentlichen Bericht über das Geschehen auf dem CO2-Markt.

Von Tobias Waniek, Enerchase

In der abgelaufenen Handelswoche zeigte sich der EUA-Dez.25-Future an der ICE Endex zum Wochenausklang schwächer und schloss die Handelswoche 3,5 Prozent leichter bei 68,76 Euro/t CO2. In der aktuellen Handelswoche war die Anspannung vor dem von US-Präsidenten Donald Trump ausgerufenen "Liberation Day" hoch.

Am Donnerstagnachmittag um 15 Uhr notierte das CO2-Zertifikat bei rund 66 Euro/t CO2 und verabschiedet sich damit von der 70-Euro-Marke. Der jüngste CoT-Report mit Datenstand 28. März zeigte mit dem Abbau von Long- und Short-Positionen der Investmentfonds außerdem, dass spekulatives Kapital aus dem EU-ETS abfließt. Zudem sorgte die EU-Politik für Aufsehen.

Im wöchentlichen Marktbericht informiert Tobias Waniek Enerchase über die Entwicklungen beim CO2-Zertifikatehandel.Bild: © Enerchase/ZfK

Anpassung der EU-Klimapolitik: Balance zwischen Wirtschaft und Umwelt

​Laut Medienbericht erwägt die EU-Kommission unter Klimakommissar Wopke Hoekstra, die Klimaziele der Europäischen Union für 2040 flexibler zu gestalten, um Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Belastung für Industrie und Landwirtschaft zu begegnen. Vier Optionen sind dabei im Gespräch, eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 90 Prozent soll aber weiterhin angestrebt werden.

  1. Ein "nichtlinearer" Pfad zwischen dem Reduktionsziel für 2030 von 55 Prozent und der 2040er-Zielmarke. Dies könnte zu einem langsameren Abbau zu Beginn führen, der später in den 2030er Jahren durch einen schnellen Rückgang kompensiert werden müsste.
  2. Der Kauf von Emissionsgutschriften auf neuen internationalen Märkten, die auf das lokale Ziel angerechnet werden. Beispielsweise durch die Finanzierung von Projekten in anderen Ländern zur Emissionsreduzierung (Abholzungsprogramm oder eine effizientere Industrieanlage. Dies birgt laut den Berichten die Gefahr der "Überschwemmung" des Emissionshandels mit internationalen Gutschriften.
  3.  "Negative Emissionen" durch die Investitionen in Wälder oder Technologien zur CO2-Abscheidung aus der Luft (CCS).
  4. Sektorspezifische Emissionsziele, so dass die Reduktionen eines Industriezweigs anrechenbar sind, falls dieser bei der Senkung der Emissionen schneller vorankommt.

Diese Anpassungen sollen die politische Akzeptanz erhöhen und die Umsetzung des Ziels erleichtern. Kritiker, wie die Organisation Carbon Market Watch, warnen jedoch vor einer Aufweichung der Klimapolitik und dem Risiko, frühere Fehler zu wiederholen, etwa durch ein Überangebot an günstigen Emissionszertifikaten. Politisch ist das Ziel auch umstritten: Während die Mehrheit der EU-Staaten es unterstützt, fordern Länder wie Italien eine Senkung auf achtzig oder fünfundachtzig Prozent. Auch Deutschlands künftige Haltung ist unklar, da die CDU bislang keine klare Unterstützung signalisiert hat.

Internationale Beobachter sehen die Verzögerung kritisch, da das EU-Ziel Einfluss auf weltweite Klimapläne (NDCs) hat. Die schleppende Einigung könnte andere große Emittenten wie Indien oder Saudi-Arabien zu weniger ambitionierten Zielen verleiten. UN-Klimachef Simon Stiell forderte die EU daher auf, rasch ein starkes Klimaprogramm vorzulegen.

DEHSt-Bericht 2024: CO2-Auktionserlöse in 2024 rückläufig

Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) veröffentlichte am 31. März den Jahresbericht 2024 über Auktionsergebnisse und Sekundärmarktentwicklungen. Demnach wurden im Jahr 2024 an der EEX rund 85 Mio. EUA- und EUAA-Zertifikate für Deutschland versteigert – ein Rückgang gegenüber 91 Mio. im Vorjahr. Der durchschnittliche, volumen­gewichtete Preis pro Zertifikat lag bei 65 Euro/t CO2 und somit deutlich unter dem Vorjahreswert von 83,66 Euro/t CO2. Wie der Auktionsbericht zeigt, führte dies zu einem Gesamterlös von etwa 5,5 Mrd. Euro, was einem Rückgang von 28 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2023 entspricht. Hauptursache hierfür waren sowohl das gesunkene Preisniveau am CO2-Markt als auch geringere Auktionsvolumina. Ein Tiefpunkt wurde am 23. Februar erreicht, als der Preis auf 49,50 Euro/t CO2 fiel – der niedrigste Stand seit Mai 2021. Trotz der Preisentwicklung blieb die Nachfrage im Primärmarkt stabil: Insgesamt wurden bei 46 EUA-Auktionen Gebote für 164 Mio. Zertifikate abgegeben, was zu einem durchschnittlichen Bieterüberdeckungsverhältnis (Bid-to-Cover Ratio) von 1,95 führte. Die durchschnittliche Zahl der Auktionsteilnehmer stieg gegenüber dem Vorjahr auf 24, wobei 17 von ihnen im Schnitt erfolgreich waren. Zudem wurde am 16. Oktober die letzte deutsche EUAA-Auktion abgehalten, bei der 1,06 Mio. Luftverkehrszertifikate zu einem Preis von 64,14 Euro/t CO2 versteigert wurden. Ab 2025 werden diese Volumina gemäß der neuen EU-Auktionsverordnung anteilig im Rahmen der regulären EUA-Spotauktionen abgewickelt.

Scheidendes Bundeskabinett beschließt Löschung von EUAs

Das scheidende Bundeskabinett hat Medienberichten zufolge am Mittwoch die Löschung von bis zu 514.000 CO2-Zertifikaten für das Jahr 2023 beschlossen, um den Klimaschutzeffekt des Kohleausstiegs zu verstärken. Diese Maßnahme betrifft Zertifikate, die durch die Stilllegung der Kraftwerksblöcke Neurath A und Frechen im Jahr 2022 frei wurden. Durch die geplante Löschung soll der sogenannte Wasserbetteffekt vermieden werden – also das Risiko, dass ungenutzte Zertifikate anderweitig emissionssteigernd eingesetzt werden. Die genaue Anzahl der zu löschenden Emissionsrechte hängt davon ab, wie viele bereits durch die Marktstabilitätsreserve (MSR) automatisch entzogen werden. Die MSR reguliert das Angebot im EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) und stabilisiert so die Preisbildung. Die nun angekündigte nationale Maßnahme ergänzt die im Kohleausstiegsgesetz von 2019 vorgesehene Zertifikatslöschung und unterstreicht Deutschlands Strategie, die Emissionsreduktionen nachhaltig abzusichern.

Die Experten des Beratungshauses Enerchase analysieren wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel für das ZfK-Morning Briefing.

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