Für Uniper-Chefanalyst Gregor Pett hat sich die Liquidität auf dem deutschen Gasmarkt nach einem turbulenten Jahr inzwischen deutlich verbessert.
Zwar gebe es je nach Lieferzeitpunkt und wegen hoher Unsicherheiten weiterhin große Unterschiede, sagte er bei einer Veranstaltung des Branchenverbands Zukunft Gas. "Man kann aber [wieder] auf dem Markt arbeiten." Die Lage sei derzeit "nicht kritisch", die Preise "weit weg von 300 Euro pro MWh, die wir letztes Jahr gesehen haben."
Preiswelle wie 2022 unwahrscheinlich
Ob sich die Situation verschärfe, hänge auch davon ab, wie kalt der nächste Winter werde, ob es zu ungeplanten Ausfällen in der Infrastruktur komme und ob die energieintensive Industri beginne, vorübergehend stillgelegte Anlagen wieder hochzufahren und Gas einzusetzen, merkte Pett an. "Wenn das kommt, werden wir eine Preisreaktion sehen."
Allerdings halte er eine Preiswelle wie im vergangenen Jahr aktuell für unwahrscheinlich, sofern "nicht massive Dinge passieren."
Blick nach China
Genau dürfte Pett verfolgen, wie sich dieses Jahr die Gasnachfrage in China entwickelt. 2022 war das Wachstum der Volksrepublik insbesondere wegen harter Anti-Corona-Maßnahmen deutlich niedriger ausgefallen als prognostiziert. In der Folge habe das Land weniger als 90 Mrd. Kubikmeter Flüssigerdgas geordert, sagte der Uniper-Experte. "Das war im Vergleich zum Rekordjahr 2021, als fast 110 Mrd. Kubikmeter importiert wurden, ein deutlicher Rückgang."
Er erwarte, dass sich die nach China gelieferte LNG-Menge dieses Jahr in der Mitte zwischen beiden Werten einpendeln würde. Sprich bei etwa 100 Mrd. Kubikmeter. Wie viel Gas das Land tatsächlich benötige, hänge davon ab, welche Branchen wieder wachsen würden. "Die Zahlen sind aus Sicht der chinesischen Wirtschaft bislang nicht sehr ermutigend."
LNG-Konkurrent
Als Gasgroßimporteur mit rasantem Wachstum und großen finanziellen Ressourcen gilt China als einer der härtesten Konkurrenten für Europa auf dem LNG-Weltmarkt. (aba)



