Am zukünftigen Anleger für den Flüssiggasimport für Deutschland fand am Donnerstag der erste Rammschlag statt.

Am zukünftigen Anleger für den Flüssiggasimport für Deutschland fand am Donnerstag der erste Rammschlag statt.

Bild: © Sina Schuldt/dpa

Die Bundesregierung drückt beim Aufbau einer Infrastruktur zum Import von Flüssigerdgas (LNG) massiv aufs Tempo. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unterzeichnete am Donnerstag Pachtverträge für vier schwimmende Terminals, sogenannte Floating Storage and Regasification Units (FSRU). Die erste dieser schwimmenden Plattformen soll noch bis Jahresende in Wilhelmshaven in Betrieb gehen. Am Donnerstag erfolgte dort auch der erste Rammschlag für einen Anleger, an dem die LNG-Tanker festmachen sollen.

«Wir haben eine gute Chance, das zu schaffen, was eigentlich in Deutschland unmöglich ist: Innerhalb von etwa zehn Monaten ein LNG-Terminal zu errichten, und es anzuschließen an die deutsche Gasversorgung», sagte Habeck in Wilhelmshaven. Eine zweite FSRU-Anlage soll Anfang 2023 in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein an den Start gehen. Auch im niedersächsischen Stade ist eine Terminal geplant. Ziel ist es, die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern und die Importe aus dem Land zu ersetzen.

Abhängigkeit von Russland reduzieren

Bis vor kurzem bezog Deutschland noch 55 Prozent seines Jahresbedarfs von insgesamt rund 90 Milliarden Kubikmetern Erdgas aus Russland. Inzwischen sei der Anteil auf 35 Prozent reduziert worden, so Habeck. Allein über das neue LNG-Terminal Wilhelmshaven sollen künftig rund 10 Milliarden Kubikmeter Gas in die Netze geleitet werden.

Der Betrieb der vier FSRU erfolgt durch RWE und Uniper, mit denen der Bund jeweils Dienstleistungsverträge schließt. Dafür stehen Haushaltsmittel der Bundesregierung von 2,94 Milliarden Euro zur Verfügung. Konkret mietete Habecks Ministerium jeweils zwei Schiffe von den Anbietern Höegh beziehungsweise Dynagas.

Habeck: Sich nicht von Moskau erpressen lassen

Habeck, der von den niedersächsischen Ministern Olaf Lies (SPD/Umwelt) und Bernd Althusmann (CDU/Wirtschaft) begleitet wurde, sprach zwar von einem guten Tag, an dem auch Geschichte geschrieben werde. Allerdings könne der Hintergrund dafür nicht düsterer sein, betonte er mit Blick auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Dort leiste die ukrainische Armee mit «Heldenmut» und enormer Kampfkraft Widerstand. In dem zügigen Aufbau einer LNG-Infrastruktur als Alternative zu russischem Erdgas sah Habeck auch ein Signal an Moskau, dass man sich nicht erpressen lasse.

Für den rund 370 Meter langen Anleger sollen 150 Stahlpfähle in den Boden gerammt werden, die jeweils 50 Meter lang sind. Der Anleger entsteht in der sogenannten Umschlaganlage Vosslapper Groden. An die schwimmende Anlande- und Speicherplattform (FSRU) sollen die LNG-Tanker direkt festmachen. Bevor das auf minus 162 Grad heruntergekühlte LNG in die Gasnetze geleitet werden kann, muss es erwärmt und regasifiziert werden.

OGE will Pipeline bauen

Der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) will eine rund 30 Kilometer lange unterirdische Pipeline bauen - von dem geplanten LNG-Terminal in Wilhelmshaven bis zum nächsten Anschluss an das Gas-Fernleitungsnetz im ostfriesischen Etzel (Landkreis Wittmund).

Auch EWE ist mit an Bord. Im Sinne einer möglichst effizienten Gesamtlösung plane man, von dieser Leitung abzuzweigen, teilt das Unternehmen mit. „Möglich wird so der Abtransport von Mengen in das nordwestdeutsche Netz. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass die Kapazität der neuen Infrastruktur möglichst gut ausgeschöpft wird“, erläutert EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler, der das Konzept vor Ort persönlich vorstellte.  

Speicher anbinden

EWE bindet mit dem beabsichtigten Neubau einer Leitung von Sande (Friesland) aus auch die Erdgasspeicher in Nüttermoor und Jemgum (Ostfriesland) an, was über eine bestehende Leitung zugleich auch die Querverbindung zum Speicher Huntorf (Wesermarsch) ermöglicht. So könne ein Teil des über das Terminal in Wilhelmshaven importierten Erdgases gespeichert, die Versorgungssicherheit in Deutschland gestärkt und die Abhängigkeit von russischem Gas verringert werden. Die neue Infrastruktur sei für die spätere Nutzung mit grünem Wasserstoff geeignet und daher eine nachhaltige Investition in den Klimaschutz

Bei mehreren Umweltschutzverbänden stießen die Terminal-Pläne auf erhebliche Kritik. (dpa/amo)

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