Ein Bagger entlädt Kohle von einem Binnenschiff auf eine Halde neben einem Kraftwerk in Offenbach.

Ein Bagger entlädt Kohle von einem Binnenschiff auf eine Halde neben einem Kraftwerk in Offenbach.

Bild: © Frank Rumpenhorst/dpa

Der Energiekonzern Uniper reagiert gelassen auf das von der EU beschlossene Kohle-Embargo gegen Russland. Uniper habe bereits Monate vor der Invasion Russlands in die Ukraine technische Lösungen geprüft, um die eigenen verbliebenen Steinkohle-Kraftwerke unabhängiger von russischer Kohle zu machen, teilte der Konzern am Freitag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX in Düsseldorf mit.

Sollte die Verwendung durch politische Entscheidungen schon früher ausgeschlossen werden, werde der Konzern dem selbstverständlich folgen. Technisch sei dies bereits jetzt möglich, hieß es weiter.

Sollte es zu einem früheren Ausschluss kommen, plädiert Uniper dafür, die Auswirkungen für die Marktteilnehmer zu berücksichtigen. Der Konzern prüfe jeweils unmittelbar, wie sich die neuen Bestimmungen auf die Sicherheit der Versorgung durch Kohlekraftwerke auswirken werden.

Uniper: Übergangsplanung stellt sicheren Anlagenbetrieb sicher

Mit einer Übergangsplanung stellt Uniper nach eigenen Angaben zudem sicher, dass der sichere Betrieb der Anlagen auch zukünftig ohne russische Kohle gewährleistet werden kann.

Die 27 EU-Staaten hatten am Donnerstagabend das fünfte große Paket mit Russland-Sanktionen auf den Weg gebracht. Die ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten billigten die Vorschläge der EU-Kommission, die unter anderem einen Importstopp für russische Kohle vorsehen. Dafür gilt eine Übergangsfrist von vier Monaten.

Für den Düsseldorfer Konzern ist Russland nach eigener Aussage «einer der wichtigsten Märkte». In dem Land tritt der Konzern unter dem Namen Unipro auf. An der Tochter sind die Düsseldorfer mit 84 Prozent beteiligt. Die Erzeugungsaktivitäten umfassen vor allem Erdgas, aber auch Stein- und Braunkohle und decken laut Uniper fünf Prozent des russischen Strombedarfs.

ifo-Institut: "Kohle-Embargo kurzfristig unangenehm, aber verkraftbar"

Das beschlossene Kohle-Embargo gegen Russland ist nach Ansicht des Münchner Ifo-Instituts "kurzfristig unangenehm, aber verkraftbar". Das sagte Ifo-Forscherin Karen Pittel am Freitag unter Berufung auf die bisher bekannten Eckdaten zu den Kohlevorräten und den Möglichkeiten für den Ersatz der russischen Importe.

"Die Auswirkungen dürften im Vergleich zu einem Importstopp für russisches Erdgas wesentlich geringer ausfallen." Zudem geht sie davon aus, dass Preiserhöhungen durch das Embargo "eher kurzfristigen Charakter" haben werden.

Keine längerfristige Verknappung von Kohle erwartet

So könne beim Strom Steinkohle bei Bedarf durch Braunkohle ersetzt werden, was wiederum kurzfristig Mengen verfügbar mache, um Nachfrage in der Industrie zu decken, sagte Pittel. Zwar hätten die Importe aus Russland im vergangenen Jahr 57 Prozent der deutschen Steinkohle-Importe ausgemacht.

"Aber es ist zu erwarten, dass dies zumindest im Laufe der kommenden Monate durch Einfuhren aus anderen Ländern ausgeglichen werden könnte". Zu einer längerfristigen globalen Verknappung von Kohle käme es aufgrund des Embargos voraussichtlich nicht.

Für Russland wenig bedrohlich

Russland werde versuchen, auf Abnehmer auszuweichen, die die Sanktionen nicht unterstützen, erwartet Pittel. Dann würden zwar einerseits die Auswirkungen auf die weltweiten Kohlepreise überschaubar bleiben - allerdings auch die Auswirkungen auf Russland.

Daher - und wegen der geringen finanziellen Bedeutung - erscheine ein Embargo für Russland wenig bedrohlich. (dpa/jk/hoe)

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